Menstruationsprodukte: Steuerstreichung nur bei 2 von 3 Ketten nachvollziehbar
Mit 1. Jänner 2026 wurde die Mehrwertsteuer auf Menstruationsartikel gestrichen. Die AK Salzburg hat nun geprüft, ob der Handel die Streichung an die Konsumentinnen weitergegeben hat. Das Ergebnis: DM und Müller haben die Aussetzung der Steuer im Schnitt komplett weitergegeben, Müller allerdings erst mit Verspätung. Nachholbedarf hat immer noch BIPA, wo die Preise im Jahresvergleich durch die AK nur um 5,51 % sanken. Auffallend dabei: Während auch bei BIPA bei Eigenmarken die Steuerersparnis weitergegeben wurde, sind die Preise für viele Markenartikel zuerst angestiegen, um dann per 1. Jänner 2026 wieder zu sinken. AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger: „Es ist erfreulich, dass das Gesetz Wirkung zeigt und die erhobenen Periodenprodukte generell günstiger geworden sind. Es zeigt sich aber auch, dass es ohne Kontrollen offenbar nicht funktioniert.“
Im Rahmen der Erhebung hat die AK Salzburg die Preise von 118 Produkten (Einweg-Binden und Tampons) in den Onlineshops von DM, BIPA und Müller erhoben. Als Vergleichsbasis, ob die Mehrwertsteuerstreichung weitergegeben wurde, dienten die Preise vom März 2025. Rechnerisch müsste sich eine 10-prozentige Steuersenkung mit einem 9,09 Prozent niedrigeren Verkaufspreis auswirken.
Musterschüler DM, bei BIPA wurden fast nur Eigenmarken günstiger
Musterschüler unter den erhobenen Drogerien ist DM. Mit einer durchschnittlichen Preisreduktion von 11,40 Prozent wurde die Zielmarke von 9,09 Prozent deutlich übertroffen. 37 von 42 untersuchten Produkten wurden stärker gesenkt als es die Steuerentlastung erwarten lassen würde. Eigenmarken wurden im Schnitt um 13,98 Prozent günstiger, Markenartikel um 9,65 Prozent.
Nicht ganz so eindeutig zeigt sich das Bild bei Müller. Eine Erhebung der AK Wien im Jänner 2026 zeigte, dass der Wegfall der Mehrwertsteuer überhaupt nicht an die Kundinnen weitergegeben wurde. Mittlerweile wurden die Preise jedoch angepasst, so dass die Senkung mit durchschnittlich 9,87 Prozent knapp über der Zielmarke liegt. „Hier zeigt sich, dass Kontrollen wirken“, sagt AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger.
Während die Steuerstreichung bei DM und Müller somit letztendlich weitergegeben wurde, zeigt sich bei BIPA ein anderes Bild. Die durchschnittliche Preissenkung beträgt nur 5,51 Prozent. Nur 12 von 43 erhobenen Produkten wurden ausreichend gesenkt. 5 Produkte wurden sogar trotz Wegfall der Mehrwertsteuer teurer. Zwar waren 3 dieser Produkte am Erhebungstag in Aktion, der Normalpreis blieb aber weiter hoch. Beim Blick aufs Detail fällt auf, dass der Preis vor allem bei den erhobenen Artikeln der Eigenmarken reduziert wurde (9,10 Prozent). Markenartikel wurden bei BIPA hingegen im Schnitt nur um 3,77 Prozent günstiger.
Preise von Markenprodukten sind weniger stark gesunken
AK-Konsumentenschützer Christian Obermoser hält diesbezüglich fest: „Während sich bei BIPA diese Entwicklung über die meisten untersuchten Markenprodukte zieht, sind bei DM und Müller nur einzelne erhobene Produkte betroffen. Es ist sehr schwierig nachzuprüfen, ob diese vermutlich herstellerseitigen Preiserhöhungen im Herbst 2025 vor der bevorstehenden Steuerstreichung gerechtfertigt waren oder nicht. Jedenfalls erwarten wir uns eine Weitergabe auf den Normalpreis und nicht über kurzfristige Rabatte und Aktionen.“
AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger beurteilt die Streichung der Mehrwertsteuer grundsätzlich positiv: „Es ist erfreulich, dass die Steuerbefreiung bei den untersuchten Menstruationsprodukten insgesamt an die Konsumentinnen weitergegeben wurde. Wir werden die Entwicklung auch weiterhin genau beobachten, um sicherzustellen, dass diese wichtige Entlastungsmaßnahme auch bei den Kundinnen ankommt.“
Grössenberger sieht die Steuerbefreiung als wichtigen frauenpolitischen Schritt, um die Relevanz des Themas zu unterstreichen. Neben dieser politischen Maßnahme verweist sie auf diverse Projekte, die den Kostendruck gänzlich von Frauen nehmen. So gibt es etwa bei AK und ÖGB Salzburg sowie in Amtsgebäuden, Mittelschulen und auf öffentlichen Toiletten in der Stadt Salzburg seit einigen Jahren kostenlose Periodenprodukte.