7.11.2014
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Solidarität mit südlichstem Bezirk - 8.000 Unterschriften für Kaserne

Nein zum Wohnklau, den die Landesregierung mit dem neuen Fördermodell, das vor allem das Budget saniert, betreibt. Ja zu einer vollwertigen Steuerreform, die jetzt endlich vor allem die Arbeitnehmer und nicht die Wirtschaft entlastet. Für Investitionen und volle Solidarität mit dem Lungau. Das waren die Kernpunkte von AK-Präsident Pichlers Rede zur Situation der Arbeitnehmer in Salzburg und dem Bezirk Lungau auf der Vollversammlung der Arbeiterkammer in Ramingstein. Pichler präsentierte 8.000 Unterschriften für den Erhalt der Strucker-Kaserne. Und er kritisierte die wundersamen Rechnungen der Landesregierung. Jörg Flecker von der Universität Wien sprach über die Entwicklung der Arbeitsbedingungen im Land.

Kein gutes Haar ließ AK-Präsident Siegfried Pichler in seiner Rede zur Lage der Arbeitnehmer im Bundesland vor dem Arbeitnehmerparlament am Umgang der Bundes- und Landespolitik mit Salzburgs kleinstem politischen Bezirk. Viele der 20.000 Lungauer müssen auspendeln. Es gibt nur wenige gut bezahlte Arbeitsplätze. Erschwert wird die Situation durch Kahlschlag bei Post, Polizei und Bezirksgericht. „Und jetzt auch noch beim Krankenhaus Tamsweg und der Strucker-Kaserne. Allein die Kaserne bringt nur ein paar Hunderttausend Euro. Dafür verlieren 70 Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz im Lungau. Mit der Versorgung betraute Unternehmen müssen einen erheblichen Einbruch befürchten. Das Areal kann nicht einmal für den Wohnbau genutzt werden“, kritisierte Pichler.

Salzburg hat bei den Heeresreformen schon einen Riesenbeitrag durch Schließungen der Struber-, Rainer- und Schwarzenberg-Kasernen geleistet. „Deshalb haben wir eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Kaserne gestartet. Es wurden über 8.000 Unterschriften zusammengetragen. Praktisch der halbe Lungau hat Unterschrieben! Der gesamte Bezirk steht hinter der Kaserne. Das zeigt wie wichtig sie für die Region ist. Und genau das wollen wir mit den Unterschriften dem Verteidigungs- und dem Finanzminister klar machen“, so der AK-Präsident.

Wundersame Rechnung der Landesregierung

Absolut nicht nachvollziehbar sind für Pichler auch die jüngsten Berechnungen der Landesregierung: „Mit weniger Spitalsbetten soll es eine bessere Versorgung im Lungau geben. Mit weniger Wohnbauförderung sollen gleich viele Wohnungen gebaut werden können. Mehr für weniger Geld – das scheint das neue Motto der Landesregierung zu sein. Das ist natürlich Unsinn: Irgendwann werden Kündigungen im Spital Tamsweg kommen. Es wird nicht mehr Wohnraum im Land geben als vorher“, ist Siegfried Pichler überzeugt. „Die Region braucht eine ordentliche Gesundheitsvorsorge für Bevölkerung und Tourismus.

In Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit investieren und entlasten

In Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit muss investiert, nicht gespart werden! Das war in der Krise 2008 möglich, jetzt passiert gar nichts. Dabei haben nicht die Österreicherinnen und Österreicher über ihre Verhältnisse gelebt. 1.600 Milliarden wurden für die Bankensicherung ausgegeben. „Es ist eine unglaubliche Perversion, dass im Finanzbereich fast gar nichts passiert ist und im Gegensatz jetzt suggeriert wird, bei den Arbeitnehmern müsse gespart werden, weil sie und die Bevölkerung insgesamt über ihre Verhältnisse gelebt haben“, sagte Siegfried Pichler. Im Gegenteil: Der AK-Präsident bekräftigte vor der Arbeiterkammer-Vollversammlung noch einmal die Forderung nach einer steuerlichen Entlastung der Arbeitnehmer. Sie zahlen weit mehr als 50 Prozent ihres Einkommens für die Gemeinschaft und das soziale Zusammenleben, während Konzerne in Steueroasen auswandern und kreative Steuergestaltungsmöglichkeiten haben. „Und auch hierzulande beträgt die Körperschaftssteuer 25 Prozent - sie ist effektiv noch niedriger! „Auch Österreich ist für Vermögende ein Steuerparadies. Wir werden uns nicht abspeisen lassen. Es braucht Gerechtigkeit. Es braucht eine Steuerreform in Höhe von sechs Milliarden für die Arbeitnehmer. Nicht die Hälfte, nicht schärfere Bedingungen bei der Arbeitssuche. Die Wirtschaft hat in den letzten Jahren viele Vergünstigungen wie den Handwerker-Bonus bekommen. Jetzt sind die Arbeitnehmer dran!“, so Pichler.

