24.5.2017
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Bildungssystem in Syrien

Das Bildungssystem in Syrien und in einigen anderen Herkunftsländern von Flüchtlingen kann eine Menge. Das zeigen neueste Erhebungen des AMS zum Bildungsstand der Schutzsuchenden. Dadurch wird nicht nur deren Integration erleichtert. Die Informationen helfen auch dabei, anerkannte Asylwerber am Arbeitsmarkt so unterzubringen, dass alle etwas davon haben. „In der Integrationsdebatte braucht es Information statt Vorurteile und  zielorientiertes Handeln statt Stimmungsmache, die gar nicht weiterbringt“, so Cornelia Schmidjell, die Leiterin der AK-Sozialpolitik.

Zu Beginn der Flüchtlingswelle aus Syrien wurde gemutmaßt, dass viele Flüchtlinge ein formal hohes Bildungsniveau mitbringen würden. Können sie diese Kompetenzen auch am Arbeitsmarkt einsetzen, wirkt das Verdrängungseffekten in anderen Bereichen und Lohndumping entgegen. „Integration am Arbeitsmarkt ist ein zweiseitiger Prozess. Sie kann nicht einseitig verordnet werden, ist von allen Beteiligten gestaltbar und muss langsam wachsen. Wir als AK wollen die Rahmenbedingungen für gelingende Integration verbessern“, so AK-Sozialexperte Stefan Bogner anlässlich der Informationsveranstaltung „Das Bildungssystem in Syrien“ – organisiert von der Arbeiterkammer, dem Verein VeBBAS, Migrare (Zentrum für MigrantInnen Oberösterreich), der Anlaufstelle für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen und dem Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen Wien.  Zugewanderte müssen ihre erworbenen Qualifikationen bestmöglich einsetzen können – nicht nur mit Blick auf eine eigene gute Lebensperspektive. Auch das Miteinander funktioniert dann besser.

2017 waren im April 28.925 anerkannte Flüchtlinge ohne Job

Die Arbeitsmarktintegration – und damit die Integration in die österreichische Gesellschaft – ist eine große Herausforderung. Laut AMS waren im April 2017 österreichweit 28.925 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte ohne Job. Davon waren 24.015 anerkannte Flüchtlinge und 4.910 subsidiär Schutzberechtigte. Diese Gruppe stellte 6,9 Prozent aller beim AMS vorgemerkten Personen und Schulungsteilnehmer. Innerhalb Österreichs sind die arbeitslosen Flüchtlinge sehr unterschiedlich verteilt: Ein Großteil der Betroffenen ist in Wien arbeitslos gemeldet (18.036). Die meisten arbeitslosen anerkannten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten stammten aus Syrien (12.670), Afghanistan (5.487), Russland (3.495) und dem Irak (1.865). In Salzburg waren Ende April insgesamt 914 anerkannte Flüchtlinge beim AMS arbeitsuchend gemeldet, davon waren 387 Asylberechtigte aus Syrien entweder arbeitsuchend gemeldet oder in Schulungsmaßnahmen des AMS.

Viele Top-Gebildete, aber auch einige mit wenig Kenntnissen

Es hat sich herausgestellt, dass die geflohenen Menschen häufig eine hohe formale Bildung mitbringen. Beim AMS haben inzwischen rund 6000 anerkannte Flüchtlinge einen Kompetenzcheck durchlaufen. Laut neuen Auswertungen haben etliche der Personen aus Syrien, Iran und dem Irak eine Matura oder ein Studium in der Heimat abgeschlossen. 62 Prozent der getesteten Syrer, 85 Prozent der Iraner und 57 Prozent der Iraker bringen  eine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung mit! Anders sieht die Lage bei Afghanen aus, von denen 80% höchstens die Pflichtschule besucht haben und die nicht selten fast keine Schulbildung mitbringen. Syrien ist mit seinem Bildungssystem so etwas wie das Vorzeigeland im arabischen Raum gewesen.

Arbeit hilft bei Integration und der Gesellschaft als Ganzes

„Die meisten Asylberechtigten werden zunächst in der Arbeitslosigkeit landen und auf Sozialleistungen angewiesen sein. Es gilt, ihnen schnell zu ermöglichen, selbst für ihren Unterhalt aufzukommen. Das nutzt bei hoch qualifizierten Arbeitskräften in entsprechenden Jobs nicht nur den Betroffenen selbst und der Wirtschaft – auch die Kosten für die öffentliche Hand sinken. Zudem werden Verdrängungseffekte in besonders heiß umkämpften Bereichen des Arbeitsmarkts vermieden“, ist Stefan Bogner überzeugt. Dieser Beschäftigungseffekt ist wichtig, denn die Gruppe der Asylberechtigten und der Migranten verdient im Durschnitt nicht nur spürbar weniger als im Inland geborene Personen. Sie Arbeiten auch öfter in Jobs, für die sie überqualifiziert sind und haben schlechtere (Weiter-)Bildungschancen. So arbeiteten beispielsweise 2014 von den im Inland geborenen Beschäftigten 11,3 Prozent in einem Beruf, für den sie überqualifiziert sind. Bei im Ausland geborenen Beschäftigten waren es  hingegen 20,4 Prozent.

Damit das Zusammenleben klappt, braucht es fundiertes Wissen

„Es soll kein Potenzial sinnlos verschenkt werden. Diese Ungleichheiten gehören abgebaut – denn am Ende dieses Weges steht Inklusion – und die ist das gemeinsame Interesse einer zukunftsorientierten und solidarischen Gesellschaft, an der alle gleichberechtigt in Rechten und Pflichten teilhaben können“, sagt Cornelia Schmidjell, die Leiterin der AK-Sozialpolitik: „Wir brauchen in der Integrationsdebatte Information statt Vorurteile, zielorientiertes Handeln statt Stimmungsmache, denn die bringt uns überhaupt nicht weiter. Mit der Veranstaltung zum Bildungssystem in Syrien bieten wir den mit der Bildung und Betreuung von Migrantinnen und Migranten beschäftigten Organisationen und Menschen einen Wegweiser für eine bessere Arbeitsmarktintegration!“

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