27.9.2017
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Nicht jede Inkasso-Forderung oder deren Höhe ist auch berechtigt

Rechnungen von Inkassobüros sorgen oft für Angst und Unsicherheit bei den Menschen. AK-Konsumentenschützerin Claudia Bohl: „Wir empfehlen bei Erhalt einer Inkasso-Forderung nicht sofort in Schockstarre zu verfallen. Wer Zweifel an der Höhe des Geldbetrages oder generell an der Forderung selbst hat, soll in die AK-Konsumentenberatung kommen, wir helfen gerne weiter.“ Bizarres Beispiel: Unlängst erhielten Eltern eine Inkasso-Forderung aus Deutschland, die an ihren kürzlich verstorbenen Sohn gerichtet war. Die AK erreichte, dass die Forderung von über 3.300 Euro von den Eltern nicht beglichen werden muss, da keine Rechtsgrundlage in Österreich besteht.    

Fast täglich landen Fragen oder Beschwerden über Forderungen von Inkasso-Büros bei der Konsumentenberatung der Salzburger Arbeiterkammer. Dabei zeigt sich: Nicht selten sind entweder die Forderung selbst oder deren Höhe unberechtigt. Deshalb empfiehlt Claudia Bohl, AK-Referentin in der Allgemeinen Konsumentenberatung, bei Unklarheiten nicht die Flinte ins Korn zu werfen und den Betrag sofort zu begleichen. Einige Beispiele aus der täglichen Beratungspraxis für unberechtigte oder überzogene Inkassoforderungen:

Inkasso-Post an einen Toten

Eine besonders bizarre Geschichte mit tragischem Hintergrund flatterte vor kurzem AK-Konsumentenschützerin Claudia Bohl auf den Schreibtisch: Die Eltern eines – von der Schulmedizin bereits abgeschriebenen – todkranken jungen Mannes hatten mit ihrem Sohn eine Alternativklinik in Deutschland aufgesucht. Leider war die Hoffnung vergebens – die Behandlung zeigte keine Wirkung und der junge Mann verstarb. Die Rechnung der deutschen Klinik in Höhe von 23.000 Euro wurde von den Eltern umgehend beglichen. Umso böser und trauriger dann die Überraschung für die leidgeprüften Eltern, als der verstorbene Sohn die Rechnung eines deutschen Inkassobüros in Höhe von 3.341 Euro erhielt. Angeblich wäre dieser Restbetrag für die alternative Behandlung noch ausständig. Der verzweifelte Vater wandte sich schließlich an die AK. „Mit mehreren Schreiben und der Darlegung, dass die Eltern nicht für die Passiva ihres Sohnes haften, konnten wir erreichen, dass keine weiteren Zahlungsaufforderungen mehr gestellt wurden“, berichtet Bohl.

Nichts bestellt – Inkassoforderung unberechtigt

Auch Konsumentenschützer Peter Niedermayr kann ein Lied von Problemen rund um Inkasso-Angelegenheiten singen: Erst vor kurzem erhielt eine Konsumentin eine Rechnung in dreistelliger Höhe für Artikel, die sie nicht bezahlt hatte. Da die Konsumentin die zugesandten Produkte aber gar nicht bestellt hatte, suchte sie Rat bei der AK. „Aus rechtlicher Sicht ist man bei Zusendung von nicht bestellter Ware nicht zahlungspflichtig“, erklärt Niedermayr. Die Forderung wurde ausgebucht.

In einem anderen Fall bekam eine Salzburgerin Inkasso-Post in vierstelliger Höhe im Auftrag ihres – bereits seit 1 Jahr geschlossenen – Fitnessstudios. Im Vorfeld hatte sich die Betroffene zweimal geweigert, den angebotenen Studiowechsel in Anspruch zu nehmen und deshalb die Zahlungen eingestellt. Trotzdem pochte das Inkassobüro auf Einhaltung des Vertrags und damit auf Zahlung der Forderung. AK-Experte Niedermayr konnte für die Salzburgerin erreichen, dass der Inkassoakt eingestellt wurde und keine weiteren Forderungen mehr bestehen.

Irreführung – Finanzsanierung statt Kredit

Eine Falle, in die viele Konsumentinnen und Konsumenten tappen: Im Glauben einen Kredit zu unterschreiben, wird ihnen aber eine Finanzsanierung vermittelt. Natürlich mit saftigen Gebühren. So geschehen einem Salzburger, der im Internet auf der Suche nach einem günstigen Kredit war. Für das statt einer Kreditvereinbarung irrtümlich unterschriebene Finanzsanierungsprodukt sollte er mehrere hundert Euro Vermittlungsgebühr bezahlen.

Daniela Gabler, AK-Expertin für Finanzdienstleistungen, riet dem empörten Konsumenten, mittels AK-Musterbrief „Rücktritt FernFinGeschäft“ von diesem Geschäft zurückzutreten. Doch die Rücktrittsfrist war bereits verstrichen und die Bank beauftragte ein Inkasso-Unternehmen mit der Eintreibung der Gebühren. Doch die Konsumentenberaterin konnte dem Salzburger doch noch aus der Patsche helfen: „Wir haben mit Irreführung argumentiert und den Vertrag angefochten – zumal die Beauftragung des Inkassobüros gar nicht nötig gewesen wäre“, erklärt Gabler. Mit Erfolg: die Forderung von 583 Euro wurde ausgebucht.

AK steht mit Rat und Tat bereit

„Immer wieder tauchen bei der AK Fragen von Konsumentinnen und Konsumenten rund um Rechnungen von Inkasso-Büros auf“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler, „bei Problemen hilft die Arbeiterkammer Salzburg gerne weiter, kommen Sie zu uns. Unsere Expertinnen und Experten haben stets ein offenes Ohr für die Beschäftigten.“

      Facebook-Funktion aktivieren

      Drucken
      Zu Merkzettel hinzufügen
      TeilenZu Merkzettel hinzufügen

      Verwandte Links

      Zum Seitenanfang
      Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
      Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
      OK