23.10.2017
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Pichler: "Pensionsautomatik heißt Hackeln bis ins hohe Alter"

Immer wieder wird unser Pensionssystem als unleistbar und als nicht nachhaltig kritisiert – wie in einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens „Mercer“. „Völlig zu Unrecht“, kritisiert AK-Präsident Siegfried Pichler, „unser Pensionssystem ist nachhaltig, das haben die Reformen der letzten Jahre gezeigt.“ Pichler erinnert auch daran, dass die Beschäftigten jene sind, die sich ihre Pensionen quasi selbst bezahlen – im Gegensatz zu anderen Gruppen. Eine Pensionsautomatik lehnt die AK ab, denn das bedeutet Arbeiten bis ins hohe Alter. 

Schon wieder steht unser Pensionssystem zur Diskussion. Diesmal aufgrund der Studie „Melbourne Mercer Global Pension Index 2017“ (MMGPI). Im Rahmen der Studie wurde die Altersversorgung verschiedener Länder auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit untersucht. Dabei wird kritisiert, dass es in Österreich keine so genannte Pensionsautomatik – also ein mit der Lebenserwartung steigendes Pensionsantrittsalter – gibt. 

Das in der Studie bemängelte Fehlen einer solchen Pensionsautomatik kann AK-Präsident Siegfried Pichler nicht nachvollziehen: „Ein Pensionsautomatismus würde bedeuten, dass die Menschen dann bis weit über 70 arbeiten müssten. Außerdem würden sich dann noch mehr Arbeitnehmer um die noch immer zu wenigen Arbeitsplätze anstellen – speziell bei der Gruppe der über 60-Jährigen, wo die Arbeitslosigkeit bereits jetzt – bei guter Wirtschaftslage – ständig ansteigt.“

Keine Pensionsautomatik - Hackeln bis weit über 70, nein danke!

Die Lebenserwartung der Österreicherinnen und Österreicher steigt pro Dekade um etwa zwei bis drei Jahre. Unter der Annahme einer seit 1970 bestehenden Automatik ergäbe das für einen männlichen Arbeitnehmer, der jetzt den Arbeitsmarkt betritt, ein Pensionsantrittsalter von weit über 70 Jahren! 

Pichler: „Das ist absolut inakzeptabel, da reden wir von Erwerbsbiographien von fast 60 Jahren, das ist menschenverachtend! Der Mensch soll arbeiten, um zu leben – und nicht umgekehrt!“

Pensionsystem ist nachhaltig – Reformen haben gewirkt

Zum Thema Nachhaltigkeit: „Die Reformen der vergangenen Jahre haben gewirkt, weitere Maßnahmen sind also unnötig und unsozial“, erklärt Pichler. Das faktische Pensionsantrittsalter ist mittlerweile auf 60,2 Jahre gestiegen. Damit wurde das im Regierungsprogramm gesetzte Ziel für 2018 (60,1) bereits übererfüllt. Die Anzahl der Invaliditätspensionen geht zurück. Die sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), die derzeit als Zuschüsse aus dem Steuertopf in die Alterssicherung gehen, werden sich nicht erhöhen - die Pensionen sind also stabil.

Beschäftigte finanzieren sich selbst

Pichler verweist darauf, dass sich die Beschäftigten – durch die Pensionsbeiträge – ohnedies 90 Prozent ihrer Pension selbst finanzieren. Die übrigen zehn Prozent, die der Staat zuschießt, kommen aus dem Steuertopf. „So gesehen, zahlen sich die Arbeitnehmer ihre spätere Pension zu 100 Prozent selbst“, gibt der AK-Präsident zu bedenken. Übrigens, bei Unternehmern und Bauern beträgt die eigene Pensions-Deckungsrate gerade einmal 50, bzw. 21 Prozent.

Pichler: „Wer Reformen und Kürzungen das Wort redet, soll sich dann aber auch hinstellen und den Menschen erklären, wie sie künftig finanziell über die Runden kommen sollen – beträgt die durchschnittliche ASVG-Pension derzeit doch nur rund 1.200 Euro und bei Frauen deutlich weniger.“

Sozialer Frieden steht auf dem Spiel

„Es gibt keine Alternative zum staatlichen Umlageverfahren“, bekräftigt Pichler, „wer am Pensionssystem herumschraubt und kürzt, der gefährdet nicht nur den sozialen Frieden, sondern setzt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt aufs Spiel – das ist unverantwortlich!“

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