Großmutter zusammen mit Tochter und Enkelin © Robert Kneschke, stock.adobe.com
Frauen in drei Generationen © Robert Kneschke, stock.adobe.com

Lebenserwartungen: Warum auch beim Sterben nicht alle gleich sind

Die Lebenserwartung steigt, die Menschen werden immer älter. Das ist eine sehr gute Nachricht, schließlich will niemand früh sterben. Das ist vor allem ein Erfolg der Medizin, des wachsenden Wohlstandes und des Sozialstaates, der dafür sorgt, dass dieser Wohlstand auch bei möglichst vielen ankommt.

Starkes Ansteigen der Lebenserwartung

Die Lebenserwartung bei Geburt in Österreich ist seit 1951 um 16,6 Jahre bei Männern bzw. um 16,0 Jahre bei Frauen gestiegen. In den ersten Jahrzehnten ging dabei ein erheblicher Anteil des Zugewinns auf die verminderte Säuglingssterblichkeit zurück. 

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Für Pensionssysteme allerdings ist die Entwicklung der ferneren Lebenserwartung zum Alter 60 wesentlich relevanter, weil davon mitabhängt, wie lange Pensionen bezogen werden. Diese blieb von 1951 bis etwa 1970 bei Männern weitgehend unverändert bzw. erhöhte sich bei Frauen nur mäßig. Seit 1970 ist demgegenüber ein Anstieg von knapp 7 Jahren zu verzeichnen. Deutlich sichtbar wird der durch die Pandemie verursachte Knick im Jahr 2020.

Die Lebenserwartung bei Geburt ist u.a. wegen der geringeren Säuglingssterblichkeit stark
gestiegen. Für Pensionssysteme ist jedoch die Lebenserwartung im höheren Alter relevant.


Grafik © Statistik Austria 2021
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Zuwächse an Lebenserwartung wieder rückläufig

Betrachtet man die Zugewinne an fernerer Lebenserwartung innerhalb der jeweils letzten 10 Jahre, dann zeigt sich, dass diese seit etwa 15 Jahren wieder eine merklich sinkende Tendenz aufweisen. Auch hier wird der durch die Pandemie bedingte Einbruch im Jahr 2020 deutlich. Der Zugewinn über die letzten 10 Jahre ist dadurch auf 0,25 (Frauen) bzw. 0,4 Jahre (Männer) eingebrochen.

Die Zuwächse an Lebenserwartung werden geringer. Die Pandemie hat den Zuwachs der
letzten 10 Jahre bei Männern auf 0,4 Jahre und bei Frauen auf 0,25 Jahre gedrückt.


Extreme Unterschiede nach sozialem Status

„Lieber reich und gesund als arm und krank“ lautet ein sarkastischer Spruch. Die Realität ist leider nicht weit davon entfernt: Denn Menschen mit hohem Einkommen erfreuen sich statistisch gesehen nicht nur einer besseren Gesundheit, sondern auch einer deutlich höheren Lebenserwartung und können damit auch deutlich länger ihre (höhere) Pension beziehen. Dem gegenüber haben gerade Menschen mit geringem Einkommen eine merklich geringere Zahl an Lebensjahren zu erwarten.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erhob den Zusammenhang zwischen Lebenseinkommen und fernerer Lebenserwartung für männliche Rentenversicherte. Die Berechnungen erfolgten für die Geburtsjahrgänge von 1926-28 bis 1947-49. In den betrachteten rund 20 Jahren stieg die fernere Lebenserwartung zum Alter 65 für die obersten 10 Prozent (=oberstes Dezil) um 4 Jahre, für die unterste Einkommensgruppe gerade einmal um ein Jahr. In der jüngsten Kohorte betrug der Unterschied in der Lebenserwartung damit sieben Jahre!

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Ein niedriges Einkommen bedeutet eine geringere Lebenswartung. Laut einer Studie des DIW
lebt die unterste Einkommensgruppe (Dezil) um 7 Jahre kürzer als die oberste.

Zudem zeigt die Analyse, dass die höchste Einkommensgruppe zu 90% ein Alter von 65 Jahren erreicht, die unterste Einkommensgruppe nur zu 76%. Anders gesagt: Fast ein Viertel der Männer mit geringem Einkommen erreicht nicht einmal das gesetzliche Pensionsalter.

Eine Anhebung des Pensionsalters mit der Lebenserwartung ist weder notwendig noch sinnvoll, sondern wäre eine massive Benachteiligung der Ärmsten

Die Behauptung, das gesetzliche Pensionsalter müsste im Ausmaß der steigenden Lebenserwartung angehoben werden, weil sich nur so der Ausgabenanstieg eindämmen ließe, ist schlichtweg falsch. Sämtliche Langfristprojektionen erwarten – trotz anhaltenden Zuwachses der Lebenserwartung – einen nur moderaten und jedenfalls leistbaren Anstieg der relativen Pensionsausgaben. Das Pensionssystem ist längst auf die demografischen Herausforderungen vorbereitet. Diese Forderung ist aber nicht nur unnötig, sondern aufgrund der unterschiedlichen Sterblichkeit auch extrem ungerecht.

Eine Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung würde die Bezugsdauer der
Pension bei Menschen mit (sehr) niedrigem Einkommen massiv kürzen. 

Eine Anhebung des Pensionsalters um rund 3 Jahre würde bei den obersten Einkommen drei Viertel der Zunahme der Lebenserwartung entsprechen, während für die untersten Einkommen das Pensionsalter 3x stärker steigen würde als ihre Lebenserwartung! Das entspricht einer Verkürzung der Bezugsdauer um gut 15 Prozent. Das hat mit Fairness nichts zu tun. Fair wäre vielmehr, wenn Besserverdienende mittels progressiver Steuern einen Beitrag zu den Mehrausgaben ihrer steigenden Lebenserwartung leisten würden. Der in den Langfristprojektionen vorhergesagte moderate Anstieg der Bundesmittel ist daher nicht nur leistbar, sondern vielmehr auch ein Gebot der Fairness.

Ein höherer Bundeszuschuss ist ein Gebot der Fairness! So leisten Besserverdienende, die am stärksten von der steigenden Lebenserwartung profitieren, einen angemessenen Beitrag.

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