Nachholbedarf bei Kinderbetreuung und Bildungsbeteiligung Erwachsener

Mit dem Salzburger Bildungsmonitor legen wir ein umfassendes Nachschlagewerk über die wichtigsten Bildungsfaktoren- und -statistiken im Bundesland vor. Und: Die Studie zeigt die Herausforderungen vor denen wir stehen. Im Jahr 2034 werden zum Beispiel über 14.000 Menschen weniger im Haupterwerbsalter sein als jetzt. Fast 6.000 junge Menschen weniger werden die Schule besuchen. Auf diese Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur muss die Politik Antworten finden. „Salzburg hat aktuell einen guten Bildungsstand. Wir liegen hinter Wien und Niederösterreich auf Platz 3. Das ist eine wichtige Grundlage für Aus- und Weiterbildung und die Bildungswegentscheidungen unserer Kinder“, sagt unser Bildungsexperte Franz Fuchs-Weikl.  Der Wermutstropfen: Weil die Einkommen im Bundesland vergleichsweise niedrig ausfallen und nicht alle Bildungsangebote und -nebenkosten öffentlich finanziert werden, spielen Herkunft und bereits vorhandener sozialer Status bei höherer Bildung nach wie vor eine viel zu große Rolle: Bildung wird vererbt – oder eben nicht…

Es braucht noch mehr Ganztagesbetreuung

Dem kann man entgegenwirken, indem man die Eltern für Bildung freispielt und bei Kindern schon zu Beginn verhindert, dass die Chancen auseinandergehen – in den frühpädagogischen Betreuungseinrichtungen und in der Schule.

Die Betreuungsquote der 3- bis 5-jährigen etwa liegt in Salzburg  bei sehr guten 92 Prozent. Aber es gibt noch Nachholbedarf: „Unter 2-jährige und 6- bis 14-jährige sind mit Betreuungsquoten von 22 respektive 19 Prozent offensichtlich unterversorgt“, stellt Franz-Fuchs-Weikl fest. Besonders von den 10- bis 14-jährigen finden überhaupt nur 11 Prozent ein Ganztages-Betreuungsangebot vor.

„Das zeigt einmal mehr, dass der Bildungsweg in Salzburg neben der Hortbetreuung mehr in Richtung Ganztagessschule gehen muss!“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. Das hat nicht nur pädagogische Vorteile für die betreuten Kinder und Jugendlichen. Auch Frauen sind besser für Beruf und Weiterbildung freigespielt. Was sich wiederum positiv auf das Einkommen auswirkt, das ja ein Dauerproblem vieler Familien im Bundesland darstellt.

Knapp ein Drittel der 315 Salzburger Pflichtschulen bietet eine Nachmittagsbetreuung an. Nur 8 Schulen eine verschränkte Form der Ganztagesschule. Drei Schulen bieten sowohl Nachmittagsbetreuung als auch eine Ganztagesschule an. Fast 37 Prozent der diesbezüglichen Angebote finden sich in der Stadt Salzburg. 73 Prozent der Pflichtschulen dort haben ein Nachmittagsangebot. In Hallein und Salzburg Umgebung sind es 31 und 32 Prozent. Die Bezirke St. Johann und Zell am See kommen noch auf 26 Prozent. Schlusslicht ist der Lungau mit 13 Prozent.

Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen ermöglichen

Zwar ist Gerechtigkeit laut AK-Bildungsmonitor schon in der (Vor-)Schulzeit besonders wichtig. Aber was tun, wenn die Schulzeit schon vorbei ist? Bis zu 3,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Salzburg erreichen keinen Pflichtschulabschluss. Hier laufen bereits sehr erfolgreiche Initiativen zum kostenlosen Nachholen.

Aufholbedarf gibt es dafür bei der Erwachsenenbildung. Sie wird wegen der sinkenden Bevölkerungszahlen immer wichtiger. Und gerade hier liegt Salzburg unter den Schlusslichtern in Österreich. Die Beteiligung an Aus- und Weiterbildung lag 2014 nur bei knapp 13 Prozent. In Wien sind es rund 20 Prozent. Der Österreich-Schnitt liegt bei über 14 Prozent. Schweden und Finnland erreichen Werte von bis zu 29 Prozent. 60.000 Erwachsene haben in Salzburg Schwierigkeiten beim sinnerfassenden Lesen.

„Weiterbildung und das Nachholen formaler Bildungsabschlüsse ist ein wichtiges Zukunftsthema. Lehrabschluss und Berufsreife bestimmen zum Beispiel auch das Einkommen mit. Besonders das Anerkennen von Wissen, das in Kursen der Erwachsenenbildung und während der Arbeit erworbenen wird, ist eine Zukunftsherausforderung. Das Projekt „Du kannst was!“ von AK sowie Land Salzburg und dem Europäischen Sozialfonds weist hier in eine gute Richtung“, sagt Franz Fuchs-Weikl.

Es kommt aber auch auf die Fördersätze an: Wien und Vorarlberg – zwei der Bundesländer mit dem höchsten Weiterbildungsanteil – haben höhere Förderungen als Salzburg. In Schweden oder Finnland ist Aus- und Weiterbildung überhaupt weitgehend kostenfrei. Zudem sind verschiedene Abschlüsse dort in einen Gesamtrahmen eingeordnet und werden sofort anerkannt.

unsere Forderungen

Kompetenzen aufbauen, Betreuung ausbauen

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Unser Bildungsmonitor zeigt, dass speziell die Betreuung und Elementarbildung der unter 2-jährigen und der 6- bis 14-jährigen ausgebaut gehört. Es braucht mehr verschränkte Ganztagessschulen. Der Bund stellt dafür insgesamt 750 Millionen Euro zur Verfügung. Salzburg darf seinen Anteil nicht liegen lassen!“ Zudem fordern wir einen Chancen-Index in der Schulfinanzierung, der sicherstellt, das Schulen den Herausforderungen an ihrem Standort gemäß auch Mittel erhalten. Das hilft zum Beispiel auch einkommensschwachen Eltern. Nicht zuletzt gehört der Salzburger Bildungsscheck ausgebaut: „Das Nachholen von formalen Bildungsabschlüssen muss kostenfrei möglich sein. Die Wiedereinführung des Fachkräftestipendiums etwa war ein Erfolg. Das Förderinstrument gehört in Richtung eines Qualifizierungsstipendiums weiter ausgebaut und abgesichert!“, so Siegfried Pichler: „Ermöglichen wir Bildung. Es geht um faire Chancen!“

Tipp/Hinweis/Achtung

Der vollständige AK-Bildungsmonitor kann heruntergeladen werden.



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