Pensionistin prüft Pensionsbescheid
Pensionistin prüft Pensionsbescheid © and.one, stock.adobe.com
4.8.2026

Keine Pension mehr für Salzburgs Pensionistinnen

Da die durchschnittliche Pension von Frauen deutlich niedriger ist als jene der Männer, erhalten Frauen ab dem 5. August quasi kein Geld mehr. Darauf macht der Equal Pension Day jedes Jahr aufmerksam.

Am 5. August ist in Salzburg Equal Pension Day – das ist der Tag, ab dem Frauen in Salzburg sozusagen bis zum Ende des Jahres keine Pension mehr erhalten, da ihre Pensionen deutlich niedriger ausfallen als die von Männern. Die Pensionslücke ist immer noch sehr groß. So bekommen Salzburger Pensionistinnen im Durchschnitt nur rund 1.600 Euro brutto Pension im Monat, das sind um gut 1.000 Euro bzw. 40,5 Prozent weniger als bei den Pensionisten. Mit drastischen Folgen für die Frauen. Denn gerade in Salzburg sind die Lebenserhaltungskosten sehr hoch. Viele Pensionistinnen haben daher Probleme über die Runden zu kommen und sind darauf angewiesen, dass sie vom Partner oder vom Staat Unterstützung erhalten, um die Lebenserhaltungskosten zu decken. „Niedrige Pensionen sind kein Schicksal, sondern das Ergebnis von Strukturdefiziten: mangelnde Kinderbildungsplätze, unbezahlte Care-Arbeit, schlecht bezahlte Branchen und unfreiwillige Teilzeit sind die Hauptursache für die Pensionslücke, die nicht erst im Ruhestand, sondern am ersten Arbeitstag entsteht.“, informiert ÖGB-Landespensionist:innen-Vorsitzende Christine Pertele.

So zählen Frauen in der Pension zu der am stärksten durch Armut gefährdeten Gruppe: 27 Prozent der Pensionistinnen sind armutsgefährdet, d.h. ihre Pension liegt unter der Armutsgefährdungsschwelle., „Da braucht man sich in Salzburg nur die explodierenden Wohnkosten anschauen, um zu wissen, dass sich das nicht ausgehen kann. Die Preisexplosion war in den vergangenen Jahren gerade im Bereich Wohnen besonders drastisch. Denn Salzburgs Mieten sind weit über der Inflation gestiegen. Hinzu kommen die steigenden Kosten in allen Bereichen, die für das tägliche Leben entscheidend sind: Strom, Lebensmittel, Medikamente, etc. Das ist inakzeptabel!“, fasst ÖGB-Landesvorsitzender & AK-Präsident Peter Eder zusammen.

Pensionslücke ist ein strukturelles Problem

Vor allem die hohe Anzahl an Teilzeitkräften und die niedrigen Einkommen für so genannte „Frauenbranchen“ sind Hauptgründe für die Pensionslücke. „Frauen flüchten ja nicht freiwillig in die Teilzeitfalle. Sie sind darauf angewiesen, Teilzeit zu arbeiten, weil es an Bildungs- und Betreuungsplätzen fehlt oder sie Angehörige pflegen müssen. Und gerade im Bereich der Pflege, müssen immer mehr Menschen zuhause betreut werden, weil die Versorgung aufgrund des Personalmangels in diesem Bereich nicht mehr flächendeckend gegeben ist. Wer der Gesellschaft den Rücken stärkt, darf im Alter dafür nicht auch noch bestraft werden.“, ist ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Petra Berger-Ratley überzeugt und ergänzt: „Gerade die Kinderbildung oder auch die Pflege sind Paradebeispiele dafür, dass klassische ‚Frauenberufe‘ immer noch nicht die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen, was sich auch und insbesondere im Verdienst niederschlägt. Die Politik kann und muss hier handeln.“

Pension ab 70? Nicht mit uns!

Während immer wieder Forderungen nach einer Anhebung des Pensionsantrittsalters laut werden und ständige Klagen darüber zu hören sind, dass wir uns dieses System ohnehin nicht mehr leisten können, sollten eher die wahren Probleme der Menschen im Fokus stehen. „Wir sollten lieber darüber reden, dass so viele Pensionistinnen von Armut betroffen oder armutsgefährdet sind, als darüber wie viel uns das kostet. Vor allem weil ohne Zweifel feststeht: Unser Umlagesystem funktioniert. Der Generationenvertrag lebt.“, ist Pertele überzeugt und ergänzt: „Hinzu kommt, dass sich Arbeitnehmer:innen mehr als 80 Prozent ihrer Pension ohnehin selbst bezahlen. Hohe staatliche Pensionszuschüsse gibt es vor allem für Landwirte und Selbstständige. Eine Anhebung des Pensionsantrittsalters lehnen wir ab. Nicht nur, weil es unzumutbar ist, sondern auch, weil es ohnehin kaum Betriebe gibt, die Arbeitnehmer:innen über 60 beschäftigen.“

Neun Maßnahmen zur Schließung der Pensionslücke

Arbeiterkammer und Gewerkschaft beklagen aber nicht nur die Situation – sie wissen auch, wie man die Pensionslücke endlich schließen kann. Dazu braucht es neun Maßnahmen und den entsprechenden politischen Willen diese auch umzusetzen.

  • Kinderbildungsgarantie: Flächendeckender, kostenloser und ganztägiger Ausbau. 
  • Pflege-Offensive: Stärkere Infrastruktur, mehr Personal und echte Entlastung für pflegende Angehörige. 
  • Fair Pay: Höhere Mindestlöhne und -gehälter in typischen Frauenberufen. 
  • Recht auf Vollzeit: Ein gesetzlicher Anspruch auf Aufstockung statt erzwungener Teilzeit. 
  • Halbe-Halbe bei Care-Arbeit: Gerechte Aufteilung der unbezahlten und bezahlten Arbeit. 
  • Lohntransparenz jetzt: Rasche Umsetzung der EU-Richtlinie gegen den Gender Pay Gap. 
  • Sichere Karenz: Bessere Bewertung der Kindererziehungszeiten in der Pensionsversicherung. 
  • Starkes staatliches System: Konsequenter Schutz vor schleichender Privatisierung.
  • Alternsgerechte Arbeitsbedingungen: Verpflichtung von Arbeitgeber:innen, Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe so zu gestalten, dass Arbeitnehmer:innen gesund bis zur Pension arbeiten können.
  • © 2026 AK Salzburg | Markus-Sittikus-Straße 10, 5020 Salzburg, +43 (0)662 86 87

  • Datenschutz
  • Impressum