Arbeitsklima Index Gesundheit und Soziales 2026

Unser aktueller Arbeitsklima Index „Gesundheit und Soziales“ in Zusammenarbeit mit IFES zeigt: Beschäftigte im Salzburger Gesundheitsbereich identifizieren sich voll mit ihrem Job und sind topmotiviert. Aber die Arbeitsbedingungen setzen ihnen zunehmend zu. 

Mehr Zeit für Patient:innen gewünscht

Weil für Beschäftigte im Gesundheitsbereich die Arbeit mit den Patienten:innen eine zentrale Rolle spielt, sind folgende Zahlen besonders alarmierend, besonders im Pflegebereich: Mehr Zeit für Patient:innen wünschen sich 65 Prozent der Assistenzkräfte, 53 Prozent der Fachassistent:innen und 50 Prozent der diplomierten Pflegekräfte.

42 Prozent extrem belastet

Die Arbeitsintensität im Gesundheitsbereich liegt deutlich über dem allgemeinen Niveau. 42 Prozent der Beschäftigten empfinden die Belastungen als zu hoch. Bei den Salzburger Beschäftigten insgesamt sind es laut Arbeitsklima Index 2025 lediglich 20 Prozent.

Die Belastungen haben viele Ursachen: 46 Prozent erleben ihre Tätigkeit als psychisch aufreibend, 45 Prozent nennen die hohe Verantwortung für Menschen als Belastung und 47 Prozent die körperliche Anstrengung. Hinzu kommen Zeitdruck (46 Prozent), ständiger Arbeitsdruck (39 Prozent) und fehlende Rückzugsmöglichkeiten (42 Prozent).

Arbeitsfähigkeit in Gefahr

Besonders ernst ist der Blick auf die langfristige Arbeitsfähigkeit. 42 Prozent der Befragten halten es für unwahrscheinlich, bis zur Pension arbeitsfähig zu bleiben. Im allgemeinen Arbeitsklima Index 2025 liegt dieser Wert bei 29 Prozent.

Hinzu kommt ein besonders hoher Wert beim Phänomen des Präsentismus (trotz Krankheit in die Arbeit): 77 Prozent der Beschäftigten haben in den vergangenen sechs Monaten trotz gesundheitlicher Einschränkung gearbeitet. Im Durchschnitt aller Salzburger Beschäftigten waren es 61 Prozent. Bei starkem Zeitdruck steigt dieser Anteil sogar auf 85 Prozent.

Burnout ist Alltag

Auch beim Thema Burnout zeigen die Ergebnisse eine deutliche Verschärfung. 63 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitsbereich kennen Kolleg:innen, die von Burnout betroffen sind oder waren. 2014 waren es noch 33 Prozent. Im allgemeinen Arbeitsklima Index 2025 liegt der Anteil bei 32 Prozent. In der Pflege ist die Betroffenheit besonders hoch: 72 Prozent kennen Kolleg:innen mit entsprechenden Erfahrungen.

Oft Probleme mit Gewalt

Ein weiterer Belastungsfaktor ist Gewalt am Arbeitsplatz. 39 Prozent erleben regelmäßig Beschimpfungen und Beleidigungen, 16 Prozent Tätlichkeiten oder Handgreiflichkeiten. 13 Prozent berichten von sexueller Belästigung. In der Mehrzahl der Fälle geht die Gewalt von Patient:innen (54 Prozent) oder deren Angehörigen (27 Prozent) aus.

Was es jetzt braucht

Um den Beschäftigten in Gesundheits- und Sozialberufen bessere Rahmenbedingungen für ihre Tätigkeiten bieten zu können, braucht es aus unserer Sicht rasche Maßnahmen, sowohl von Landes-, als auch von Bundesseite. Was das Land tun kann, bzw. muss:

  • Transparente Personalberechnungsmodelle um festzustellen, wieviel zusätzliches Personal nun wirklich benötigt wird
  • Entlastung der Langzeitpflege durch 1450
  • Den angekündigten Expert:innenpool rasch(er) umsetzen und für Langzeitpflege, mobile Pflege und Teilhabe jederzeit abrufbar machen
  • Höherentwicklung & Höherqualifizierung ermöglichen: Die Kostenübernahme der Ausbildung vom Land ist positiv, aber der AMS-Fördertopf ist leer. Die Deckung des Lebensunterhalts ist somit nicht gewährleistet, was viele Ausbildungsabbrüche nach sich zieht
  • Wiedereinführung bzw. Finanzierung von Community Nurses zur Entlastung der Pflege im extramuralen Bereich

Im Zusammenhang mit den hohen Arbeitsbelastungen und der immer schwierigeren Erhaltung der Arbeitsfähigkeit sind außerdem von Bundesseite Bemühungen notwendig, um den betrieblichen Gesundheitsschutz voranzutreiben:

  • Stärkung des Arbeitnehmer:innenschutzes durch höhere Strafmaße bei Überschreitungen und Missachtungen sowie durch verbindliche Sanktionen bei Nicht-Einhaltung, beispielsweise der Evaluierungsverpflichtung
  • Ausweitung der durch die Arbeitsinspektion unternommenen Betriebskontrollen (samt Nachkontrollen), insbesondere bei Arbeitsbelastungen wie zB Gewalt oder Zeit- und Arbeitsdruck
  • Damit einhergehend: Erhöhung der finanziellen und personellen Ressourcen der Arbeitsinspektion
  • Erhöhung der jährlichen Einsatzzeit der Präventivfachkräfte (PFK) und Verankerung von Arbeits- und Organisationspsycholog:innen als gleichwertige Präventivfachkräfte im Arbeitnehmer:innenschutzgesetz (ASchG)
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