2.5.2017
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Fast jeder zweite Beschäftigte leidet unter Stress und Zeitdruck

Alarmierend: Bereits 40 Prozent der Beschäftigten sind durch psychische Belastungen wie Zeitdruck überbelastet. Das zeigen Studien der Statistik Austria und der Bundesarbeitskammer. Als Gegenmaßnahme ist seit 2013 die Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz gesetzlich vorgeschrieben. Doch die Umsetzung geht nur langsam voran. „Deshalb haben die Sozialpartner 2016 die Aktion „Einfach evaluieren“ ins Leben gerufen“, sagt AK-Arbeitspsychologin Karin Hagenauer, „wir laden hiermit erneut die Unternehmen ein, unsere Hilfe bei der Umsetzung in Anspruch zu nehmen. Schließlich geht es um die Gesundheit aller Beschäftigten – und davon profitieren auch die Arbeitgeber.“   

Am 28. April 2017 war der Internationale Tag des ArbeitnehmerInnenschutzes. Rund um dieses Datum bemüht sich die Arbeiterkammer jedes Jahr verstärkt daran zu erinnern, dass Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten stets Priorität haben müssen. Wie wichtig das ist, zeigen alarmierende Zahlen: Laut Statistik Austria sind 40 Prozent der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den psychischen Belastungsfaktoren Zeitdruck und Überbeanspruchung ausgesetzt. Das bekräftigt auch eine aktuelle Studie der Bundesarbeitskammer. Nach dieser fühlen sich knappe 40 Prozent der Befragten zumindest manchmal durch ihre Arbeit ausgebrannt. 40 Prozent der Befragten können sich gar nicht oder nur teilweise vorstellen unter aktuellen Arbeitsbedingungen bis zur Pension zu arbeiten.

Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen 

Ein Merkmal der heutigen Arbeitswelt ist, dass die Beschäftigten durch die modernen Kommunikations- und Informationstechnologien wie Smartphone, Tablet oder Laptop zunehmend orts- und zeitunabhängig arbeiten. Der Vorteil: Handlungsspielraum und Selbstbestimmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich vergrößert. Viel gewichtiger aber die Nachteile: Die ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit führt dazu, dass die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit zusehends verschwinden. Laut Studie der Bundesarbeiterkammer ruft bereits jeder zweite der Befragten berufliche E-Mails bereits morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause und abends daheim ab. Am Wochenende und im Urlaub sind es sogar zwei Drittel, die manchmal oder öfter berufliche E-Mails bearbeiten. Auch im Krankenstand sind die Menschen immer öfter online: 75 Prozent rufen trotz Krankenstand ihre beruflichen Mails ab. 

„Hoher Arbeitsdruck, Angst vor Kündigung und hohes Verantwortungsgefühl führen dazu, dass immer mehr Menschen in ihrer Freizeit und auch trotz Krankheit arbeiten. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern ein Phänomen der Arbeitswelt von heute. In dieser muss der Mensch nicht nur seine Arbeitskraft verkaufen, sondern sich selbst wie ein Produkt verwalten, ständig optimieren und präsentieren. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen zunehmend ihre ganze Persönlichkeit in den Arbeitsprozess einbringen. Das hat den Effekt, dass vielen Beschäftigten die Grenzziehung zwischen Person und Arbeitskraft, somit eine Rollendistanz immer schwerer fällt – psychische Belastungen durch Arbeit nehmen immer mehr zu“, fasst Karin Hagenauer, Arbeitspsychologin in der Arbeiterkammer Salzburg, zusammen.

Gesundheit und Familie leiden

Für den Körper bedeuten oben genannte Entwicklungen, niemals in einen Zustand der Entspannung zu kommen. Kein Wunder, dass es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Österreich immer schwerer fällt, nach der Arbeit abzuschalten.

Doch nicht nur die Gesundheit leidet, auch das Familienleben ist von den Auswirkungen psychischer Überbeanspruchung betroffen. Knapp 40 Prozent der befragten Vollberufstätigen stimmten der Aussage „Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, bin ich zu erschöpft, um an Familienaktivitäten teilzunehmen“ eher, weitgehend oder voll und ganz zu. Beinahe jeder zweite der Befragten hat nach der Arbeit (eher) keine Energie mehr, um Hausarbeiten zu erledigen und jeder Dritte kann sich durch die Belastungen bei der Arbeit in der Freizeit seinen Lieblingsbeschäftigungen eher bis gar nicht mehr widmen.

Evaluierung läuft nur schleppend

„Diese Daten zeigen, wie groß der Handlungsbedarf ist und wie wichtig es ist, sich im Betrieb mit psychischen Risikofaktoren und Belastungen zu beschäftigen. Diesen Zweck soll die Evaluierung der psychischen Belastungen erfüllen, bei der es um die Prävention gesundheitsgefährdender Arbeitsbedingungen geht. Das ist bereits seit 1.1. 2013 gesetzlich vorgeschrieben“, erklärt Hagenauer. 

Bedauerlicherweise zeigt die Studie der AK aber auch, dass die Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastungen bei Betrieben bis 10 Mitarbeitern nur von etwa einem Viertel der Unternehmen bis dato umgesetzt wird. Bei Betrieben bis 250 Beschäftigte ist es gerade einmal die Hälfte. 

AK-Expertin Hagenauer ortet zwei Hauptgründe, warum die Umsetzung auch nach über vier Jahren immer noch sehr schleppend verläuft: „Viele Unternehmen sind mit der Abwicklung der Evaluierung einfach überfordert und scheitern teilweise bereits daran, die richtigen Fragestellungen auszuarbeiten. Und in manchen Unternehmen ist psychische Gesundheit sowohl in der Führungsetage, aber auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach wie vor kein Thema. Deshalb war es an der Zeit, hier Unterstützung anzubieten.“

Sozialpartner helfen „Einfach Evaluieren“

Im Juni 2016 startete das von Arbeiterkammer Salzburg und Wirtschaftskammer Salzburg geförderte „Einfach-Evaluieren“-Programm, das vom Arbeitsmedizinischen Dienst (AMD) Salzburg begleitet wird. Jetzt zeigt es Wirkung und hilft immer mehr Salzburger Betrieben bei der Umsetzung der Evaluierung. Ziel ist es, Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten so zu gestalten, dass der Schutz der psychischen Gesundheit gewährleistet ist. „Wir laden all jene Unternehmen, die sich bis dato noch nicht an diese Thematik herangewagt haben oder bis jetzt nicht wollten, ein, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen“, so Hagenauer. Das Projekt läuft noch bis Mitte des Jahres 2017.

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