29.01.2026

Stress, Zukunftssorgen und hohe intensität sind Arbeitsalltag

Die Salzburger Beschäftigten leiden zunehmend unter Stress, Unsicherheit und Zukunftssorgen. Die allgemeine Zufriedenheit ist am niedrigsten Wert der vergangenen 10 Jahre angelangt. Pessimistische Erwartungen hinsichtlich gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen, steigende Belastungen durch Arbeitsintensität und Digitalisierung sowie Sorgen um Einkommen und Altersabsicherung drücken die Stimmung. „Diese Zahlen sind ein Alarmsignal“, so AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder, „wenn Beschäftigte trotz hoher Leistung immer stärker unter Druck geraten und um ihre Zukunft fürchten müssen, dann herrscht Handlungsbedarf.“

Der Gesamtindex der allgemeinen Zufriedenheit sinkt 2025 von 67 auf 66 Punkte und liegt damit wieder auf dem Niveau des Jahres 2022 und ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2016. Während die Teilindizes „Arbeit“ und „Betrieb“ mit jeweils 70 Punkten stabil bleiben, gehen die Indizes „Erwartungen“ und „Gesellschaft“ weiter zurück. Besonders unzufrieden zeigen sich junge Beschäftigte unter 25 Jahren.

Hohe Betriebszufriedenheit trotz Gesamtdruck

Trotz der insgesamt niedrigen Zufriedenheit sind viele Beschäftigte mit einzelnen Aspekten ihrer Arbeit durchaus zufrieden. 70 Prozent sind (sehr) zufrieden mit ihren Rechten als Arbeitnehmer:innen, 73 Prozent mit ihrer sozialen Position im Betrieb. Auch die Zufriedenheit mit Mitbestimmung, Führungsstil und der Möglichkeit, Arbeitsabläufe selbst zu gestalten, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „Die Betriebsrät:innen vor Ort, AK und ÖGB geben Sicherheit – die Menschen wissen, an wen sie sich wenden können“, sagt AK-Präsident Peter Eder.

AK-Arbeitssoziologe Bernd Wimmer: „Die Ergebnisse zeigen also, dass betriebliche Rahmenbedingungen sehr wohl gestaltbar sind und positive Effekte haben können – sie reichen aber nicht aus, um die wachsenden strukturellen Belastungen auszugleichen.“

Jede:r Zweite blickt pessimistisch in die Zukunft

Mehr als die Hälfte der Salzburger Beschäftigten (53 Prozent) blickt pessimistisch auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Österreichs – der höchste Wert seit 2016. Gleichzeitig geben 47 Prozent an, mit ihrem Einkommen gerade noch oder nicht mehr auszukommen, für 12 Prozent reicht es faktisch nicht aus. Besonders ausgeprägt ist die Sorge um die Alterssicherung: 69 Prozent erwarten, dass ihre Pension künftig maximal zur Deckung der Grundbedürfnisse reichen wird, 27 Prozent rechnen mit einer unzureichenden Absicherung. Frauen sind davon überdurchschnittlich betroffen.

„Den Pessimismus zu bekämpfen, indem diese Unsicherheiten abgestellt werden, ist Aufgabe der Politik“, stellt AK-Präsident Eder klar, „dass vor allem Frauen massive Sorgen um ihre Zukunft haben, verwundert nicht, sind wir doch sowohl bei Einkommen, als auch Pensionen noch meilenweit von der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen entfernt. Hier sind in erster Linie mehr Bemühungen seitens der Politik, mehr Frauen in Vollzeitjobs zu bringen, notwendig. Es geht um echte Wahlfreiheit, Stichworte flächendeckende, leistbare Kinderbildungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten den Arbeitszeiten der Eltern entsprechen.“ 

Auch älteren Beschäftigten gilt es, Sorgen zu nehmen: „Hier müssen Politik und Unternehmen in die Pflicht genommen werden und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bei der Beschäftigung älterer Menschen bewusst sein“, so Eder weiter, „unser Vorschlag ist ein Bonus-Malus-System, um Betrieben die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen schmackhafter zu machen.“

Denn besonders bei Frauen über 60 steigt die Arbeitslosigkeit mit der Erhöhung des Pensionsantrittsalters rasant an, in Salzburg hat sie sich vervierfacht. Dazu kommt, dass ca. ein Drittel der Beschäftigten nicht aus der Erwerbstätigkeit in die Pension wechselt, sondern direkt aus Arbeitslosigkeit oder Krankenstand.

