13.11.2019

Digitalisierung: Bildungsoffensive für gerechte Gesellschaft notwendig

Heute tagt das Salzburger Arbeitnehmerparlament. Im Fokus steht die Frage, wie der digitale Wandel allen Beschäftigten zu Gute kommen kann und wie Digitalisierungs-Verlierer vermieden werden können. AK-Präsident Peter Eder: „Wir dürfen die Digitalisierung nicht dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen, sonst werden bestehende Schieflagen in der Gesellschaft weiter verstärkt. Wir müssen das Gegenteil anstreben: Den digitalen Wandel nutzen, um die Welt ein Stück gerechter zu machen. Das Zauberwort dafür heißt Bildung. Deshalb braucht es eine Bildungsoffensive, die einen Ausbau möglichst kostenfreier Aus- und Weiterbildungsangebote vorsieht.“

Heute, am 13. November 2019, tagt das Parlament der Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Parkhotel Brunauer. Insgesamt 56 Anträge der 5 Fraktionen für eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten stehen zur Diskussion und Abstimmung. Neben den Dauerbrennern  erschwingliches Wohnen und leistbare, ausreichende sowie qualitativ hochwertige Pflegeangebote, nimmt das Thema Digitalisierung breiten Raum ein. Kernpunkt dabei: Wie können bei den Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten Chancen bestmöglich genutzt und Risiken minimiert werden. Am Ende sollen alle von diesem Strukturwandel profitieren und nicht nur wenige.

 

Digitalisierung braucht Bildungsoffensive

Chancen und Risiken der Digitalisierung: Das macht die Arbeiterkammer nicht nur in ihrer aktuellen Ausstellung „Smart Home – Sweet Home?“ gemeinsam mit Ars Electronica Solutions zum Thema. Auch zahlreiche Anträge im Arbeitnehmerparlament beschäftigen sich damit, wie der digitale Wandel seinen gerechten Niederschlag in der Gesellschaft finden kann. „Es gilt aktiv die neuen Möglichkeiten zum Wohle der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und somit der gesamten Gesellschaft mitzugestalten“, sagt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder. Der Schlüssel dazu ist Bildung. Damit die Beschäftigten diese Chance nützen können, muss nach Ansicht der AK der Zugang zu möglichst kostenfreien Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten ausgebaut werden. 

Dazu gehören: Instrumente wie Bildungskarenz, Fachkräftestipendium und Bildungsscheck müssen zu einem echten Qualifizierungsgeld in ausreichender Höhe mit Rechtsanspruch werden. Auch eine Erhöhung - und damit Anpassung an die realen Lebenshaltungskosten - der Studienbeihilfe ist gefragt. Außerdem muss das Nachholen von formalen Bildungsabschlüssen wie Pflichtschule, Lehre und Berufsreife kostenfrei werden. Zusätzlich bedarf es eines Rechtsanspruchs auf Weiterbildung generell sowie auch auf eine Arbeitswoche Bildungsurlaub pro Jahr.

Keine Digitalisierungsverlierer - schon in der Schule ansetzen

Konsumentinnen und Konsumenten bezahlen immer öfter für die Nutzung von Online-Angeboten mit ihren Daten. „Welcher Reibach mit dem Sammeln, Verknüpfen und Nutzen personenbezogener Daten gemacht wird, zeigt sich darin, dass die 5 teuersten Unternehmen der Welt alle auf digitale Geschäftsmodelle setzen“, gibt AK-Präsident Eder zu bedenken. Die damit verbundenen Risiken richtig einschätzen zu können, hat viel mit Bildung und Zugang zu moderner Technik zu tun. Um die Zahl jener, die kaum Zugang und wenig Wissen zu und über die digitalen Möglichkeiten haben, zu verringern, bedarf es auch internationaler Anstrengungen. „Ich erwarte mir, dass sich die künftige Bundesregierung – welche Parteien auch immer darin vertreten sein werden – auf EU-Ebene für eine Digitalisierungskampagne stark macht“, so der AK-Präsident, „es muss in Zukunft sichergestellt sein, dass die Menschen  in allen Lebensphasen nicht nur Zugang zu digitalen Ressourcen haben, sondern auch ein Recht auf die Vermittlung digitaler Fertigkeiten und umfassende Allgemeinbildung erhalten.

