29.05.2021

Corona: Nachhilfebedarf steigt, Eltern stöhnen unter Kosten

Das Distance Learning und der Schichtbetrieb an Salzburgs Schulen haben in den vergangenen Monaten Spuren hinterlassen und den Lerndruck in den Familien massiv erhöht. Die aktuelle Salzburg-Auswertung der österreichweiten AK-Nachhilfestudie zeigt: Während der Bedarf an Nachhilfe steigt, ist diese für viele Eltern nicht mehr finanzierbar. „Wir müssen verhindern, dass die Bildungskluft unüberwindbar wird und immer mehr Kinder den Anschluss verlieren“, stellt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder klar. „Um gegenzusteuern braucht es Lernzielkontrollen ohne Notendruck, um im Anschluss entsprechende Förderangebote zu setzen. In diesem Zusammenhang sind ein höherer Betreuungsschlüssel und ein Digitalisierungs-Schub an den Schulen das Gebot der Stunde“, so Eder. Zur finanziellen Entlastung der Familien fordert er einen einmaligen Bonus zur Familienbeihilfe in Höhe von 200 Euro.

Nach Angaben der befragten Eltern bekamen heuer 39 Prozent der Salzburger Schülerinnen und Schüler Nachhilfe – das ist eine klare Steigerung von 10 Prozent. Zudem hätten sich 26 Prozent der Eltern bezahlte Nachhilfe für ihr Kind gewünscht, haben diese jedoch vorwiegend aus Kostengründen nicht veranlasst. Bis zu 77 Prozent der Eltern mit geringen Einkommen können sich die Nachhilfe nicht leisten. „Bildung darf nicht am Einkommen der Eltern hängen“, sagt AK-Präsident Eder.

Hauptgrund für Nachhilfe: Corona-Lücken schließen

Probleme bereiteten vor allem Mathematik (67%), Deutsch (53%) und andere Sprachen. Die Krise hat hier deutliche Spuren hinterlassen. Während in früheren Untersuchungen das Verbessern der Note (2020: 67 Prozent) und das Verhindern von Nachprüfungen (2020: 25 Prozent) ausschlaggebend für Nachhilfe waren, liegt darauf nicht mehr der Fokus (Verbessern der Note: 21 Prozent, Verhindern von Nachprüfungen oder negativen Noten: 19 Prozent). Bei 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler diente die erhaltene Nachhilfe zum Nachholen des im Distance Learning eigentlich durchgemachten Stoffes.

Eltern fällt Unterstützung oft schwer

Es zeigt sich: 45 Prozent der befragten Eltern haben ihr Kind zwar täglich beim Lernen unterstützt bzw. bei den Hausaufgaben beaufsichtigt. Die Wissensvermittlung durch Lehrerinnen und Lehrer konnte damit allerdings bei weitem nicht ersetzt werden. Oft dürfte den Eltern schlichtweg die Zeit dafür gefehlt haben. Die Mehrheit der Befragten (61 Prozent) gab an, zeitliche Schwierigkeiten dabei zu haben. Bei der fachlichen Unterstützung zeigt sich auch ein Unterschied zwischen Bildungsstand der Eltern und möglicher Unterstützung. Österreichweit hatten 44 Prozent der Befragten mit maximal Pflichtschulabschluss Schwierigkeiten ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen. Deutlich weniger Probleme hatten Eltern mit Matura bzw. Studium (27 Prozent).

Die Art der in Anspruch genommenen Nachhilfe unterscheidet sich zudem stark nach Schulform. Während in der AHS-Oberstufe die bezahlte Nachhilfe dominiert, überwiegt an Mittel- und Volksschulen die Gratis-Nachhilfe an den Schulen. Insgesamt nahm fast ein Drittel der Schülerinnen und Schüler der AHS-Oberstufe bezahlte Nachhilfe in Anspruch.

Nahender Schulwechsel bereitet Sorgen

Der nahende Schulwechsel treibt die Sorgenfalten auf die Stirn vieler Eltern. Österreichweit schätzt ein Drittel der Eltern ihr Kind „wenig“ vorbereitet für den Übergang ein. 7 Prozent meinen, dass ihr Kind „gar nicht“ vorbereitet ist. Auch hier ergeben sich Unterschiede je nach Bildungsstand. Eltern mit akademischer Ausbildung haben wesentlich seltener (38 Prozent) Angst bezüglich des Mitkommens mit dem Lernstoff nach dem Schulwechsel als Nicht-Akademiker (59 Prozent). Auch hier hinterlässt Corona seine Spuren. Ein Fünftel aller Eltern befürchtet, dass ihr Kind aufgrund der eingeschränkten Sozialkontakte keine Freunde in der neuen Schule finden wird. 

Mit Investitionen Kinder und ihre Familien entlasten

+ Bonus zur Familienbeihilfe: Um Familien finanziell zu entlasten, braucht es einen einmaligen Bonus zur Familienbeihilfe von 200 Euro pro Schulkind. Damit könnte zumindest ein kleiner Teil der Nachhilfekosten abgefedert werden bzw. könnten Familien dieses Geld in die oft dringend notwendige Verbesserung der technischen Ausstattung ihrer Kinder investieren. 

+ Mehr Mittel fürs Personal: Um zu verhindern, dass die Geldtasche und die zeitlichen Ressourcen der Eltern über die Zukunft der Kinder entscheiden, fordert die Arbeiterkammer ein besseres Betreuungsverhältnis an den Schulen, um im kommenden Schuljahr individuelles Lernen in der Schule zu ermöglichen. „Konkret braucht es mehr Personalressourcen für die Schulen, damit in den Fächern Mathematik und Deutsch in den ersten fünf Schulstufen zwei Lehrer pro Klasse unterrichten können. Höhere Schulstufen sollen Mittel erhalten, um Förderstunden schulautonom einzurichten“, fordert AK-Präsident Eder. Kostenpunkt für diese Maßnahmen: 400 bis 450 Millionen Euro für die ersten fünf Schulstufen.

+ Technische Ausstattung verbessern: Nach mehr als einem Jahr Homeschooling und Distance Learning entspricht die technische Ausstattung von vielen Schülerinnen und Schülern, aber auch von Lehrerinnen und Lehrern nicht dem Stand der Zeit. Hier braucht es mehr Notebooks für Schüler sowie einen einheitlichen Stand bei den IKT-Kompetenzen des Lehrpersonals inklusive entsprechendes technisches Equipment.

+ Treffsicher investieren: Schulfinanzierung nach dem AK-Chancenindex: Die Bildungsfinanzierung nach dem Chancenindex sieht vor, dass Schulen umso mehr Mittel erhalten, je mehr Schülerinnen und Schüler sie haben, denen die Eltern nicht beim Lernen helfen können. „Jedes Kind muss Lernerfolge haben können, unabhängig davon, wie viel Geld die Eltern haben“, so Eder.

+ Ganztagsschulen flächendeckend ausbauen: Die Nachhilfe-Befragung zeigt eindeutig, dass private Lernunterstützung bzw. Nachhilfe eine enorme zeitliche Belastung für viele Eltern sind. Eine echte Ganztagsschule entlastet Eltern vom Lernen mit den Kindern und von teurer Nachhilfe. „Es braucht Schulen, in denen Lehrerinnen und Lehrer mehr Raum zum Üben mit ihren Schülerinnen und Schülern bekommen. Ganztagsschulen sind die Lösung dafür“, bringt es AK-Präsident Peter Eder auf den Punkt.

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