Stress, Erschöpfung und psychische Belastungen steigen

40 Prozent der Beschäftigten leiden (sehr) häufig unter Alltagsstress, dieser Anteil hat sich seit 2022 nahezu verdoppelt. Mehr als jede bzw. jeder Zweite fühlt sich regelmäßig erschöpft, junge Beschäftigte besonders stark. Gleichzeitig nehmen Orientierungsprobleme zu: Fast ein Viertel der Befragten empfindet die rasanten Veränderungen als überfordernd.

Die Arbeitsintensität bleibt hoch: Ständige Konzentration, Informationsflut, Zeitdruck und häufige Unterbrechungen prägen den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter. Zusätzlich steigt der Belastungsdruck durch Digitalisierung. Der Indexwert für innovationsbedingten Stress ist 2025 deutlich gestiegen, ebenso die Belastung durch Bildschirmarbeit sowie digitale Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen.

Präsentismus greift immer weiter um sich

Besorgniserregend ist, dass das Phänomen des „Präsentismus“ zunehmend zur Norm wird: Bereits 61 Prozent der Beschäftigten (2024 waren es noch 53 Prozent) gingen in den vergangenen sechs Monaten trotz akuter Erkrankung arbeiten. Hauptgründe sind knappe Personalressourcen, fehlende Vertretungen und die Sorge, Kolleg:innen zusätzlich zu belasten.

45 Prozent für Arbeitszeitverkürzung

Knapp ein Drittel der Salzburger Beschäftigten hält es für unwahrscheinlich, bis zum gesetzlichen Pensionsalter arbeiten zu können. Als zentrale Maßnahme zur langfristigen Sicherung der Arbeitsfähigkeit nennt fast jede:r Zweite Formen der Arbeitszeitverkürzung. 45 Prozent halten sie für entscheidend, um gesund bis zur Pension durchhalten zu können. So arbeiten Vollzeitkräfte derzeit im Durchschnitt 39,8 Stunden pro Woche, die durchschnittliche Wunscharbeitszeit von Vollzeitkräften liegt aber bei 34,5 Stunden. Bei Teilzeitkräften liegt die Wunscharbeitszeit sogar leicht höher (23,4 Stunden), als die tatsächlich geleistete Arbeitszeit (22,8 Stunden).

Eder: „Vor diesem Hintergrund darf das Thema Arbeitszeitverkürzung kein Tabu sein, sondern muss auf sozialpartnerschaftlicher Ebene als eine Möglichkeit neuer Arbeitszeitmodelle für die Zukunft gesehen werden.“

AK: Was es jetzt braucht

Was es ganz konkret aus Sicht der AK-Arbeitnehmerschützer:innen unter anderem rasch braucht:

  • Höhere Strafmaße bei Überschreitungen und Missachtungen sowie verbindliche Sanktionen bei Nicht-Einhaltung der Verpflichtung zur Evaluierung psychischer Belastungen
  • Erhöhung der finanziellen Ressourcen der Arbeitsinspektorates
  • Verankerung von Arbeits- und Organisationspsycholog:innen als gleichwertige Präventivfachkraft, gleichberechtigt zu Arbeitsmediziner:innen und Sicherheitsfachkräften, im Arbeitnehmer:innenschutzgesetz (ASchG)
  • Aktualisierung der Berufskrankheitenliste, unter anderem durch die Aufnahme psychischer Erkrankungen sowie von Muskel-Skelett-Erkrankungen
  • Einführung eines Kündigungsschutzes für Beschäftigte im Krankenstand

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