6.3.2026

Weltfrauentag: Gleichstellung lässt weiter auf sich warten

Aus für Pflegebonus wirkt sich negativ auf Einkommensgerechtigkeit aus

Der Weltfrauentag am 8. März bietet alljährlich Anlass, den Finger in Wunden zu legen, die im Alltag oft unsichtbar sind. So zeigen die aktuellen Ergebnisse des AK-Frauenmonitors, dass die Gleichstellung der Geschlechter weiterhin ein Wunschtraum ist. Die Lohnschere schließt sich im Schneckentempo und der Teilzeitanteil bleibt hoch. Ein Grund für die hohen Einkommensunterschiede ist, dass frauendominierte Berufe weiterhin schlechter bezahlt sind als männerdominierte. Umso wichtiger ist es für ÖGB und AK, dass die EU-Entgelttransparenzrichtlinie gut umgesetzt wird. Mit dem geplanten Aus des Pflegebonus verstärkt die Salzburger Landesregierung die Einkommensungerechtigkeit. Da der Frauenanteil in Pflege und Betreuung mit rund 85 Prozent sehr hoch ist, sind es auch überwiegend Frauen, die unter den Einkommensverlusten leiden.  

Der aktuelle AK-Frauenmonitor zeigt unmissverständlich, dass sich an den vielen Baustellen in Sachen Gleichberechtigung kaum etwas verbessert hat. AK-Direktorin Eva Stöckl bringt es auf den Punkt: „Es geht wenig bis gar nichts weiter. Die Gleichstellung befindet sich in einer Sackgasse.“ Trotz jahrelanger Debatten verdienen Frauen noch deutlich weniger als Männer. Denn besonders klar zeigt sich die Ungleichheit beim Einkommen. Beim Gender-Pay-Gap, dem Vergleich der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten, verdienen Frauen im Schnitt 3.649 Euro, das sind um 833 Euro pro Monat weniger als Männer. Werden auch Teilzeitbeschäftigte in den Vergleich einbezogen, erhöht sich der Unterschied sogar auf 1.177 Euro. „Besonders erschütternd ist, dass für 38,4 Prozent der Salzburger Arbeitnehmerinnen das Einkommen gerade noch so zum Leben und für 17,2 Prozent nicht mehr zum Leben reicht. Von echter Gleichstellung kann da keine Rede sein“, findet Stöckl klare Worte.

Hoher Teilzeitanteil aufgrund Kinderbetreuung und Pflege

Der Teilzeitanteil bei den Salzburgerinnen bleibt hoch. Immerhin 52,7 Prozent der unselbstständig Beschäftigten arbeiten in Teilzeit. Wenn Kinder unter 15 Jahren im Haushalt leben, erhöht sich die Teilzeitquote nochmals deutlich auf 79,2 Prozent. Bei Männern zeigt sich ein umgekehrtes Bild: Der ohnehin niedrige Teilzeitanteil von 10,7 Prozent reduziert sich auf 7,2 Prozent, wenn Kinder unter 15 Jahren im Haushalt leben. Es passt ins Bild, dass Frauen Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen als Beweggründe für den Wechsel in Teilzeit nennen.

AK-Vizepräsidentin Daniela Wiermeier: „Es darf nicht sein, dass Frauen wegen fehlender Angebote zur Teilzeit gedrängt werden. Insbesondere Alleinerzieherinnen sind auf verlässliche Angebote angewiesen.“ Die AK-Vizepräsidentin spricht sich daher für einen Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbildungs- und -betreuungsplätze aus. Dabei ist entscheidend, dass sich deren Öffnungszeiten mit den Arbeitszeiten vereinbaren lassen. Außerdem müssen sich Väter stärker an der Familienarbeit beteiligen. „Familienarbeit muss partnerschaftlich geteilt werden, damit sie nicht nur auf Kosten der finanziellen Absicherung von Frauen geht. Dasselbe gilt für die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen. Hier braucht es mehr leistbare mobile Pflegedienste“, sagt Wiermeier.

„Frauenberufe“ zementieren Gehaltsunterschiede ein

Der aktuelle AK-Salzburg-Frauenmonitor zeigt aber auch, dass die Einkommensungleichheit schon bei der Berufswahl beginnt: 36 Prozent der Mädchen entscheiden sich für 1 von 3 Lehrberufen im Dienstleistungsbereich – Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau, Friseurin. Branchen, die frauendominiert sind und schlechter bezahlt werden. Auch wenn der Einzelhandel (43.800 Euro) in puncto Lehrlingsentschädigung während der gesamten Lehrzeit mittlerweile aufgeholt hat, hinken die Entschädigungen für Bürokauffrauen (37.392 Euro) und Friseurinnen (34.656 Euro) den Lehrlingsentschädigungen in den Top-3-Berufen der Burschen (Elektrotechniker, Kraftfahrzeugtechniker, Metalltechniker, alle: 42.684 Euro) noch immer weit hinterher. AK-Vizepräsidentin Daniela Wiermeier weiß: „Die oftmals hohen Unterschiede beim Berufseinstieg können meist über das gesamte Berufsleben nicht mehr aufgeholt werden. Im Gegenteil: Sie werden durch unstete Berufsverläufe, aufgrund von Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen, meist weiter verstärkt und führen in vielen Fällen zu niedrigen und nicht existenzsichernden Pensionen, die um 40,8 Prozent niedriger sind als jene von Männern.“

