AK-Frauenmonitor: Wenig Licht, aber viel Schatten

Alle zwei Jahre analysieren unsere Expert:innen die Arbeits- und Lebenssituation der weiblichen Beschäftigten im Bundesland Salzburg. Auch 2025 zeigt sich: Nach wie vor herrscht in Sachen Gleichstellung nur wenig Licht, aber viel Schatten

Teilzeitarbeit bei Salzburgerinnen weiter hoch im Kurs

Die Teilzeitquote von unselbstständig beschäftigten Frauen liegt im Jahresdurchschnitt 2024 bei 52,7 Prozent, jene von Männern bei 10,7 Prozent. Leben betreuungspflichtige Kinder unter 15 Jahren im Haushalt, erhöht sich die Teilzeitquote vor allem bei Frauen nochmals deutlich: 2024 arbeiteten 79,2 Prozent der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren in Salzburg in Teilzeit, aber nur 7,2 Prozent der Männer.

Frauen reduzieren Erwerbsarbeit vor allem wegen familiärer Pflichten

Die Gründe für Teilzeitarbeit sind stark geschlechtsspezifisch geprägt: 40,1 Prozent der Frauen arbeiteten 2024 aufgrund von persönlichen oder familiären Verpflichtungen nicht in Vollzeit. Hierzu zählen insbesondere die Kinderbetreuung sowie die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen. Dieses Motiv ist hingegen nur für 7,2 Prozent der Männer ausschlaggebend.

Klassische Berufswahl führt zu niedrigeren Einkommen

Die traditionelle Berufswahl bestimmt weitgehend die Einkommenschancen in der Zukunft: 36 Prozent der Mädchen entscheiden sich für 1 von 3 Lehrberufen im Dienstleistungsbereich (Einzelhandel, Büro, Friseurin). Während die Top 3 Lehrberufe der Burschen im Schnitt mit insgesamt knapp 43.000 Euro über die gesamte Lehrzeit entschädigt werden, fällt die Lehrlingsentschädigung bei den Top 3 Lehrberufen der Mädchen niedriger aus.

Bundesländervergleich: Salzburg beim Gender-Pay-Gap auf Platz 6

Bei ganzjährig vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen liegt der Einkommensunterschied 2025 bei 18,6 Prozent. Am höchsten fällt der Gender-Pay-Gap im Flachgau (21,3 Prozent) und Pongau (21,2 Prozent) aus. Am niedrigsten ist er mit 14,9 Prozent in der Stadt Salzburg.

Positive Signale bei Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft

Der Anteil weiblicher Vorstände liegt bei 10,7 Prozent, jener bei Geschäftsführungen bei 15,9 Prozent. Beide Werte sind seit 2023 gestiegen, allerdings nach wie vor auf niedrigem Niveau. Der Anteil weiblicher Aufsichtsrätinnen stagniert hingegen bei 26,6 Prozent. In nur 2 von 15 Fällen (13,3 Prozent) ist der Aufsichtsratsvorsitz mit einer Frau besetzt.

Salzburger Landesunternehmen – viel Luft nach oben

9 Unternehmen im Bundesland Salzburg sind zu 100 Prozent in Landeseigentum. Nach wie vor wird keines dieser Unternehmen von einer Frau alleine geführt. Nur 21,9 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder sind weiblich, dies bedeutet einen Rückgang im Vergleich zu 2023 (28,1 Prozent). Zudem ist in nur 2 von 7 Unternehmen mit Aufsichtsrat der Vorsitz weiblich.

Niedrige Frauenpensionen durch Teilzeit, Erwerbsunterbrechungen und niedrige Löhne

Frauen haben um 40,8 Prozent weniger Alterspension als Männer. Im Jahr 2024 gingen Frauen österreichweit durchschnittlich mit 61,2 Jahren in Alterspension. Mit der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters seit 1. Januar 2024 erhöht sich auch das faktische Antrittsalter von Frauen sukzessive.

Armut ist weiblich, Altersarmut auch

Besonders hoch ist das Armutsrisiko bei:

  • Ein-Eltern-Haushalten, dies sind zu 85 Prozent Frauen mit ihren Kindern. Die Armutsgefährdungsquote liegt bei 36 Prozent, ohne Sozialtransfers läge diese bei 60 Prozent.
  • Alleinlebende Frauen in der Pension. Diese erreichen eine hohe Armutsgefährdungsquote von 32 Prozent, Tendenz steigend (2022: 26 Prozent, 2020: 25 Prozent, 2019: 25 Prozent, 2017: 22 Prozent).
  • Die durchschnittliche Pension von Frauen liegt 2024 bei 1.526 Euro und damit um gut 100 Euro unter der Armutsgefährdungsschwelle.

Frauen sind mehr auf ein starkes soziales Netz angewiesen

Frauen sind überwiegend in den klassischen Salzburger Niedriglohnbranchen (Tourismus, Handel, unternehmensbezogene und persönliche Dienstleistungen) tätig. Beschäftigte in Niedriglohnbranchen weisen eine erhöhte Armutsgefährdungsquote von 18 Prozent auf. Dies bedeutet, dass beinahe jede:r fünfte Beschäftigte im Niedriglohnbereich trotz Erwerbsarbeit durch Armut gefährdet ist.

Frauen pessimistischer hinsichtlich Pension und finanzieller Absicherung im Alter

31,6 Prozent der Frauen gehen davon aus, dass ihre Pension nicht zum Leben ausreichen wird, das ist beinahe jede dritte Frau. Dieser Wert entspricht in etwa der Armutsgefährdungsquote von Frauen in der Pension, welche 2024 bei 32 Prozent lag.

Das braucht‘s, um Gleichstellung zu fördern

Um die Sackgasse bei der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen zu verlassen und endlich auf die Überholspur zu gelangen, braucht es unter anderem:

  • Nicht-existenzsichernde Arbeitsplätze müssen verringert, qualifizierte Teilzeit- und Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden.
  • Verbesserung der betrieblichen Rahmenbedingungen: Es braucht familienfreundliche Rahmenbedingungen für Eltern und strukturelle Unterstützung beim Wiedereinstieg, z.B. vereinbarkeitsfreundliche Gestaltung von Arbeitszeit und Reduktion von vereinbarkeitsunfreundlichen Elementen wie Überstunden oder All-In-Verträgen.
  • Rechtsanspruch auf Elternteilzeit oder Änderung der Lage der Arbeitszeit auch für kleinere Betriebe. Denn in kleineren Betrieben hängt es von der Bereitschaft des Unternehmens ab, ob Väterkarenz in Anspruch genommen werden kann oder nicht. Rechtsanspruch für Teilzeitbeschäftigte auf Vollzeitarbeitsplatz zu wechseln.
  • Der weitere Ausbau von elementaren Kinderbildungs- und Betreuungsplätzen im Bundesland Salzburg, die quantitativ und qualitativ den Bedürfnissen der Eltern und deren Arbeitszeiten entsprechen, muss vorangetrieben werden.
  • Investitionen in den Ausbau leistbarer mobiler Pflegedienstleistungen, einerseits durch Erweiterung bestehender Angebote, andererseits auch durch neue Angebote, insbesondere in Regionen, in denen es bislang kein bis wenig Angebot gibt.

AK-Frauenmonitor

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