6.4.2018
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Die Chancen auf gute Gesundheit sind auch in Salzburg sehr ungleich verteilt

Anlässlich des Weltgesundheitstages am Samstag zeigt die Arbeiterkammer Salzburg, wie ungleich Gesundheit verteilt ist: Wer weniger Geld, Bildung und einen geringeren sozialen Status hat, ist nicht nur weniger gesund. Man lebt auch kürzer und ist generell unzufriedener. Davon sind auch Kinder betroffen. Denn die Familienverhältnisse und auch die Gesundheitskompetenz der Eltern spielen eine zentrale Rolle. „Es geht um soziale Gerechtigkeit. Wir brauchen eine fairere Einkommens- und Vermögensverteilung. Außerdem muss bereits im Kindesalter mit Gesundheitsprävention angesetzt werden. Und: Eltern sollen leichter Zugang zu Gesundheitswissen erhalten können.“, sagt AK-Präsident Peter Eder.

Am 7. April ist Weltgesundheitstag. "Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, sagte schon Philosoph Arthur Schopenhauer. Die Arbeiterkammer Salzburg nimmt das Datum zum Anlass, darauf hinzuweisen wie eng Gesundheit und faire Chancen miteinander verbunden sind – besonders bei Kindern.

Denn: Gesundheit ist abseits von biologischen Effekten vor allem vom sozialen und ökonomischen Status abhängig. Mehr als zwei Drittel der gesundheitlichen Unterschiede gehen auf das Konto von sozialer Ungleichheit. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Menschen mit einem geringen sozialen Status auch weniger gesund sind und eine kürzere Lebenserwartung haben. Im Gegenzug sind besser Gestellte gesünder und leben länger. Das beeinflusst natürlich auch direkt die Lebenszufriedenheit“, sagt Michaela Fischer, die Gesundheitsreferentin der Arbeiterkammer Salzburg. Ein paar Fakten zur Kindergesundheit:

  • Burschen sind gesünder als Mädchen. 45 Prozent gegenüber 34 Prozent verfügen über eine ausgezeichnete Gesundheit.
  • Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund berichten zu 35 Prozent über eine ausgezeichnete Gesundheit – ohne Migrationshintergrund sind es 41 Prozent.
  • Kinder und Jugendliche aus finanziell besser gestellten Familien haben zu 44 Prozent einen ausgezeichneten Gesundheitszustand und zu 39 Prozent eine hohe Lebenszufriedenheit. Ansonsten sind es 32 beziehungsweise 28 Prozent.

Gesundheitskompetenz der Eltern ist ein wichtiger Ansatzpunkt

„Ein ganz wesentlicher Punkt ist auch die Gesundheitskompetenz der Eltern“, so Michaela Fischer. Sie verstärkt die soziale Komponente von Gesundheit sogar noch. Denn Eltern aus Familien, die weniger Geld zur Verfügung haben, verfügen auch über weniger Informationen in Bezug auf Prävention und Bewältigung von Krankheiten sowie zur Gesundheitsförderung.

„Fast 13 Prozent der Menschen in Salzburg haben eine unzureichende und 31 Prozent eine problematische Gesundheitskompetenz. Das hängt eng mit dem erreichten Bildungsgrad und dem selbst eingeschätzten sozialen Status zusammen – je höher, desto besser auch die Gesundheitskompetenz. Mit ihr hängen auch krankheitsbedingte Einschränkungen und Langzeit-Leiden eng zusammen“, sagt Michaela Fischer.

In Salzburg macht sich fehlendes Wissen besonders bemerkbar

Ungewöhnlich hoch ist in Salzburg außerdem der Zusammenhang zwischen den verfügbaren – oder eben nicht vorhandenen – finanziellen Mitteln und der erworbenen Gesundheitskompetenz.

In etwa jedes 5. Kind in Westösterreich ist übergewichtig bis extrem adipös. Gesunde Ernährung und Bewegung im Rahmen des familiären und schulischen Umfelds wirken dem entgegen. Auch bei psychischen Erkrankungen sind mangelndes Bewusstsein der Eltern und finanzielle Notlagen wesentliche Gründe, warum 52,5 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen keine professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Dabei beginnen drei Viertel der psychischen Erkrankungen vor Erreichen des 18. Lebensjahres.

„Es braucht ein Gesamtkonzept für mehr soziale Gerechtigkeit!“

„Die Chancen auf ein gesundes, zufriedenes Leben sind sehr ungleich verteilt. Es geht um Gerechtigkeit. Darauf möchten wir am Weltgesundheitstag aufmerksam machen. Wir lassen die Menschen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind, nicht im Stich. Es braucht konkrete Taten, vor allem höhere Einkommen. Und: Wenn Vermögen so ungleich verteilt bleibt wie jetzt, dann schlägt sich das natürlich auch weiterhin so stark in der Gesundheit nieder. Es ist noch viel zu tun, damit alle in Salzburg gleiche, faire Chancen haben“, sagt AK-Präsident Peter Eder.

  • In Bezug auf die Kindergesundheit müssen präventive Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Gesundheitsförderung ausgebaut werden. Schon im Kindesalter, in Schulen und Kindergärten, kann angesetzt werden (zum Beispiel  Lehrpläne, in denen Gesundheit und Ernährung einen fixen Platz haben, ein gesundes Jausenangebot oder genügend frei zugängliche Bewegungs- und Rückzugsräume sowie Grünflächen in den Bildungseinrichtungen). Zudem braucht es gut ausgebaute.
  • Elternarbeit, damit Pädagogen, Eltern und Kinder in ein Gesamtkonzept der gesunden Kindergärten und Schulen einbezogen werden.
  • Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr würde dabei helfen, gesundheitliche Ungleichheit zu reduzieren.
  • Gleichzeitig muss in die Qualität der Bildungseinrichtungen investiert werden, zum Beispiel in kleinere Gruppen und bessere Betreuungsschlüssel im Kindergartenalter, um Bildungs- und Gesundheitsziele sowie Elternarbeit umsetzen zu können. Eltern müssen unabhängig von ihrer sozialen Lage Zugang zu Gesundheitsförderung und -prävention haben.

„Ein politisches Gesamtkonzept für mehr Gerechtigkeit insgesamt und mehr Gesundheit im Besonderen ist gefragt“, stellt Peter Eder klar. 

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