Die vernachlässigte Zuckerquelle „Near Water“ – Vergoldetes Wasser?

Die sogenannten „Near Water“-Getränke, die Wässer oder Mineralwässer in verschiedensten Geschmacksrichtungen, erfreuen sich heute weiterhin an großer Beliebtheit. Doch hinter der Fassade des „Mineralwassers mit ein wenig Fruchtgeschmack“ stecken unvermutete Mengen an Zucker.

„Near Water“ bezeichnet grundsätzlich Getränke auf Wasserbasis mit Frucht- oder Kräutergeschmack und es hat seine Ursprünge in Frankreich, wo 1989 das erste Volvic – ein natürliches Mineralwasser – mit Geschmack verkauft wurde. 

Lebensmittelrechtlich gesehen aber zählen diese Getränke sogar zu Erfrischungsgetränken wie Coca-Cola und Co, nicht zu Mineralwässern. Aufgrund der steigenden Anzahl der Produkte, führte unser Konsumentenschutz nach 10 Jahren seit der letzten Untersuchung eine erneute Erhebung der „Near Water“-Getränke durch. Beurteilt wurden die Aufmachung und Kennzeichnung, zusätzlich wurde eine chemische Analyse durchgeführt.

Unerwartete Mengen an Zucker

Im Jahr 2012 stellten wir einen Zuckergehalt von rund 38 Gramm pro Liter fest, das entspricht ganzen 10 Zuckerwürfeln. Laut WHO, welche zu einer Reduzierung von Zucker in Speisen und Getränken auf 14 Zuckerwürfel für Erwachsene pro Tag rät, wäre der Tagesbedarf für Kinder und Jugendliche hiermit bereits abgedeckt. Im Jahr 2022 enthalten die Getränke immer noch 8 Zuckerwürfel, eine ebenso geringe Veränderung ist bei den Kalorien zu verzeichnen. Für eine Zeitspanne von ganzen 10 Jahren ist diese minimale Veränderung für uns ein sehr enttäuschendes Ergebnis.

Mittlerweile gibt es zwar komplett ungesüßte „Near Water“-Getränke, in welchen aber trotzdem Zucker durch zugesetzten Fruchtsaft enthalten ist.

Die einzige gute Nachricht hierbei ist zum einen, dass die Getränke offiziell als kalorienarm gelten, da weniger als 200 kcal/Liter enthalten sind – zum anderen, dass sie immerhin weniger Zucker als andere Erfrischungsgetränke beinhalten.

Kontaminiertes Mineralwasser?

Die chemische Analyse stellte weiters auch fest, dass die Getränke frei von jeglichen Pestiziden sind. Untersucht wurde auf die 1500 in der EU zugelassenen, sowie einige nicht zugelassene oder verbotene Pestizide, welche womöglich in Drittstaaten angewandt wurden, da es dort weniger strenge Regelungen dafür gibt.
Durch die Verfrachtung aus der Anwendung in der Landwirtschaft wäre es nämlich möglich, dass Pestizide in Gewässer oder Grundwasser übergehen und somit auch in die Getränke. Auch die Fruchtsäfte können die Gefahr einer Kontamination bergen, wenn beim landwirtschaftlichen Anbau Pestizide angewandt wurden. Die Konsumentenschützer geben aber Entwarnung.

Vertrauenswürdige Angaben verraten Beunruhigendes

Eine Nährwertkennzeichnung ist auf jedem untersuchten Produkt vorhanden und sämtliche Angaben des Herstellers auf der Flasche sind zuverlässig – auch das ergab die chemische Analyse. Der Käufer kann also zumindest den Angaben vertrauen.

Aus diesen Angaben lässt sich beispielsweise ablesen, dass zwar die Mehrheit der Getränke tatsächlich natürliches Mineralwasser als Basis haben, ein trotzdem noch großer Teil jedoch normales Wasser, dem im Nachhinein Kohlensäure zugesetzt wird. Auch enthält der Großteil Aromen, um den jeweiligen Geschmack zu erzeugen. Aufpassen muss man hier auch bei den zuvor erwähnten ungesüßten Produkten, da bei diesen der Geschmack ausschließlich durch Aromen erzeugt wird.

Neben diesen Aromen werden Fruchtsäfte und Extrakte zur Geschmackserzeugung zugesetzt. Die Mengenanteile der Fruchtmischungen liegen zwischen 0,02% und 15%. Je exotischer hierbei die Frucht ist, desto weniger Fruchtsaft ist enthalten. Die Abbildungen auf den Flaschen versprechen etwas anderes – somit wird auch die Zugabe künstlicher Aromen verschleiert. Dies kritisieren unsere Konsumentenschützer stark. Genauso irreführend ist, dass die „Near Water“ bewusst wenig farb- und geschmackskräftig sind und im Supermarkt in der Nähe von gewöhnlichen Mineralwässern steht.

Ein weiteres Defizit ist, dass kein einziges untersuchtes Produkt eine Auszeichnung nach dem Nutri-Score hatte – eine Skala vom Buchstaben A bis E, welche verschiedene Produkte einer Kategorie miteinander vergleicht. Die „Near Water“ haben ein mittleres C. Da die freiwillige Kennzeichnung in Österreich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern nicht eingeführt ist, ist er nur auf importierten Produkten zu finden. Das finden wir schade, da er den Konsumenten bei der Beurteilung nach Nährwerten helfen würde.

Preissteigerung über VPI

Wo der Durchschnittspreis 2012 noch bei 1,15€ pro Liter lag, kostet der Liter nun 10 Jahre später 1,68€. Mit einer Preissteigerung von 46% liegt der Wert deutlich über der 10-Jahresentwicklung des VPI (27,8%). Und wenn man „Near Water“ mit normalem Mineralwasser vergleicht, bei welchem der Liter durchschnittlich 38 Cent kostet, ist es mehr als 4-mal so teuer.

„Near Water“-Getränke haben also tatsächlich mehr mit Erfrischungsgetränken als mit Mineralwässern gemeinsam. Dazu enthalten sie nicht das, was dem Kunden versprochen wird und sind eine gefährliche Zucker- sowie Kostenfalle. Man sollte also eher auf herkömmliches reines Mineralwasser zurückgreifen. Wer jedoch eine gesündere Alternative zu Getränken wie Eistee oder anderen Limonaden sucht, für den ist das vergoldete Wasser eine gute Wahl.

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