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Die tun nichts


Als ich noch voll in der Arbeitswelt steckte, dachte ich über Arbeitslose, daß die nichts tun. Sind halt ohne Job. Leben in den Tag hinein. Liegen uns echten Arbeitern auf der Tasche. Kosten uns Steuerzahlern nur Geld. Sie sind faul.

Wer Arbeit möchte, bekommt auch eine solche. Ja das waren meine Gedanken, als ich noch voll in dieser Arbeitswelt steckte. Von dieser Meinung konnte mich auch keiner abbringen. Bei jeder Diskussion die am Arbeitsplatz, am Stammtisch oder im privaten Umfeld über Arbeitslose entstand, waren alle dieser Meinung:

Die tun nichts!

Dann kam wie es kommen sollte. Ich wurde krank und siehe da – arbeitslos. Nun ja. Kein Problem. Zum AMS dann zum Arzt und danach auf REHA. In dieser Phase hatte ich viel Zeit über neue Jobs nachzudenken. Wenn ich mit der REHA fertig bin werde ich mein ursprünglich erlerntes Betätigungsfeld aus gesundheitlichen Gründen verlassen und mir einen neuen Job suchen. Alles Easy. Freu mich schon riesig auf die neuen Aufgaben. Auch mit 50 fang ich nochmal neu an. Kein Problem. Die da draussen am Arbeitsmarkt brauchen so einen wie mich. Ehrgeizig, freundlich, kooperativ, teamfähig, kaufmännisch gut aufgestellt, pünktlich, verhandlungssicher und flexibel. Eigentlich musste ja schon alle warten bis ich mich endlich bei Ihnen melde.

Aber: die tun nichts!

Keiner hat auf mich gewartet. So besuchte ich einen vom AMS unterstützten 8 wöchigen REHA Berufsumschulungskurs im BBRZ Salzburg. Tolle Einrichtung.

Jeden Tag pünktlich im Kurs erschienen. Alle Austestungen erfolgreich abgeschlossen. Mich dahintergeklemmt eine neue Jobrichtung zu finden, die ich auch aus gesundheitlichem Aspekt absolvieren kann. Bewerbungen geschrieben. Und gewartet. Aber ich kam mit jedem Tag zu der Erkenntnis: die tun nichts! Viele angeschriebene Firmen sind nicht einmal in der Lage, die ihnen zugesandten Bewerbungen zu kommentieren oder zu bestätigen. Ein einfaches „Danke für Ihre Bewerbung“ hätte es schon getan.

Aber: die tun nichts!

Wochenlanges Warten. Keine Reaktion und wenn dann nur absagen. Tolles Gefühl. Wie war das nochmals. Die da draussen warten auf mich. Oh Gott! Kann man wirklich so naiv sein. Ja. So naiv war ich. 32 Jahre im selben Job machen einen blind. Zuerst waren es die anderen für mich die nichts tun und nun gehöre ich auch dazu. Schrecklicher Gedanke. Aber für die Arbeitenden, tue ich nichts. Stimmt das denn? Ist sich täglich mit stundenlangem Stellenanzeigen beschäftigen, Bewerbungen zu schreiben und sich im Kurs fitzuhalten, nichts?

Nein für einen in der Arbeitswelt stehenden und nur mit sich beschäftigten, ist das nichts. Nur die, die täglich ihrer geregelten Arbeit nachgehen nur die arbeiten. Und das hart. Alle anderen sind faul, liegen den hart arbeitenden Menschen auf der Tasche und kosten dem Staat nur Geld. 

Aber wenn man sich dahinter klemmt und wirklich täglich stundenlang mit der Jobsuche beschäftigt ist, ist das harte Arbeit. Geht auch nach einiger Zeit auf die Psyche. Man hat ständig das Gefühl gegen Betonwände zu knallen. 

Die tun nichts – ist halt eine Aussage von ahnungslosen, die nie in dieser Situation der Arbeitslosigkeit waren und denen ich auch nicht wünsche, jemals dort hin zu kommen. Aber Achtung: das kann oft unerwartet und schnell gehen. Keiner ist davor sicher.

interesse an der schreibwerkstatt?

Die Schreibwerkstatt ist ein offenes Projekt an dem Arbeitslose/Arbeitssuchende teilnehmen können. Kontakt für Interessierte: Christina.repolust@sprachbilder.at, http://www.sprachbilder.at/.
Blog: Repolusts Lesezeichen. Dr. Christina Repolust ist Autorin, Literatin und Sprachcoach


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