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Wir und die anderen

Was ist „wir“? Wer sind wir und wer sind die anderen? Wo gehöre ich hin? Ich weiß es gerade nicht, oder nicht mehr oder noch nicht?

„Wir“ war vor Jahren noch die im Beruf Stehenden. Damals, gestern – wobei das „Gestern“  für mich schon sehr lange dauert – stand ich bei der Gruppe Erwerbstätige. Heute stehe ich bei der Gruppe „die Arbeitslosen“, nicht bei der Gruppe „Nicht Erwerbstätige“. Nein,  bei der negativen Gruppe. Bei „arbeitslos“ denkt man/frau ja auch vielleicht gleich „arbeitsscheu“ mit. Nein, bei denen da unten, nicht oben. Die einen schauen runter, die anderen schauen rauf. Muss ich auch rauf schauen? „Muss“ und „rauf“ - sind das die richtigen Worte? Bin ich unten? Nein, das ist jetzt zu negativ. In der Zwischenzeit habe ich auch gelernt, dass es positiv sein kann, nicht erwerbstätig zu sein, dass ich inzwischen Kraft tanken kann, die Zeit dafür verwenden kann, mich neu aufzustellen, neu zu definieren. Darf ich mich in meinem Alter neu definieren? Ja, ich darf.  Yes, I can. Ja, ich werde.

Die verschobenen Bilder, gegen die eigentlich ich immer ankämpfte und nach wie vor ankämpfe, die muss ich aus meinem Kopf verbannen. Die müssen raus – alles raus wie beim Räumungsverkauf: Aufräumen, Reine machen. Ausgerechnet ich bin dem „klassischen, konservativen Rollenbild“ im Kopf erlegen? Wie kann das denn  jetzt sein?

Ja, ja ich habe viel dazugelernt über die Menschen -  die - die es „richtig“ machen - scheinbar. Die „arbeiten gehen“, die machen es richtig? Wirklich? Es ist und war interessant zu beobachten, wie sich plötzlich die geglaubten Machtverhältnisse verschieben können und auch verschoben haben. Aber verschieben lassen, das gelingt nur dann, wenn dieser Prozess auch zugelassen wird. Gestern habe ich es noch zugelassen, heute vielleicht noch ein bisschen, aber morgen ganz bestimmt nicht mehr.

Morgen werde ich, obwohl ich unten bin, doch oben sein. Denn alles beginnt im Kopf – soll ich einen Kopfstand probieren?

interesse an der schreibwerkstatt?

Die Schreibwerkstatt ist ein offenes Projekt an dem Arbeitslose/Arbeitssuchende teilnehmen können. Kontakt für Interessierte: Christina.repolust@sprachbilder.at, http://www.sprachbilder.at/.
Blog: Repolusts Lesezeichen. Dr. Christina Repolust ist Autorin, Literatin und Sprachcoach

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