Wertschätzung ist gefragt

ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Petra Berger-Ratley kritisiert, dass ausgerechnet jene Berufe, in denen vor allem Frauen arbeiten, immer noch schlechter bewertet und in weiterer Folge auch niedriger entlohnt werden: „In erster Linie geht es ja um Branchen, die wir alle zum Leben brauchen. Egal, ob es um den Einzelhandel, die Reinigung, Kinderbildungseinrichtungen oder auch die Pflege und Betreuung geht – all diese Berufe wurden ja nicht umsonst als systemrelevant anerkannt. Es sind Branchen, die wir alle dringend, großteils täglich benötigen. Doch wo bleibt die Anerkennung, die Wertschätzung, die gerechte Entlohnung?“, fragt Berger-Ratley nach und ergänzt: „Hinzu kommt, dass jedes Mal, wenn die öffentliche Hand sparen muss, wieder die Frauen draufzahlen – und zwar doppelt und dreifach. Die Streichung des Pflegebonus ist hierfür ein Paradebeispiel. Man nimmt den Arbeitnehmer:innen in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen nicht nur einen Teil des Einkommens weg, sondern verschärft damit auch die Personalsituation. Wer kümmert sich dann um die Angehörigen, wenn Pflege oder Alltagshilfe nötig wird? Das sind wieder die Frauen.“

Und die Zahlen geben ihr Recht. Immerhin werden knapp 80 Prozent der zu Pflegenden zuhause betreut und dies überwiegend von Frauen. Denn knapp 70 Prozent all jener, die sich um Angehörige kümmern, sind Frauen. Das Volksbegehren „Stopp den Pflegeraub“ der AK Salzburg ist daher auch vor allem für Frauen besonders wichtig. „Wir nehmen es nicht hin, dass der Sparkurs der Regierung wieder auf dem Rücken der Frauen ausgetragen wird – schon gar nicht, wenn das Geld ohnehin da ist, aber anderweitig verwendet wird. Da die Landesregierung hier zwar ihren Fehler eingesteht, aber tatenlos bleibt, hoffen wir nun, dass zumindest die Parteien im Nationalrat unsere Forderungen aufgreifen“, erklärt Wiermeier

Entgelttransparenzrichtlinie bis Juni umzusetzen

Ein zentraler Ansatz gegen Einkommensunterschiede ist die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die 2023 beschlossen wurde und bis Juni 2026 in Österreich umgesetzt werden muss. AK und ÖGB setzen sich gemeinsam dafür ein, dass die Richtlinie rasch und wirkungsvoll umgesetzt wird. „Wir müssen über Einkommen sprechen – miteinander aber auch offen. Umso bedeutender ist es, dass Betriebe nun auch Zahlen offenlegen müssen und bestraft werden können“, begrüßt Berger-Ratley die Richtlinie.

Gibt es im Betrieb einen Einkommensunterschied von mehr als 5 Prozent, der nicht gerecht erklärt werden kann, dann müssen Unternehmen und Betriebsrät:innen bzw. Personalvertreter:innen handeln. „Betriebsrät:innen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Löhne, Gehälter, Zulagen und Pauschalen prüfen und mit den Unternehmen Anpassungen aushandeln können“, betont Berger-Ratley.

Unterstützung erhalten die Betriebsrät:innen dabei natürlich von der Gewerkschaft. „Wir müssen alle unseren Beitrag dazu leisten, dass Gleichberechtigung Realität wird und keine Forderung bleibt. Da ist es auch entscheidend, dass wir Männer unseren Beitrag dazu leisten“, ist ÖGB-Landesgeschäftsführer Marvin Kropp überzeugt und ergänzt: „Wir werden die Betriebsrät:innen und Personalvertreter:innen bestmöglich informieren und in diesem Prozess begleiten. Denn letzten Endes geht es darum, dass Frauen endlich ein faires Einkommen erhalten, was ja selbstverständlich sein sollte.“

Armut ist weiblich, Altersarmut auch

Es verwundert wenig, dass (Alters-)Armut weiblich ist. 36 Prozent aller Ein-Eltern-Haushalte sind armutsgefährdet. Zu 85 Prozent handelt es sich dabei um Frauen mit Kindern. Entschärft wird die Situation glücklicherweise durch den Sozialstaat. Ohne Transferleistungen läge die Armutsgefährdungsquote sogar bei 85 Prozent.

Auch in der Pension sind alleinlebende Frauen mit 32 Prozent stark armutsgefährdet, wobei die Tendenz steigend ist – 2017 waren es noch 22 Prozent. Kein Wunder: Die Alterspensionen von Frauen sind um 40,8 Prozent niedriger als jene der Männer. Während Männer durchschnittlich 2.577 Euro monatlich beziehen, bekommen Frauen lediglich 1.526 Euro. Aufgrund nicht existenzsichernder Pensionen sind Frauen auch im Alter stark auf ein gutes soziales Netz in Form von Sozialleistungen wie der Ausgleichszulage angewiesen. Mit Stand Dezember 2024 wurden von der PVA rund 7.375 Ausgleichszulagen ausbezahlt, rund 70 Prozent entfielen auf Frauen.

zum herunterladen

Der vollständige Frauenmonitor 2025 steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.


Links

Kontakt

Kontakt

Medien & Kommunikation
T: +43 (0)662 86 87-235
  • © 2026 AK Salzburg | Markus-Sittikus-Straße 10, 5020 Salzburg, +43 (0)662 86 87

  • Datenschutz
  • Impressum