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Auf der eigenen Pensionsfeier gefeuert: AK erkämpft 24.000 Euro

Wir vertreten die Interessen und Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das ist unsere Kernaufgabe. Alleine die Arbeitsrecht-Expertinnen und -Experten standen 2017 rund 90.000 Mal persönlich, telefonisch oder per Mail den Menschen zur Seite und erkämpften dabei 20,5 Millionen Euro.

Ein Fall blieb unseren Mitarbeitern ganz besonders Erinnerung: Nach Jahrzehnten am Bau sehnte Herr. M seinen wohlverdienten Ruhestand herbei. Im September wäre es dann so weit gewesen. Auch der Termin für die firmeninterne Abschiedsfeier stand. Unglücklicherweise brach sich Herr M. kurz davor das Bein. Statt die letzten Wochen in der Arbeit zu verbringen, hieß es für den Salzburger Krücken, Gips und Krankenstand.

AK zog vor Gericht: 24.000 Euro für Arbeitnehmer

Mit Krücken humpelte er zur eigenen Abschiedsparty. Dann die böse Überraschung: Anstelle von Dankbarkeit und Glückwünschen legte ihm sein Chef die fristlose Entlassung vor. Als Grund führte er die Teilnahme an der eigenen Pensionsfeier während des Krankenstandes an.

Fassungslos wandte sich Herr M. an die Arbeitsrechtsexperten der Arbeiterkammer Salzburg. Wir intervenierten. „Erstens gab es ein ärztliches Gutachten, das den Besuch an der Feier erlaubte und zweitens war die Entlassung reines Kalkül, um der anfallenden Abfertigung zu entgehen“, so Heimo Typplt, Leiter der AK-Rechtsabteilung. Nachdem sich der Dienstgeber weigerte, die Entlassung zurückzunehmen, klagte die Arbeiterkammer. Mit Erfolg: Herrn M. wurden 24.000 Euro netto zugesprochen.

Dieser Umgang mit älteren Arbeitnehmern stößt AK-Präsident Eder sauer auf: „Die Wirtschaft lobt die Bedeutung älterer Arbeitnehmer. Aber in nicht wenigen Betrieben zeigt sich ein anderes Bild. Um ältere Arbeitnehmer kündigen zu können werden oft Gründe an den Haaren herbeigezogen oder in falschem Licht dargestellt. Ganz zu schweigen von der Kränkung für die loyalen Dienstnehmer, die teils Jahrzehnte für das Unternehmen arbeiteten.“

Arbeitszeit: Dauerbrenner in der Beratung

Von 10.000 persönlichen Beratungen drehte sich 2017 ein Drittel um das Thema Arbeitszeit. Es geht um nicht bezahlte Überstunden, Arbeitszeitaufzeichnung, Urlaubsansprüche etc.

Und: Seitdem die Regierung den Gesetzesentwurf zum neuen Arbeitszeitmodell präsentiert hat, laufen in der AK-Rechtsberatung die Telefone heiß. „Viele besorgte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer rufen an und fragen nach, ob sie in Zukunft jeden Tag 12 Stunden arbeiten müssen“, berichtet Heimo Typplt.

Einige Unternehmer nutzen jetzt schon die Ankündigung der Regierung zu ihren Gunsten. Und das, noch bevor das neue Gesetz überhaupt in Kraft ist. So berichteten einige Anrufer, dass sie vom Chef neue Dienstverträge mit Überstundenverpflichtungen vorgelegt bekamen. Würden sie diese nicht unterschreiben, könnten sie sich eine neue Arbeitsstelle suchen. „Es geht diesen Chefs darum, die 12 Arbeitsstunden in ihrem Betrieb dann leichter umzusetzen. Das bestätigt leider unsere jahrzehntelange Erfahrung aus der AK Rechtsberatung: Die Unternehmer diktieren die Regeln“, kritisiert Typplt

Mythos Freiwilligkeit: Die Arbeitnehmer sitzen am kürzeren Ast

„Gerade beim Thema Arbeitszeit zeigt sich, dass die Freiwilligkeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Märchen ist. Viele sitzen gegenüber ihrem Chef am kürzeren Ast und benötigen bei der Durchsetzung ihrer Rechte unsere Hilfe“, so AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder. „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf ihren Arbeitsplatz angewiesen. Deswegen lehnen wir Arbeitszeitregelungen ab, die dieses Ungleichgewicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer noch weiter verstärken. Denn viele werden sich nicht – wie uns die Regierung weismachen will – trauen, einen 12-Stunden-Dienst auf Anordnung des Chefs abzulehnen. Es reicht auch nicht aus, den Begriff „Freiwilligkeit“ ins Gesetz zu schreiben.“

Eine überwältigende Mehrheit der AK-Mitglieder lehnt einen generellen 12-Stunden-Tag ab: 89 Prozent der Befragten haben sich im Rahmen der Initiative „Wie soll Arbeit?“ dezidiert dagegen ausgesprochen. Peter Eder: „Aus viele Gesprächen in den Betrieben weiß ich, was die meisten Beschäftigten davon halten. Wir werden alles dagegen unternehmen, damit die Menschen nicht wie Zitronen ausgepresst werden. Deswegen sagen AK und ÖGB NEIN zum 12-Stunden-Tag.“

Auf der eigenen Pensionsfeier gekündigt

Nach Jahrzehnten am Bau sehnte Herr. M seinen wohlverdienten Ruhestand herbei. Im September wäre es dann so weit gewesen ...

Das leistet die AK Salzburg

Wir stehen unseren 263.000 Mitgliedern kompetent und zuverlässig zur Seite. Hier finden Sie die Daten und Zahlen 2017 zu den Leistungen und Erfolgen.

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