31.10.2017
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Sozialversicherungen: Salzburg erteilt Zentralisierung eine Absage

Die Struktur des österreichischen Gesundheitssystems ist seit längerem in Diskussion. Mit der bevorstehenden Regierungsumbildung dürfte Veränderungen konkreter werden. Doch in welche Richtung der Umbau geht, weiß noch niemand. Einmütig traten daher kürzlich die Salzburger Spitzenvertreter von AK, WKS, Ärztekammer und Gebietskrankenkasse gegen eine drohende Zentralisierung der Gesundheitsplanung auf.

„Wir müssen optimieren. Was wir aber nicht brauchen, ist eine Zentralisierung“, meinte Ärztekammerpräsident Karl Forstner. Denn Salzburg habe eine gut ausgebaute Gesundheitsversorgung, auch dank eines „Salzburger Klimas“, in dem Sozialpartner, Ärztekammer und SGKK immer sachgerechte Lösungen gefunden haben. Bei zentralisierter Planung sei eine kleingliedrige, auf die regionalen Bedürfnisse ausgerichtete Gesundheitsversorgung kaum beizubehalten, befürchtet Forstner.

Kleine Anbieter schauen durch die Finger

„Die Wirtschaft hat mit zentralistischen Lösungen noch nie viel gewonnen“, lehnte WKS-Präsident Konrad Steindl eine zentrale bundesweite Gesundheitsplanung ab. Das würde auch die Ausschreibungen von Gesundheitsleistungen betreffen, die von gewerblichen Betrieben angeboten werden. „Bei einer Zentralisierung der Beschaffung laufen die kleinen Betriebe Gefahr, durch die Finger zu schauen. Denn dann kommt es nicht nur zu nationalen, sondern zu EU-weiten Ausschreibungen. Kleine Gewerbebetriebe haben da keine Chance mehr“, ist Steindl überzeugt: „Viele Branchen, von den Orthopädieschuhmachern bis zu den Zahntechnikern, sind Partner der Gesundheitsversorgung bzw. der Krankenkassen im Bundesland Salzburg. Das sollen sie auch weiterhin sein. Gelder der Salzburger Versicherten sollen in Salzburg wieder investiert werden und nicht ins Ausland zu Großanbietern abwandern.“

Versorgung nach Wiener Großstadtkriterien?

Erkennen, was die Menschen vor Ort brauchen – das könne man mit einer zentralen Planung nicht leisten, ist Gebietskrankenkassenobmann Andreas Huss überzeugt: Aus der Entfernung werde auf der Basis von nackten Zahlen entschieden. Würde die Versorgung in Salzburg nach Großstadtkriterien geplant, wären die Salzburger die Verlierer, warnte Huss. Eine Bündelung der Aufgaben sei möglich, diese müsse jedoch nicht ausschließlich in Wien stattfinden.

„Wir haben ohnehin schon zu viele Gesetze, die auf Wiener Verhältnisse abgestimmt sind“, stellte LHStv. Christian Stöckl dazu fest. „Zentralisierte Einheitslösungen“ seien bei einer Gesundheitsreform nicht zielführend, die konkrete Ausgestaltung sollte in den Bundesländern erfolgen. Er könne aus Erfahrung nur vor einer Zentralisierung warnen.

Entscheidungen, die die medizinische Betreuung der Menschen im Bundesland betreffen, müssen auch dort gefällt werden, forderte AK-Präsident Siegfried Pichler.  „Die Leistungen aller Krankenversicherungen werden ohnehin harmonisiert. Das sorgt für mehr Gerechtigkeit und ist kein Grund, ein bürokratisches Monstrum in Wien zu schaffen!“ 

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