25.7.2017
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Pensionslücke zwischen Männern und Frauen wird immer größer

Frauen beziehen nicht nur ein geringeres Einkommen, sondern sie bekommen in der Folge auch weniger Pension als Männer, durchschnittlich sind es 43 Prozent. Um auf diese Tatsache aufmerksam zu machen, findet morgen Mittwoch, den 26. Juli der „Equal Pension Day“ statt. An diesem Tag haben Männer bereits so viel Pension erhalten, wie Frauen erst am Jahresende erreichen werden. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich der Tag erstmals nach vorne verschoben. Diese negative Entwicklung ist ein Handlungsauftrag für die Politik. „Mehr Gerechtigkeit und faire Chancen für Frauen fallen nicht vom Himmel. Es muss alles getan werden, dass dieser Tag nicht weiter in die falsche Richtung verschoben wird!“ fordert AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger.

Der „Equal Pension Day“ soll – ähnlich wie der „Equal Pay Day“ – auf die aktuelle Situation von Frauen in Bezug auf Gleichstellung in den Bereichen Einkommen sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufmerksam machen. In Salzburg wird dieser Tag bereits zum dritten Mal begangen – heuer leider schon am 26. Juli. „Nach der positiven Entwicklung in den ersten beiden Jahren, hat sich die Pensionslücke heuer erstmals vergrößert“, so Ines Grössenberger.

Frauen erhalten im Bundesland Salzburg um 43 Prozent oder 801 Euro weniger Pension im Monat als Männer: Die durchschnittliche Brutto-Alterspension von Frauen liegt bei 1.059 Euro, jene der Männer bei 1.860 Euro.

„Die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Pensionshöhe ergeben sich daraus, weil nach wie vor viele Frauen in Teilzeit arbeiten, ihr Berufsleben durch familiäre Verpflichtungen unterbrochen wird, aber vor allem auch weil weibliche Arbeitnehmerinnen weniger als ihre Kollegen verdienen“, sagt Grössenberger.

Mit Kinderbetreuungsplätzen gegen die Teilzeitfalle

Jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit bzw. befindet sich in einem prekären Arbeitsverhältnis. Denn nur so können unbezahlte Haus- und Pflegearbeiten mit der Erwerbsarbeit vereinbart werden. Vor allem fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen und -plätze bzw. stark eingeschränkte Öffnungszeiten stehen einer Ausweitung der Erwerbstätigkeit von Frauen im Weg – vor allem in den ländlichen Regionen.

„Daher fordert die Arbeiterkammer – schon seit langem – qualitativ hochwertige und kostengünstige Kinderbetreuungsplätze für alle Salzburger Kinder. Außerdem müssen die Öffnungszeiten auf die Arbeitswelt der Eltern abgestimmt sein“, so die AK-Frauenreferentin. 

Rechtsanspruch auf Familienzeitbonus

Ein Ausbau der Erwerbstätigkeit bei Frauen kann aber nur funktionieren, wenn Männer verstärkt in die Kinderbetreuung und Pflege eingebunden werden. Mit der Einführung des Familienzeitbonus, der den Vätern die Möglichkeit geben soll, sich in der ersten Zeit nach Geburt eines Kindes der Familie zu widmen, wurde ein wichtiger Schritt hin zu mehr Väterbeteiligung gesetzt.

„Allerdings fehlt es hier am nötigen Rechtsanspruch“, betont Ines Grössenberger. „Leider scheitert es oftmals an der Akzeptanz der Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, dass Väter sich vermehrt in die Haus-, Betreuungs- und Pflegarbeit einbringen wollen.“

Gute Kollektivverträge sichern Pensionen

Generell werden „typisch“ weibliche Tätigkeiten schlechter bewertet und damit auch schlechter entlohnt. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen um 25 Prozent weniger als Männer – was für die AK-Frauenreferentin einer der Hauptgründe für die Pensionslücke ist. Zudem befinden sich nur wenige Frauen in Führungspositionen.

„Daher gilt es, schon bei der Berufswahl darauf zu achten, Mädchen vermehrt für technische und damit höher bezahlte Berufe mit besseren Aufstiegs- und Einwirkungsmöglichkeiten zu begeistern“, betont Ines Grössenberger. „Denn schon beim Berufseinstieg besteht ein geschlechtsspezifischer Einkommensunterschied, der über die Berufslaufbahn hinweg nicht mehr einzuholen ist und sich durch längere Erwerbsunterbrechungen weiter vergrößert.“

Ein wichtiger Schritt für die Absicherung von Frauen in der Pension sind gute kollektivvertragliche Abschlüsse und die Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne, da diese vor allem Frauen zugutekommen. Denn es sind überwiegend weibliche Beschäftigte, die im Niedriglohnsektor arbeiten, was es schwierig macht, genug Pensionsbeiträge einzuzahlen, um später eine existenzsichernde Pension zu bekommen. 

AK: Beschäftigungsquote erhöhen!

Die Anhebung der weiblichen Beschäftigungsquote hätte den positiven Effekt, dass das Beitragsaufkommen in der Pensionsversicherung erhöht wird. Außerdem könnten die Sozialversicherungen mit mehr Beiträgen und der Staat mit mehr Steuern rechnen. Und: Wären mehr Frauen vollzeitbeschäftigt, dann würde die Nachfrage an Kinderbetreuung und Pflege steigen – was wiederum neue Arbeitsplätze schafft. 

Ines Grössenberger: „Auch wenn viele die Realität – nämlich die soziale und berufliche Benachteiligung von Frauen – noch immer nicht wahrhaben wollen und kleinzureden versuchen: Die Entwicklung des „Equal Pension Day“ zeigt deutlich auf, wo die Probleme von Frauen in dieser Gesellschaft liegen. Wir wollen Gerechtigkeit! Manche Unterschiede mögen auf einer freien Entscheidung beruhen. Es muss dort eingegriffen werden, wo Zwänge bestehen und Schieflagen ohne sachliche Rechtfertigung bestehen!“

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