12.5.2017
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Mehr Qualität, gute Arbeitsbedingungen und solidarische Finanzierung sichern

Der 12. Mai ist der Tag der Pflege. Die Fachkräfte leisten in diesem Bereich Gewaltiges. Dennoch gibt es im Pflegesystem großes Verbesserungspotenzial. Die AK fordert eine Anpassung des Pflegegeldes an die Teuerung. Zudem einheitliche Qualitätsvorgaben und Standards in der Pflege sowie Strukturen, die auch die Bedürfnisse der in diesem Bereich Beschäftigten stärker berücksichtigen. Nicht zuletzt gehört die Pflegefinanzierung reformiert: „Es braucht ein Pflegegeld, das Armut verhindert und eine Zukunftsoffensive, die das Berufsfeld aufwertet!“, fordert AK-Präsident Siegfried Pichler.

Heute, Freitag, ist der internationale Tag der Pflege. Und dieser Tag ist in Österreich wichtig. Denn es gibt in der stationären Pflege Mängel, die behoben werden können und müssen. Gleichzeitig wird Pflege in einer Gesellschaft, in der die Menschen immer länger leben, zunehmend bedeutender. „Die Pflegeberufe sind bereits jetzt ein enorm wichtiger Bereich. Die dort  beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisten tagtäglich extrem viel. Dafür verdienen sie Respekt und Anerkennung! Aber auch die Herausforderungen sind enorm: Es geht darum, das gesamte System der Pflege, des Pflegegeldes und der Arbeitsbedingungen im Bereich fit für die Zukunft zu machen!“, so AK-Präsident Siegfried Pichler.

Einheitliche Qualitätsvorgaben und Standards in der Pflege

Damit die Zukunftsherausforderungen gemeistert werden können, braucht es aus Sicht der AK jetzt einheitliche Qualitätsvorgaben für die stationäre Pflege. „In Salzburg und Österreich müssen Bezahlung, Personal, Arbeitsbedingungen und die Zahl der benötigten Fachkräfte endlich einheitlich geregelt werden. Außerdem muss die Pflegeversorgung vorausschauend geplant werden, damit nicht nur kurzfristig auf Mängel reagiert werden kann“, fordert AK-Gesundheitsreferentin Gabi Burgstaller. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie der Pflegeschlüssel zwischen Betreuenden und Betreuten aussehen sollte. Dazu müssen aber die Tätigkeiten in der stationären Pflege im Detail erhoben werden. Die Arbeiterkammern haben eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben. „Dieser Tage treffen sich die Sozialreferenten der Bundesländer. Sie sollten dabei den Grundstein für einheitliche Standards legen!“, so Burgstaller.

Die Bedürfnisse der Beschäftigten ernst nehmen

Bei allem Einsatz der Pflegekräfte fällt auch auf, dass es strukturelle Mängel gibt: „Das Gefahren- und Risikomanagement kommt oft zu kurz, Pflegekräfte werden mit Überforderungen und Personalmangel allein gelassen. Es braucht qualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Die beste Schulung hilft nichts, wenn eine Pflegekraft nachts alleine auf der Station ist und es in 3 Zimmern zugleich klingelt“, sagt Gabi Burgstaller.

Alterskrankheiten nehmen zu – Pflegegeld anpassen

Nicht zuletzt müssen demenzielle Erkrankungen und andere erst in hohem Alter einsetzende Beeinträchtigungen beim Pflegegeld stärker berücksichtigt werden. „Bei Demenz ist das jetzt mit einem Zusatzaufwand von 25 Pflegestunden geschehen. Ein erster Schritt, der aber noch ausgebaut gehört!“, stellt Cornelia Schmidjell, die Leiterin der sozialpolitischen Abteilung der AK, klar. Denn mit dem Pflegegeld und dem Aufwand der damit berücksichtigt wird, steht und fällt die finanzielle Sicherheit der Betroffenen.

Das Pflegegeld ist ohnehin so konzipiert, dass es nur einen Teil der Kosten abfedert. Aber: Es hat seit Einführung enorm an Wert verloren. „Wie Wohnen und viele andere Dinge wird auch Pflege immer teurer. Das Pflegegeld muss außerdem so erhöht werden, dass die Teuerung voll abgefedert wird. Da ist kein Platz für Stückwerk, denn sonst kommen viele Familien finanziell in die Bredouille“, sagt Siegfried Pichler.

Im Heim sein bedeutet in 3 von 4 Fällen Sozialhilfe

Dem nicht genug: Oft müssen die Teilkostenabsicherungen durch das Pflegegeld in Heimen mit Sozialhilfe aufgestockt werden. Damit sind Regressforderungen und Zugriffe auf das eigene Vermögen verbunden. Aktuell werden Personen mit durchaus guter Pension und Pflegegeld-Bezug bei Aufnahme in ein Pflegeheim oft automatisch zu Sozialhilfe-Beziehern. Cornelia Schmidjell: „2015 brauchten 70 Prozent der 4.900 Heimbewohnerinnen und Heimbewohner Sozialhilfe zur Deckung des Aufenthalts. Das verstärkt nicht nur die Abhängigkeit gegenüber den Trägern der Pflegeheime. Auch Mängel werden dann eher hingenommen.“

Forderungen der AK zum Tag der Pflege:

  •  Österreichweit einheitliche Qualitätssicherung, Bezahlung, Personalschlüssel und Arbeitsbedingungen. Insbesondere der 2011 gegründete Pflegefonds sollte diese Standards zu Grunde legen.  Derzeit sind die Voraussetzungen nur sehr vage.
  •  Eine gute und anders strukturierte Ausfinanzierung der Pflege, etwa durch zweckgewidmete Erbschafts- oder Vermögenssteuern. So werden Risiken, die jede und jeden treffen können, solidarisch abgesichert.
  •  Ein nachhaltiger Ausbildungsplan, der in Zukunft genügend qualifizierte Fachkräfte ermöglicht.
  •  Stärkere Berücksichtigung von Erkrankungen wie Demenz mit erst in hohem Alter einsetzenden Beeinträchtigungen – insbesondere beim Pflegegeld.
  • Neue Angebote wie mobile Pflege auf Basis funktionierender Beispielmodelle ausbauen und stärken

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