Landesregierung beim Wohnbau ohne Handschlagqualität

Kritik äußerte Pichler auch an der Handschlagqualität der Landesregierung. Diese hat die Ergebnisse der Expertengruppe zum Wohnbaufonds, in der Experten aus allen Bereichen und politischen Kreisen dabei waren auf dem Altar der Budgetsanierung geopfert. Auf Kosten der Wohnbauförderung, die das Land jetzt in Zukunft natürlich billiger kommt. „Ein System, das internationale Bewunderung findet, wird ausverkauft. Man hat die Banken bedient, die jetzt ein Kreditvolumen in Höhe von 250 Millionen Euro bekommen, und das mit quasi dodelsicherer Rückzahlung. Die Zeche zahlen unserer Kinder“, sagte Siegfried Pichler und bedankte sich in diesem Sinne auch für das gemeinsame Auftreten aller Fraktionen der AK-Vollversammlung gegen das geplante neue Wohnbauförderungsgesetz.

Jörg Flecker sprach über "Gute Arbeit"

Über die modernen Arbeitsbedingungen und dass diese sich nicht immer so sehr vom Malochen in früheren Zeiten unterscheiden sprach der Wiener Universitätsprofessor Jörg Flecker als Gast der Arbeiterkammer-Vollversammlung. Statt durch den Takt eines Fließbandes werden Arbeitnehmer heute in großen Lagerhallen vom Computer durch endlose Gänge gelenkt, um ein einzelnes Versandstück zu finden. Umwege und die Zeit, die man braucht, werden erfasst. Es ist verboten zu sprechen. Paketdienstleister geben ein streng vom Computer organisiertes Lieferregime vor. Die Arbeit machen Subunternehmer, teils sogar informelle Arbeitnehmer zu mitunter horrenden Arbeitskonditionen. Da wundert es nicht, dass entgegen den Erwartungen die körperlichen Belastungen bei der Arbeit in manchen Bereichen nicht zurückgegangen sind, sondern sogar steigen.

Gleichzeitig erfordert die Wissensgesellschaft immer mehr Kontakt und gemeinsame Arbeit mit Kunden und Abnehmern. Zeitdruck nimmt zu, man muss ständig konzentriert sein, die Verantwortung steigt, aber auch ständige Kontrolle durch den Arbeitgeber. Das führt wiederum zu mehr psychischen Erkrankungen, die mittlerweile die häufigste Ursache für Invaliditätspensionen sind.

Arbeit oft zu stark oder zu wenig strukturiert

Viele Bereiche, die früher als „Gute Arbeit“ galten, leiden mittlerweile unter neuen Problemen wie widersprüchlichen Anforderungen, engen Terminvorgaben und so genanntem „Optionsstress“. Die moderne Arbeitswelt sei in eine zu stark strukturierte und standardisierte Arbeit mit zu wenigen Entfaltungsmöglichkeiten und in eine unstrukturierte Arbeit mit unzähligen ungelösten Problemen und kaum vorgegebenen Pfaden geteilt. „Die Arbeit wird intensiviert und entgrenzt. Personal wird abgebaut, der Druck auf Einzelne steigt. In der Krise war es durch weniger Arbeitsdruck kurz besser, aber jetzt geht es weiter wie zuvor. Und dazu kommen noch Tendenzen der Arbeitszeit-Verlängerung oder -intensivierung bei Teilzeitarbeit“, so Flecker vor der KVV. Schon jetzt wird in Österreich überdurchschnittlich lang gearbeitet. Nach vierzig Jahren Vierzigstundenwoche wäre es an der Zeit, über eine Verkürzung nachzudenken.

Die Menschen sollen pünktlich sein, die Arbeit wird unpünktlich

In Österreich haben nach neueren Umfragen nur 64 Prozent der Arbeitnehmer in der Regel genug Zeit, die Arbeit zu erledigen. Drei Viertel geben an, zumindest 25 Prozent ihrer Arbeitszeit unter hohem Druck zu stehen. „Über die Jahrhunderte wurden die Menschen erzogen, pünktlich zur Arbeit zu sein. Jetzt wird die Arbeit unpünktlich. Man weiß nie, wann man arbeiten muss“, sagte Flecker.

14 Prozent arbeiten im Urlaub, 36 Prozent außerhalb der normalen Arbeitszeit mit dem Handy oder Laptop. Dazu kommen 16 Prozent Arbeitsplätze mit minderwertigen Arbeitsbedingungen in Österreich. In Dänemark sind es nur 7,4 Prozent. Laut Flecker werden vor allem die Unterschiede zwischen guter Arbeit und weniger guten Arbeitsplätzen immer größer. Dazu wachsen auch Branchen mit schlechter Arbeitsqualität wie Call-Center und Bewachungsdienste unerwartet stark.  Das nage an der Selbstachtung und letztlich an der Gesundheit einer immer größeren, verwundbaren, Gruppe. Österreich steht laut Flecker auch in vielen Bereichen relativ gut da. Aber es gebe noch eine Menge politische Aufträge bei den Arbeitsbedingungen.

AK-Präsident Siegfried Pichler zu diesem Punkt: „Der Mensch verbringt etwa zwölf Prozent seiner Lebenszeit mit Erwerbsarbeit. Trotzdem ist sie so belastend. Die Ansatzpunkte müssen beim Arbeitstempo, der Arbeitsdichte und der individuellen Arbeitszufriedenheit liegen.

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