14.5.2018
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Bildung schafft Chancen – Deshalb muss sie jedem gleich zugänglich sein

Die AK liefert mit ihrem Bildungsmonitor 2018 eine Zusammenschau der Vorteile und Probleme in der Salzburger Schul- und Bildungslandschaft. Dabei zeigt sich: Es herrscht durchaus Bewegung. Aber vor allem bei den Themen Chancengerechtigkeit, Ganztagesbetreuung und Bildungsförderungen wäre noch viel mehr möglich. AK-Präsident Peter Eder: „Alle jungen Menschen haben sich eine Chance auf beste Bildung verdient. Und alle Älteren auf Weiterbildung, die sie für gute, erfüllende Arbeit brauchen.“ Dazu braucht es aber neben einem größeren Angebot an schulischer Betreuung vor allem einen Ausbau der Bildungsförderung.   

Die Expertinnen und Experten der Arbeiterkammer Salzburg haben auch heuer einen umfassenden Bildungsmonitor erstellt. Er fasst die Bildungssituation im Bundesland zusammen, zeigt positive Entwicklungen – und wo Handlungsbedarf besteht.

Die gute Nachricht zuerst: Nur in Wien leben mehr Akademikerinnen und Akademiker als in Salzburg. Mit 13,4 Prozent hat das Bundesland den zweithöchsten Anteil in Österreich. Fast ein Drittel der Bevölkerung (29,7 Prozent) hat die Matura, einen Kolleg- oder einen Hochschulabschluss. Außerdem ist Salzburg das Bundesland, in dem die „Lehre mit Matura“ am besten funktioniert. Das von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer getragene und dem Bildungsministerium finanzierte Programm erreicht 15,9 Prozent der Lehrlinge in der Region und feiert heuer sein 10jähriges Bestehen.

Überhaupt sind Lehrberufe Dreh- und Angelpunkt in der österreichischen Berufsbildung. Sie sind oftmals die Basis für den beruflichen Ein-, Auf- und Umstieg – für Jugendliche und Erwachsene. Der Lehrabschluss ist der häufigste Bildungsabschluss der Salzburgerinnen und Salzburger: Rund 38 Prozent der Bevölkerung zwischen 25 und 64 Jahren verfügt über einen. AK-Präsident Peter Eder: „Das Lehrzeugnis ist ein Wertpapier. Wir setzen uns als Arbeiterkammer für Maßnahmen ein, die die Ausbildungsqualität weiter verbessern. Für einen Imagegewinn des Lehrlingswesens. Für mehr Durchlässigkeit zu anderen Bildungsabschlüssen wie Matura und Hochschule. Nur so bekommen wir die Fachkräfte von morgen mit Top-Erfahrung aus der Praxis von heute.“

Die Ausgangsbedingungen für gute Bildung im Bundesland sind jedenfalls intakt. Ganz anders schaut es bei den Einkommen aus. Mit 1.516 Euro netto (14mal im Jahr) liegt Salzburg abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. Eine Herausforderung, denn oft muss für (Weiter-)Bildung zusätzliches Geld in die Hand genommen werden.

Weniger Risikoschüler – vererbte Bildung dennoch ein Problem

Wer also weniger Geld oder sonst schlechtere Voraussetzungen für Bildung hat, bleibt schnell auf der Strecke. Umso wichtiger ist es, gegen dieses „Weitergeben“ von Nachteilen einzutreten. „Unser berufsbildendes Schulwesen ist im internationalen Vergleich eine Stärke und auch der Schlüssel für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit. Aber Bildung wird zu oft weitervererbt. Kein Problem, wenn Kinder von gut gebildeten Eltern selbst einen hohen Abschluss erreichen. Es wird jedoch zu einem, wenn Kinder von Eltern mit niedrigem formalem Bildungsgrad schwerer aufsteigen können und häufiger die Schule abbrechen. Sie beenden ihre Bildungslaufbahn mit einer sechsmal höheren Wahrscheinlichkeit vorzeitig“, sagt AK-Bildungsexperte Franz Fuchs-Weikl. Immerhin: In Salzburg ist diese Gruppe der „Risikoschülerinnen und -Schüler“ ein wenig kleiner als im Österreich-Schnitt.

Guter Weg aber immer noch Defizite bei Ganztagesbetreuung

Schule schafft Chancen. Im Idealfall ermöglicht und fördert sie selbstverantwortliches Lernen und Arbeiten sowie lebensbegleitende Bildung. Für all diese Dinge und damit auch die weitere Bildungs- und Berufskarriere wird schon im Bereich der Elementarbildung der Grundstein gelegt. Dementsprechend positiv ist, dass 93,5 Prozent der 3 bis 5-jährigen in Salzburg institutionell gut betreut werden. Unter 2-jährige kommen auf 23,6 Prozent. 6 bis 14-jährige auf 19,1 Prozent. „Besonders die 10 bis 14-jährigen sind mit einer Betreuungsquote von nur 12,7 Prozent unterversorgt. Vor allem, weil etwa Ganztagesschulen nicht nur pädagogische Vorteile beim gemeinschaftlichen Lernen und der Hausübung haben. Auch Eltern werden freigespielt, wenn sie arbeiten möchten oder müssen“, so Franz Fuchs-Weikl. Aktuell bietet gerade mal die Hälfte aller Pflichtschulen eine Nachmittagsbetreuung an. In der Stadt Salzburg 84 Prozent, im Lungau 17 Prozent.

