4.7.2018
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Hotel-Mitarbeiter sollte eigenes "Kopfgeld" zahlen

Im Jahr 2017 klagte die Arbeitsrechtsabteilung der Arbeiterkammer Salzburg 662 Mal für ihre Mitglieder vor Gericht und erkämpfte dabei 1,9 Millionen Euro. Jeder vierte Betroffene kam aus der Gastronomie. Hier zwei Fälle: 2.690 Euro Abfindungssumme forderte ein Hotel-Chef von seinem Mitarbeiter, als er wegen schlechter Arbeitsbedingungen kündigen wollte. Ein Koch leistete mehr als 200 Überstunden. Als „Dankeschön“ bot ihm der Restaurantleiter 100 Euro als Entschädigung an. „Diese Fälle stehen exemplarisch dafür, wie unfair manche Beschäftigten im Job behandelt werden“, betont AK-Präsident Peter Eder. „Als Arbeiterkammer stehen wir für die Menschen ein. Wir setzen ihre Ansprüche und Rechte im Job durch, wenn nötig auch vor Gericht.“

Im Jahr 2017 zog die Arbeitsrechtsberatung der Arbeiterkammer Salzburg 662 Mal für ihre Mitglieder vor Gericht. Mit großem Erfolg: Über 1,9 Millionen Euro wurden für die Menschen erstritten. Jeder 4. Betroffene war in der Gastronomie tätig – so auch der Salzburger Robert K. (Name geändert).

Über eine Zeitarbeitsfirma war er in einem renommierten Hotel in der Stadt Salzburg beschäftigt. Robert K. machte seine Sache dort so gut, dass der Betrieb ihn fix übernehmen wollte. Er willigte ein. Wenig später die Ernüchterung, er hatte sich den Job ganz anders vorgestellt. Robert K. kündigte. Dann die böse Überraschung. „Der Hotel-Chef wies den Arbeitnehmer auf eine Klausel im Arbeitsvertrag hin, wonach er nur kündigen könnte, wenn er eine Abfindungssumme in der Höhe von 2.690 Euro bezahle.“

Was Robert K. nicht wusste: Das Hotel zahlte der Zeitarbeitsfirma eine Art Kopfgeld. Mit dieser Ablösesumme, ähnlich wie beim Fußball, sicherten sie sich die Dienste des Salzburgers. Als er kündigen wollte, verlangte die Hotelleitung das Geld zurück. „Manche Firmenchefs lassen sich die Vermittlung eines neuen Mitarbeiters mittlerweile durchaus etwas kosten“, so Heimo Typplt, Leiter der AK-Rechtsabteilung. „Doch das Kopfgeld zurückverlangen ist nicht nur unmoralisch, sondern auch rechtlich unzulässig.“

Fassungslos wandte sich Herr K. an die Arbeiterkammer Salzburg. Die AK-Experten konnten ihn beruhigen: derartige Vertragsklauseln sind verboten. Sie sicherten ihm im Fall eines Streits Rechtsschutz zu. Mit AK-Unterstützung im Rücken reichte Robert K. die Kündigung ein. Aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen akzeptierte die Hotel-Führung den Willen des Mitarbeiters.

Koch leistete mehr als 200 Überstunden – AK erkämpft 4.500 Euro

Auch der Koch eines Salzburger Restaurants wandte sich an die AK-Rechtsberatung weil er nicht mehr weiter wusste: Regelmäßig musste er von 8 Uhr morgens bis spät in die Nacht in der Küche stehen. Sogar als er erkrankte, stattete ihm sein Chef einen Besuch ab und nötigte ihn zu arbeiten. Es sammelten sich im Laufe der Zeit 206 Überstunden an – umgerechnet sind das über fünf 40-Stunden-Wochen. Dafür bot ihm sein Chef „netterweise“ 100 Euro als Entschädigung an. Dieses Angebot brachte das Fass zum Überlaufen.

Daraufhin ließ er sich in der Arbeiterkammer Salzburg beraten. Die AK intervenierte. „Doch der Restaurant-Besitzer empfand es nicht für wichtig genug, seinen ehemaligen Mitarbeiter für die Überstunden ordentlich zu entschädigen“, so Heimo Typplt. So klagte die Arbeiterkammer. Das Gericht gab dem Koch Recht und sprach ihm eine Entschädigung von 4.500 Euro zu.

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