Alternsgerecht arbeiten - Arbeitsfähigkeit erhalten
Lange Zeit wurde Altern weitgehend mit einem Verlust von Leistungsfähigkeit gleichgesetzt. Dieses Defizitmodell des Alterns ist aber längst überholt und wissenschaftlich widerlegt.
Altern ist ein Prozess: Berufliches Potenzial und Gesundheit können sich während des gesamten Arbeitslebens deutlich verändern. Die Arbeitsfähigkeit wird von den jeweiligen Arbeitsbedingungen, dem Arbeitsumfeld und den Arbeitsaufgaben wesentlich beeinflusst. Wissenschaftliche Studien belegen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Alter und Arbeitsbewältigung gibt – im Gegenteil: Ältere Beschäftigte sind gleichermaßen produktiv und professionell wie ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Es braucht Engagement, die Arbeitsbedingungen den Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzupassen. Diese Anstrengung wird belohnt und bedeutet eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Haus der Arbeitsfähigkeit
Ein breit gefasstes Verständnis von Arbeitsfähigkeit hat der finnische Wissenschafter Juhani Ilmarinen (2007) entwickelt und im „Haus der Arbeitsfähigkeit“ dargestellt. Das Haus besteht aus vier Stockwerken, die aufeinander aufbauen:
- Gesundheit des Individuums (Leistungsvermögen)
- Kompetenz (Fertigkeiten und Wissen)
- Werte (Einstellung und Motivation)
- Arbeit (Inhalte und Anforderungen)
Individuelle Fähigkeiten und Einstellungen sind gleichermaßen wichtig, wie die konkrete Arbeitsorganisation und Führungskultur im Unternehmen sowie das jeweilige familiäre und gesellschaftspolitische Umfeld.
Es ist es eine große Herausforderung, Maßnahmen zu setzen, die einen längeren Verbleib im Arbeitsleben ermöglichen. Zur Verbesserung bzw. Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit hat Juhani Ilmarinen ein Konzept entwickelt, das vier Handlungsfelder einbezieht:
- das Individuum, mit seinen Fähigkeiten und seinem gesundheitlichen Zustand
- die Arbeitsumgebung
- die Führungsorganisation
- die professionelle Kompetenz
Sind diese vier Handlungsfelder ausgewogen und verfügt das Unternehmen über eine gute Arbeitskultur, kann damit gleichermaßen der Erhalt der Arbeitsfähigkeit Älterer wie auch Jüngerer gesichert werden. Damit können gleichzeitig die Voraussetzungen geschaffen werden, für:
- die Sicherung von hoher Produktivität und Qualität der erbrachten Arbeit,
- das Wohlbefinden und hohe Lebensqualität der MitarbeiterInnen,
- gleichzeitig werden Möglichkeiten der MitarbeiterInnen für einen sinnvollen und produktiven Lebensabend gefördert.
Das Förderungsmodell kommt nicht nur älteren Mitarbeiter:innen, sondern gleichermaßen auch den jüngeren zugute.
Passen sich die Arbeitsbedingungen dem Älterwerden der Erwerbstätigen nicht an, führt dies zu Produktivitätsverlusten durch „innere Pensionierung“, Anstieg von erschöpfungsbedingten Krankheiten und schleichendem sozialen Ausschluss älterer, leistungsfähiger Menschen.