Mit Chancen-Index für Schulen wird kein Kind zurückgelassen

„Schule muss fair sein. Sie muss Bildung und Ausbildung unabhängig von der Herkunft ermöglichen und fördern. Viele Schulen haben aber schwierige Startbedingungen. Umso mehr muss man anerkennen, was Bildungseinrichtungen leisten, deren Schüler oft aus benachteiligten Elternhäusern kommen, aber trotzdem überraschend gut bei den Bildungsstandards abschneiden. Davon gibt es einige. Deshalb sollte das AK-Chancen-Index-Modell mit einer Basis-Finanzierung für Schulen und Zuschlägen bei besonderen Herausforderungen sowie pädagogischen Konzepten und Analysen für die Standorte endlich realisiert werden. Damit alle Schüler eine Chance haben!“, fordert AK-Präsident Peter Eder.

Bildung für Junge und Ältere bestmöglich fördern

Ebenso wichtig ist natürlich der Zugang zu Weiterbildung. Vor allem ältere Arbeitnehmer stehen vor den Herausforderungen einer sich ändernden Arbeitswelt etwa durch die Digitalisierung. 14,4 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher bilden sich weiter. In Dänemark oder Schweden sind es rund doppelt so viele. Und leider rangiert Salzburg mit 13,2 Prozent unter dem Österreich-Schnitt – auch wenn der Wert sich zuletzt verbesserte. Wien und Vorarlberg fördern die Aus- und Weiterbildung stärker. In Finnland und Schweden sind sie überhaupt weitgehend kostenfrei. Das führt auch zu einer höheren Beteiligung. Salzburg punktet etwa mit Initiativen wie „Lehrabschluss plus“, bei dem bei vorigem Nichtantreten die Lehrabschlussprüfung doch noch erreicht werden kann. Das AK-Angebot „Du kannst was“ ermöglicht das Lehrzeugnis auf Basis von nicht in der Schule erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen.

Mit diesen Projekten kann Salzburg faire Chancen schaffen 

AK-Präsident Peter Eder: „Salzburg braucht  einen massiven Ausbau der Ganztagessschule mit Nachmittagsbetreuung – nicht nur in den Ballungsräumen. Außerdem muss der Erwachsenenbildung mehr Raum gegeben werden. Sie wird nicht nur wegen der Bevölkerungsentwicklung, sondern auch wegen Industrie 4.0 immer wichtiger. Ein erster Schritt muss sein, die Förderungen über den Bildungsscheck des Landes Salzburg zu verdoppeln. So sollen formale Bildungsschlüsse – und damit der Weg zur Fachkraft nachgeholt und geöffnet werden. Und: Auch informelles Wissen gehört auf diesem Weg besser anerkannt. Berufserfahrung und erworbene Kompetenzen sind ein Wissensschatz, den wir heben müssen, wenn unser Bildungssystem fit für die Zukunft sein soll. Das Projekt „Du kannst was“ macht es vor und sollte entsprechend ausgebaut werden. Das erwarten wir von der künftigen Landesregierung, wenn ihr faire Bildungschancen am Herzen liegen.“

Das fordert die Arbeiterkammer im Bildungsbereich:

  • Salzburg braucht eine flächendeckende, qualitätsvolle und leistbare Betreuung für Kinder aller Altersgruppen.
  • Die Schulen müssen für eine Ausweitung der Betreuung gerüstet werden – personell und räumlich. Bis zum Jahr 2025 soll es 100 % (kostenfreie) Ganztagesschulen in Salzburg und 75 % in den Bezirken geben.
  • Ein Chancen-Index soll sicherstellen, dass Schulen entsprechend ihren Aufgaben und Herausforderungen finanziert werden.
  • Eine Modellregion der gemeinsamen Schule der 10 bis 14-jährigen wäre ein wichtiger Schritt für Bildungszugang mit gleichen Chancen.
  • Das Förderbudget des Bildungsschecks gehört verdoppelt, der Scheck mit dem Nachholen von formalen Bildungsabschlüssen als Ziel ausgebaut. Letzteres sollte kostenfrei möglich sein.
  • Das Fachkräftestipendium soll zu einem Qualifizierungsstipendium werden.
  • „Du kannst was“ soll auf weitere Lehrberufe ausgeweitet und – versehen mit einer ausreichenden Finanzierung – fix im Ausbildungssystem verankert werden. Das Modell zur Anerkennung von non-formalem Wissen bzw. Berufserfahrung sollte auch auf andere Bildungsabschlüsse übertragen werden.
  • Mit Blick auf demografische Herausforderungen, Digitalisierung und lebenslanges Lernen sollte eine Strategie zwischen den Akteuren beruflicher Erwachsenenbildung und konkrete Angebote erarbeitet werden. Das sichert auch die Integration am Arbeitsmarkt und reduziert Armutsrisiken.

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