Was bedeutet gering­fügige Be­schäftig­ung?

Geringfügig beschäftigt ist, wer bei regelmäßiger Beschäftigung (Arbeits­ver­hält­nis für einen Monat oder für unbestimmte Zeit) nicht mehr als 438,05 Euro (Stand: 01.01.2018) im Kalendermonat verdient.

Für diese Entgeltsgrenzen werden Sonderzahlungen (wie z.B. Urlaubs­zu­schuss und Weihnachtsremuneration), auf die man meistens Anspruch hat, nicht be­rück­sichtigt.

Arbeitsrechtliche Ansprüche gegenüber dem Arbeit­geber

Für regelmäßig geringfügig Beschäftigte gilt wie für Teilzeit- und Voll­zeit­be­schäftigte auch

  • das Urlaubsrecht
  • das Recht auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • das Recht auf Pflegefreistellung
  • das Recht auf Abfertigung und
  • die in den meisten Kollektivverträgen festgelegten Ansprüche auf Sonderzahlungen (Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld).

NEU seit 1. Jänner 2018: Längere Kündig­ungs­frist­en bei geringfügig beschäftigten Angestellten

Bisher galten die Kündigungsfristen für Angestellte nur ab einem be­stimmt­en Beschäftigungsausmaß – zum Beispiel bei über 8 Stunden Woch­en­arbeits­zeit, wenn die Normalarbeitszeit in einer Branche 40 Stunden beträgt. Das ist jetzt Vergangenheit. Auch für geringfügig Beschäftigte mit un­be­frist­et­en Verträgen gelten ab 1. Jänner 2018 nicht mehr 2, sondern 6 Wochen Künd­ig­ungs­frist für den Arbeitgeber. Hält er sich nicht an die neuen Fristen, steht Ihnen eine Kündigungsentschädigung zu - das ist alles, was Sie während der Kündigungsfrist verdient hätten.

Achtung

Auch wenn Sie selbst kündigen wollen, gilt jetzt eine längere Frist, nämlich mindestens ein Monat. Halten Sie diese Frist nicht ein, verlieren Sie unter anderem Ihren Anspruch auf die Abgeltung offener Urlaubansprüche.

Geringfügige Beschäftigung und Arbeitszeit

Das Ausmaß der Arbeitszeit und die Lage der Arbeitszeit sind zwischen Arbeitnehmer/-in und Arbeitgeber/-in zu vereinbaren. Die Arbeitszeit kann nicht einseitig abgeändert werden, eine Vereinbarung hinsichtlich Änderung der Arbeitszeit bedarf der Schriftform.

Für einen Arbeitstag, an dem Sie nicht arbeiten, weil er auf einen Feiertag fällt, gebührt Ihnen das Entgelt, das Sie erhalten hätten, wenn Sie an diesem Tag gearbeitet hätten (Feiertagsentgelt).

Tipp

Damit Sie nicht in die Situation kommen, dass sich hinsichtlich Aus­maß und Lage der Arbeitszeit Beweisprobleme ergeben, empfehlen wir Ihnen, bei Aufnahme des Arbeitsverhältnisses eine dem­ent­sprech­ende schriftliche Vereinbarung zu treffen oder die Ausstellung eines Dienstzettels mit Angaben über die Arbeitszeit vom Arbeit­geb­er zu verlangen.

Geringfügige Beschäftigung und Sozial­ver­sich­er­ung

Wenn geringfügig beschäftigte Personen vom Arbeitgeber/von der Arbeit­geber­in bei der Gebietskrankenkasse gemeldet werden, hat der Arbeit­geber/ die Arbeitgeberin jedenfalls Beiträge zur Unfallversicherung zu entrichten.

  • Alle geringfügig Beschäftigten sind jedenfalls unfallversichert.

  • Grundsatz: Sobald Sie mehr als 438,05 Euro (Geringfügigkeitsgrenze) im Kalendermonat verdienen, sind Sie verpflichtend voll sozialversichert (= Kranken-, Pensions-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung)!

    Dabei werden Einkommen aus mehreren Beschäftigungsverhältnissen nach dem ASVG, die bei der Gebietskrankenkasse gemeldet sind, zu­sammen­ge­rech­net. Bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze durch die Zu­sammen­rechnung der Einkommen sind Sie verpflichtend kranken-, pen­sions- und unfallversichert. Arbeitslosenversichert sind Sie allerdings nicht! Die Versicherungsbeiträge werden Ihnen in diesem Fall am Anfang des Folge­jahres von der zuständigen Gebietskrankenkasse vorgeschrieben. In­formationen über die genaue Vorgangsweise erhalten Sie bei Ihrer Ge­biets­krank­en­kasse.

    Entgelte aus geringfügiger Beschäftigung nach dem ASVG sowie Bezüge nach dem Beamten-, Kranken-, und Unfallversicherungs-Gesetz (B-KUVG) werden nicht zusammengerechnet.

  • Geringfügig Beschäftigte sind nie arbeitslosenversichert!

Möglichkeit der Selbstversicherung

Pensions- und Krankenversicherung

Geringfügig Beschäftigte nach dem ASVG haben die Möglichkeit, sich um den monatlichen Beitrag von 61,83 Euro (für Versicherte nach dem B-KUVG: 62,43 Euro) in der Pensions- und Krankenversicherung selbst zu versichern. In diesem Fall haben sie Anspruch auf Krankengeld und Wochengeld.

Wichtig

Mit dem Abschluss einer Selbstversicherung erwerben Sie pro Monat einer geringfügigen Beschäftigung einen vollen Versicherungsmonat, der sowohl in der Kranken- als auch in der Pensionsversicherung als Beitragsmonat zählt.

Arbeitslosenversicherung

Eine Selbstversicherung in der Arbeitslosenversicherung ist nicht möglich!

Fälle aus der praxis

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