Salzburgradar 2026: Salzburgs Beschäftigte profitieren zu wenig vom Erfolg der Unternehmen
Unternehmen im Bundesland Salzburg sind trotz wirtschaftlich herausfordernder Rahmenbedingungen weiterhin finanziell hervorragend aufgestellt. Das zeigt der neue Salzburgradar 2026, in dem die AK die Jahresabschlüsse von 166 großen Salzburger Unternehmen analysiert hat. Hohe Eigenkapitalquoten, ausgezeichnete Liquidität, wachsende Gewinne und steigende Ausschüttungen an die Eigentümer:innen prägen das Bild. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung aber auch eine deutliche Schieflage bei der Verteilung des wirtschaftlichen Erfolgs: Gewinne und Wertschöpfung steigen viel stärker als die Einkommen der Beschäftigten. „Es ist ungerecht, dass das Personal nicht fair am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt wird. Ohne den Einsatz und das Engagement der Beschäftigten wäre ein derartiger Erfolg nicht möglich. Das muss sich ändern“, sagt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder.
Die Arbeiterkammer Salzburg hat für den aktuellen Salzburgradar die Jahresabschlüsse von 166 Salzburger Kapitalgesellschaften mit jeweils mehr als 100 Beschäftigten ausgewertet. Die Unternehmen beschäftigten österreichweit rund 96.500 Arbeitnehmer:innen und erwirtschafteten im Jahr 2024 Umsatzerlöse von rund 50,4 Milliarden Euro. Nach Abzug aller Aufwendungen verblieb ein Jahresgewinn von insgesamt 2,9 Milliarden Euro.
„Die Zahlen zeigen klar: Die großen Salzburger Unternehmen sind wirtschaftlich sehr robust aufgestellt. Sie verfügen über ein solides Fundament, das ihnen hilft, Krisenzeiten zu überstehen und Insolvenzen zu vermeiden. Faire Einkommenserhöhungen für die Beschäftigten wären daher durchaus leistbar“, sagt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder.
Unternehmen trotz Rezession finanziell sehr stabil
Die Analyse belegt eine hohe Krisenfestigkeit der Salzburger Wirtschaft. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote stieg 2024 auf ausgezeichnete 46,4 Prozent. Mehr als die Hälfte der Unternehmen verfügte über eine Eigenkapitalausstattung von mehr als 40 Prozent. Nur zwei der untersuchten Unternehmen lagen unter der gesetzlichen Mindestgrenze von acht Prozent.
Auch die Liquiditätswerte erreichten einen neuen Höchststand. Mit einem Liquiditätsgrad von 185 Prozent war das kurzfristige Vermögen der Unternehmen beinahe doppelt so hoch wie ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Betriebe verfügen damit über ausreichend finanzielle Reserven, um auch wirtschaftlich schwierige Phasen zu bewältigen.
„Die Daten zeigen, dass die Salzburger Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre wirtschaftliche Stabilität weiter ausbauen konnten. Von einer allgemeinen wirtschaftlichen Notlage kann jedenfalls keine Rede sein“, erklärt AK-Wirtschaftsexperte Florian Preisig.
Gewinne und Ausschüttungen steigen wieder an
Auch bei der Ertragslage zeigt sich ein positives Bild. Die durchschnittliche EBIT-Quote erhöhte sich von 1,8 auf 2,3 Prozent. Gleichzeitig blieb die Eigenkapitalrentabilität mit mehr als 15 Prozent auf einem sehr hohen Niveau. Selbst bei steigenden Zinsen bleibt das Engagement damit lukrativ und hochprofitabel.
Besonders deutlich wird die wirtschaftliche Stärke bei den Ausschüttungen an die Eigentümer:innen. Die untersuchten Unternehmen schütteten im Jahr 2024 insgesamt 926 Millionen Euro aus. Im Durchschnitt wurden 65,7 Prozent der Jahresgewinne weitergegeben.
„Die Unternehmen zeigen mit ihren Ausschüttungen selbst, wie erfolgreich sie wirtschaften. Wenn ausreichend Mittel für Dividenden vorhanden sind, dann muss auch eine angemessene Beteiligung der Beschäftigten am Erfolg möglich sein“, betont Eder.
Investitionen bleiben auf hohem Niveau
Positiv bewertet die AK die weiterhin hohe Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. Mehr als die Hälfte der Betriebe investierte auch 2024 mehr als abgeschrieben wurde – der Anlagenabnutzungsgrad verbesserte sich insgesamt auf rund 57 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Analyse jedoch, dass bei rund einem Drittel der Unternehmen bereits ein erheblicher Investitionsbedarf besteht. Ihre Anlagen sind schon fast zur Gänze abgeschrieben. Investitionen sind dringend notwendig, um Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze langfristig abzusichern.
Beschäftigte bleiben bei der Verteilung zurück
Kritisch sieht die Arbeiterkammer vor allem die Entwicklung bei den Pro-Kopf-Kennzahlen. Während die Gewinne pro Kopf im Jahr 2024 um 25,1 Prozent stiegen, erhöhten sich die Bruttoeinkommen lediglich um 7,9 Prozent. Auch die Wertschöpfung pro Kopf legte mit 10,2 Prozent stärker zu als die Einkommen.
Damit bestätigt der Salzburgradar erneut einen langfristigen Trend: Der wirtschaftliche Erfolg kommt deutlich stärker den Unternehmen und Eigentümer:innen zugute als den Arbeitnehmer:innen.
„Die Beschäftigten erwirtschaften diesen Erfolg tagtäglich mit ihrer Arbeit. Es ist daher nur fair, dass sie auch angemessen daran beteiligt werden“, sagt Eder. „Wenn Gewinne und Ausschüttungen deutlich stärker steigen als die Einkommen, dann läuft bei der Verteilung etwas schief.“
AK fordert mehr Verteilungsgerechtigkeit
Für die Arbeiterkammer steht fest: Die wirtschaftlichen Kennzahlen zeigen deutlich, dass die Salzburger Unternehmen stabil und robust aufgestellt sind und über ausreichend finanzielle Spielräume verfügen. Gewinne fließen allerdings in erheblichem Umfang an die Eigentümer:innen ab und kommen in deutlich geringerem Ausmaß bei den Beschäftigten an. Es braucht eine gerechtere Beteiligung der Arbeitnehmer:innen am gemeinsam erwirtschafteten Erfolg.
Die AK Salzburg fordert
- Faire und nachhaltige Einkommenssteigerungen für die Beschäftigten
- Eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer:innen am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen
- Weiterhin hohe Investitionen zur Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen
- Eine wirtschaftspolitische Ausrichtung, die Verteilungsgerechtigkeit stärker berücksichtigt
„Die Beschäftigten haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Unternehmen auch in schwierigen Zeiten erfolgreich geblieben sind. Sie verdienen daher einen deutlich größeren Anteil am gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand“, so Eder abschließend.
Der Salzburgradar kann hier heruntergeladen werden.