27.2.2018
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Keine Fakten oder Zahlen: nur echte Geschichten und Schicksale

Verschiedenste Zahlen und Publikationen geben Auskunft über die soziale Lage in Österreich. Was aber nur wenige zeigen: Hinter den Prozenten, Tabellen und Grafiken stecken Geschichten und Schicksale. Arbeit kann nicht nur integrieren, sondern auch von der Gesellschaft ausschließen. Das zeigt der 3. und aktuelle Teil des Lesebuchs „Soziale Ausgrenzung: Arbeitswelten“. Montagabend, den 26.2., wurde das Werk in der Arbeiterkammer Salzburg präsentiert. „Dieses gemeinsame Projekt mit der Universität Salzburg hat das Ziel, Sensibilität zum Thema Arbeit zu schaffen. Denn kein anderer Bereich prägt unser Leben so stark“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. „Gerade deshalb lohnt es sich für gute und faire Arbeitsbedingungen zu kämpfen.“

Die Arbeiterkammer hat in Kooperation mit dem Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg den 3. Teil des Lesebuchs „Soziale Ausgrenzung“ mit Schwerpunkt Arbeitswelten veröffentlicht. Bei der Vorstellung des Buches am 26. Februar 2018 kamen Wissenschaft, Interessenvertretungen, aber auch Betroffene zu Wort. Sie erzählten von Stigmatisierung, von Hürden, von beschämenden Erfahrungen und Verwundbarkeiten in der Arbeitswelt, aber auch von Hoffnung.

Soziale Ausgrenzung passiert nicht einfach, sondern ist die Folge einer Fülle von schlechten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Das Gute: Diese Rahmenbedingungen sind gestaltbar. „Aus diesem Grund ist der Kampf gegen soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung und Armut schon seit Jahren ein zentrales Anliegen der Arbeiterkammer Salzburg“, so Siegfried Pichler.

„Ein Versuch, den Blick der Gesellschaft zu schärfen“

Das neue Lesebuch „Soziale Ausgrenzung III: Arbeitswelten“ schließt direkt an den 2015 erschienen zweiten Teil an. Darin wurden Alltagserfahrungen im Kontext von Armut thematisiert, im aktuellen Band geht es um unsere heutige (und zukünftige), facettenreiche Arbeitswelt – die in manchen Fällen auch arm machen kann, weil sie Menschen in soziale Schieflagen drängt. Jenseits von Fakten und Zahlen, geht es um menschliche Schicksale und Geschichten: Von Gewinnern und Verlierern, von Arbeit und Nicht-Arbeit. „Wir möchten Bewusstsein schaffen, Einblicke ermöglichen, die wachsam machen und Verständnis wecken. Das Buch ist eine Einladung für mehr Empathie und zum Brücken-Bauen“, so Elisabeth Kapferer, die am Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg (ZEA) forscht und eine der Herausgeberinnen des Lesebuchs ist.

„Die Beiträge erzählen von Krisenmanagement, Belastbarkeit, Weiterbildungswille, Kampfgeist und Anpassungsfähigkeit: Das sind Eigenschaften und Fähigkeiten, die in der Arbeitswelt erwartet werden. Gerade aber auch Menschen in prekären Jobs oder unsicheren Arbeitsverträgen, genauso wie Arbeitslose, müssen diese Qualitäten täglich in besonderem Maß unter Beweis stellen“, sagt der Mitherausgeber Univ.-Prof. Clemens Sedmak bei der Präsentation in der AK. „Doch diese Anstrengungen sind in der öffentlichen Wahrnehmung oft nicht sichtbar. Viele glauben, dass diese Personen untätig und inkompetent wären. Das Lesebuch ist ein Versuch, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen, Sensibilität zu schaffen und den Blick der Gesellschaft auf dieses Thema zu schärfen.“

Von der Schreibwerkstatt zum Buch-Autor

Was es heißt, von sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung betroffen zu sein, zeigen die Beiträge von Ingrid Huber-Ebner, Gerhard Kellner und Helmut Moser – welche auch im Rahmen der Buchpräsentation gelesen wurden. Ihre Texte entstanden in der „Schreibwerkstatt“ – einem Projekt der AK für Arbeitsuchende. Unter dem Motto „Jetzt reden wir und schreiben los“ wurden sie vor den Vorhang geholt, indem ihnen die Möglichkeit gegeben wurde, unter professioneller Anleitung über ihre Situation zu schreiben. „Es geht um respektlose Erfahrungen in Bewerbungsgesprächen, ständigen Druck und Erreichbarkeit, aber vor allem über die Stehauf-Mentalität, die Arbeitslose fast täglich unter Beweis stellen müssen“, so Christina Repolust, Germanistin und Leiterin der Schreibwerkstatt. „Aber auch um Erfolge: Denn alle drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben es mittlerweile geschafft, einen Job zu finden.“

AK fördert Allianz für soziale Gerechtigkeit

„Gerade in Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit und Zunahme prekärer Jobs sind die Problemlagen der Menschen vielfältig. Das zeigt auch unser Beratungsalltag“, sagt AK-Direktor-Stellvertreterin Cornelia Schmidjell. Die Schere zwischen den Menschen in Beschäftigung und diejenigen, die keinen Job haben geht immer weiter auseinander. „Und dann wird ihnen auch noch in der öffentlichen Diskussion oft die Schuld für ihre prekäre Situation zugeschrieben“, sagt Schmidjell. In Wirklichkeit sind es aber die Rahmenbedingungen, die diese Ausgrenzung verursachen. „Die vielen Seiten der Arbeitswelt stecken voller Widersprüche. Sie zeigen Chancen und Potentiale genauso wie Gefahren, Schattenseiten oder Verwundbarkeiten. Das Engagement der Autorinnen und Autoren, die diese verschiedenen Perspektiven herausgearbeitet haben, kann gar nicht oft genug hervorgehoben werden. Als Arbeiterkammer unterstützen wir Projekte wie diese gerne im Sinne einer starken Allianz für soziale Gerechtigkeit.“

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