„Morgen muss ich länger im Geschäft arbeiten“

Spätestens mit dem ersten Adventwochenende beginnt für die Angestellten im Handel die wohl stressigste Zeit des Jahres. Nicht selten verdoppeln sich die Umsätze im Zuge des Weihnachtsgeschäfts. Für die ArbeitnehmerInnen bedeutet das dann: länger arbeiten!

Aber: Kann Sie Ihre Chefin, Ihr Chef dazu zwingen, länger als sonst im Geschäft zu bleiben? Wann ist es gefährlich, abzulehnen? Welche Rechte haben Eltern, die ihre Kinder beaufsichtigen müssen?

Arbeitszeit-Höchstgrenzen

Für alle Branchen gibt es absolute Höchstgrenzen bei der Arbeitszeit, die keinesfalls überschritten werden dürfen. Wenn Sie dieses Maximum bereits geleistet haben, darf Ihnen Ihre Chefin oder Ihr Chef nicht noch mehr Arbeit aufbrummen. Sie haben das Recht, sich dagegen zu wehren.

Maximalarbeitszeit kann nach Branche variieren

Diese absoluten Höchstgrenzen variieren je nach Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung und liegen meist bei maximal zehn Stunden pro Tag und 50 Stunden pro Woche. In manchen Fällen kann die Maximalarbeitszeit sogar bis zu 60 Stunden pro Woche betragen. Fragen Sie im Zweifelsfall bei der AK Arbeitsrechtsberatung nach, was bei Ihnen gilt. Dringend zu empfehlen ist, täglich Arbeitszeiten und Pausen zu notieren, um im Streitfall gewappnet zu sein.

Tipp

Damit es mit der Zeitaufzeichnung leichter geht, hat die AK den Zeitspeicher entwickelt, der allen ArbeitnehmerInnen kostenlos zur Verfügung steht.

Mehrarbeit oder Überstunden

Wenn die gesetzlichen Höchstgrenzen nicht überschritten werden, kann ein Ablehnen von Mehrarbeit oder Überstunden allerdings heikel sein. Es muss schon einen guten Grund geben, um nein zu sagen, wenn Sie in der Firma dringend gebraucht werden.

Zum Beispiel: Sie finden kurzfristig keine Betreuung für Ihre Kinder außerhalb der sonst üblichen Dienstzeit. Oder: Ein unverschiebbarer Arzttermin steht an. Ihre berücksichtigungswürdigen Interessen müssen schwerer wiegen als die der Firma. Die AK berät im Zweifelsfall, ob Ihr Nein berechtigt ist oder Potenzial zum Bumerang hat.

Tipp

Die Anordnung von Mehr- oder Überstunden sollte die Ausnahme sein, nicht die Regel! Außerdem sollte Sie der Arbeitgeber umgehend darüber informieren, sobald klar ist, dass Mehr- oder Überstunden geleistet werden müssen.

Pflegefreistellung - darf ich beim kranken Kind bleiben?

Im Geschäft geht die Post ab und nun liegt Ihr Kind mit Grippe im Bett. Müssen Sie trotzdem in die Firma?

Wenn Ihr Kind krank wird, haben Sie Anspruch auf Pflegefreistellung bei voller Bezahlung. Die Pflegebedürftigkeit stellt der Arzt fest. Grundsätzlich müssen ArbeitnehmerInnen aber alle Vorkehrungen treffen, dass es zu keiner Arbeitsverhinderung kommt. Wenn also eine andere geeignete Person vorhanden ist, die sich um das Kind kümmern kann, ist keine Pflegefreistellung notwendig.

Pflege

Wenn Sie Ihr Kind pflegen, ist dies kein Grund für eine fristlose Entlassung.


Wie viel Pflegefreistellung bekomme ich?

Sie bekommen so viel Pflegefreistellung, wie Sie in einer Arbeitswoche regelmäßig arbeiten. Bei einer 40-Stunden-Woche können Sie sich beispielsweise pro Arbeitsjahr 40 Stunden zur Pflege freinehmen.

Wenn Ihr Kind unter 12 Jahre alt ist, in einem Arbeitsjahr neuerlich krank wird und die erste Woche schon ganz verbraucht ist, gibt es eine zusätzliche Woche Pflegefreistellung.

Fälle aus der praxis

Frau in Bibliothek © CandyBox Images, Fotolia.com

Broschüren

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