26.4.2017
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Beschimpft, gedemütigt, gefilmt - Arbeiterkammer hilft Lehrling

Mobbing am Arbeitsplatz ist das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren durch Kollegen oder Vorgesetzte. Die Folgen sind für die Opfer meist gravierend – das bekam auch ein Elektrotechnik-Lehrling aus Salzburg am eigenen Leib zu spüren. Der Jugendliche war über Monate hinweg am Arbeitsplatz wüsten Beschimpfungen und Psychoterror ausgesetzt. Der Gipfel: Die Szenen wurden mit dem Handy gefilmt und über WhatsApp an Kollegen weitergeleitet.

Als der Lehrling keinen Ausweg mehr sah, wandte er sich an die Jugend- und Lehrlingsberatung der Arbeiterkammer Salzburg. Die AK intervenierte. Die Unternehmensleitung zeigte sich von den geschilderten Vorfällen entsetzt. Nach konstruktiven Gesprächen konnte eine Lösung im Sinne des Jugendlichen gefunden werden: Zurück in den alten Job war für den Lehrling – nach den einschneidenden Erlebnissen – nicht mehr möglich. Deswegen wurde der junge Salzburger bis zum Ende seiner Lehrzeit (zwei Monate) von der Arbeit freigestellt. Zudem erhielt er eine  Entschädigung von 2.700 Euro. Doch das Wichtigste: Der Jugendliche konnte seine Lehre erfolgreich abschließen. Die drei Jahre Ausbildung waren nicht umsonst!

 Hilfe durch Lehrlingscoaching

„Trotz der Einigung bleibt ein schaler Beigeschmack“, sagt Hilla Lindhuber, Leiterin der Abteilung Bildung, Jugend und Kultur in der AK Salzburg. „Man kann sich nicht vorstellen, was diese Erfahrungen für die Entwicklung eines jungen Menschen bedeuten.“ Damit es im Unternehmen künftig zu keinen weiteren Vorfällen kommt, erklärte sich der ehemalige Chef des Lehrlings bereit, bei der Initiative „Lehrlingscoaching“ mitzumachen. „Das Projekt von Wirtschafts- und Sozialministerium bietet individuelle Beratung und Begleitung für Lehrlinge und auch Betriebe bei akuten Herausforderungen in der Ausbildung von Lehrlingen“, berichtet Lindhuber.   

Koch-Lehrling zu Unrecht entlassen

Ein zweiter Fall zeigt, wie Lehrlinge im Falle des Falles auf die AK zählen können. Ein Koch-Lehrling sollte während des Besuchs eines Berufsschullehrgangs am Wochenende auch noch arbeiten. Als der 19-Jährige mit dem Hinweis, dass dies gesetzlich nicht erlaubt sei, entlassen wurde, wandte er sich an die Arbeiterkammer Salzburg. Mit deren Hilfe erstritt er vor Gericht eine Entschädigung in der Höhe von 5.000 Euro. Der couragierte Koch-Lehrling bereitet sich derzeit auf die bevorstehende Lehrabschlussprüfung vor.   

2016 wurden rund 8.000 Jugendliche beraten

Insgesamt intervenierte die Jugend- und Lehrlingsberatung der Arbeiterkammer Salzburg im Jahr 2016 rund 100 Mal. Den Betroffenen brachte das knapp 85.000 Euro. Im vergangenen Jahr standen die AK-Expertinnen und Experten den Salzburger Jugendlichen fast 8.000 Mal mit Rat und Hilfe zur Seite: 662 persönliche, 5.984 telefonische und 905 schriftliche Beratungen.

Hier drückt Salzburgs Lehrlingen der Schuh

Die meisten Betriebe – zwar immer weniger – bilden aus und in der Regel machen sie das sehr gut: Im Bundesland Salzburg befanden sich zum Stichtag 31.12.2016 rund 8.200 Salzburgerinnen und Salzburger in einem Lehrverhältnis (2009 waren es noch 10.500). „Wie der 1. österreichische Lehrlingsmonitor zeigt, fühlen sich die Lehrlinge in ihrem Job meist sehr wohl. Jeder Zweite gab an, mit keinen Problemen in der Ausbildung konfrontiert zu sein. Gegenteiliges berichten rund 14 Prozent der Befragten“, sagt Stephanie Posch, Expertin für Lehrlingsfragen in der AK Salzburg.

Wo Jugendlichen im Vorjahr der Schuh drückte, zeigt die Bilanz 2016: Wenden sie sich an die Lehrlingsberatung der AK, dann klagen die jungen Menschen am häufigsten über das Niveau der Lehre. „Entweder werden sie schlecht ausgebildet, oder sie müssen berufsfremde Tätigkeiten ausüben“, so Posch. „Auch Probleme mit Arbeitszeitüberschreitungen oder dem Betriebsklima - Umgangston, Ärger mit dem Chef oder den Kollegen-  stehen ganz oben auf der Beschwerden-Liste.“ Davon sind vor allem folgende Branchen betroffen: Einzelhandel, Hotel- und Gastgewerbe und Frisöre.

Weitere Themenfelder: allgemeine Fragen zum Lehrverhältnis, Beendigung des Lehrverhältnisses, Ausbildungsprobleme und Berufsbild. Vor und nach den Sommerferien treten häufig Fragen zu Ferialarbeit sowie Pflichtpraktikum auf. „Egal mit welchen Problemen die jungen Menschen in ihrer Ausbildung konfrontiert werden, unsere Expertinnen und Experten stehen ihnen mit Rat und Hilfe zur Seite“, betont AK-Präsident Pichler.

Lehrlinge wählen Arbeiterkammer auf Platz eins

Das Engagement für die Jugendlichen wird mit Vertrauen belohnt: Im Rahmen einer österreichweiten Lehrlingsstudie des Instituts für Jugendkulturforschung (tfactory) belegt die Arbeiterkammer bei der Frage „Welche Institution setzt sich für die Anliegen der Lehrlinge ein?“ den ersten Platz. Der Vertrauenswert liegt bei knapp 90 Prozent. Dahinter liegen: Bundesjugendvertretung (74 Prozent), politische Jugendorganisationen (72 Prozent), Gewerkschaften (72 Prozent), Wirtschaftskammer (65 Prozent) etc. „Dieses Ergebnis bestätigt unsere tagtägliche Arbeit“, freut sich Pichler. „Dennoch werden wir uns auf diesem Ergebnis nicht ausruhen. Wir werden auch in Zukunft mit höchstem Einsatz den Jugendlichen in Salzburg mit Rat und Hilfe zur Seite stehen.“

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