Apropos Chancengerechtigkeit allgemein und hinsichtlich Digitalisierung speziell: Nach Ansicht der AK muss hier schon in der Schule angesetzt werden. Der von der AK schon seit langem geforderte Chancen-Index in der Schulfinanzierung muss auch die Ausstattung der Schulen mit neuen digitalen Geräten und Medien sowie die Qualifizierung der Lehrkräfte beinhalten.

Pflege zukunftsfit und attraktiv machen

Im Rahmen der „Plattform Pflege“ des Landes wurden zahlreiche Maßnahmen erarbeitet und auch schon präsentiert. Aus Sicht der Arbeiterkammer sind diese Ergebnisse aber zu wenig weitreichend, um Salzburg ein zukunftsfittes Pflegekonzept zu verpassen. Laut WIFO wird der Bedarf an Pflegekräften in 11 Jahren fast doppelt so hoch wie heute sein. Was die Landespolitik tun kann und muss:

Mehr Angebot

Die AK fordert einen massiven Ausbau flächendeckender, qualitätsvoller und vor allem leistbarer mobiler Pflegeangebote mit ausgeweiteten Stundenkontingenten. Das würde jede Menge zusätzliche Arbeitsplätze und damit Steuereinnahmen für den Staat bringen: Eine Berechnung der AK zeigt, dass eine Erhöhung des Versorgungsgrades bei der mobilen Pflege von derzeit 22 Prozent auf 40 Prozent bis zum Jahr 2025 rund 1.400 zusätzliche Jobs bedeutet. Kombiniert mit einer Erhöhung des Betreuungsausmaßes um 50 Prozent ergibt sich ein Beschäftigungsvolumen von 2.700 neuen Arbeitsplätzen, davon 1.500 in der Pflege.

Mehr Entlastung für pflegende Angehörige

Dazu muss die Angebotspalette mobiler Dienste ausgebaut werden, etwa durch Angebote an Wochenenden und Feiertagen. Auch eine Informationsoffensive über Versicherungsmöglichkeiten pflegender Angehöriger sowie Beratungs-Anlaufstellen auf Gemeindeebene könnten bei vielen Betroffenen zu einer Entschärfung von Problemen beitragen.

Pflegeberuf attraktiver machen

Bereits zu Beginn einer Berufslaufbahn im Pflegebereich kann dabei angesetzt werden: „Ein ordentliches Praktikumsentgelt wäre nur gerecht“, sagt AK-Präsident Eder, „immerhin müssen angehende Pflegekräfte im Rahmen ihrer Ausbildung hunderte bis tausende Praxisstunden absolvieren.“

Wohnen darf nicht länger arm machen

Bereits mehrmals hat die Arbeiterkammer darauf hingewiesen, dass die ausufernden Mietkosten auf zahlreiche Versäumnisse der Landespolitik zurückzuführen sind. Unter anderem darauf, dass die laut Wohnbauförderungsprogramm angestrebte jährliche Zahl an neuen geförderten Mietwohnungen bereits zum zweiten Mal in Folge nicht erreicht wird.

Zwar nicht 1.000, aber zumindest 900 zugesicherte neue Mietwohnungen jährlich. Das hat sich die Salzburger Landesregierung laut Wohnbauförderungsprogramm zum Ziel gesetzt. Eder: „Ambitionierte Zielsetzungen hören sich gut an, helfen den Salzburgerinnen und Salzburgern aber nichts, wenn sie meilenweit verfehlt werden. Bereits im Jahr 2018 wurden statt 900 lediglich 718 Wohnungen fertig gestellt. Für heuer scheint selbst diese Marke außer Reichweite, denn derzeit wird mit 373 neuen geförderten Mietwohnungen gerechnet, wie die zuständige Landesrätin in einer Anfragebeantwortung zugibt. Auch wenn sich die Zahl bis Jahresende auf 650 erhöhen sollte, ist man um Lichtjahre von den Zielsetzungen entfernt.“

Ein Vorschlag der AK, um Wohnen günstiger zu machen: Den durchschnittlichen Fördersatz für Mietwohnungen von derzeit rund 800 Euro auf 1.200 Euro pro Quadratmeter anzuheben. 


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