1.3.2018
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Die Arbeitnehmer schaffen den Reichtum, haben aber zu wenig davon

Laut EU-Eurostat ist das Bundesland Salzburg Österreichs Nummer 1 bei der Wirtschaftskraft. „Es ist es erfreulich, dass die heimische Wirtschaft brummt und Salzburg da ganz oben mitmischt“, so AK-Präsident Siegfried Pichler, „ aber jene, die diese Top-Position möglich machen – die Beschäftigten – können sich von dieser Statistik nichts kaufen.“ Dass die Arbeitnehmer zu wenig profitieren, zeigt nicht nur ein Blick auf die Einkommen wo Salzburg nur Vorletzter österreichweit ist. Auch bei der Kinderbetreuung hinkt Salzburg hinterher und die Mieten sind hierzulande bekanntlich exorbitant und steigen derzeit am schnellsten.

Neueste Daten des EU-Statistikamts `Eurostat´ weisen das Bundesland Salzburg als reichste Region Österreichs aus – was die Wirtschaftsleistung, sprich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf betrifft. „Es ist sehr positiv und freut mich, dass nach den langen und harten Jahren der Krise der Wirtschaftsmotor wieder brummt“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler, „aber leider kommt dieser Reichtum kaum bei denen an, die eine großen Teil dieses wirtschaftlichen Aufschwungs mit ihrer Arbeitsleistung erst ermöglicht haben – den Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.“ Das zeigt sich im täglichen Leben, exemplarisch bei den Einkommen, den Mietpreisen und der Kinderbetreuung.

Vorletzter: monatlich 200 Euro netto weniger als Wien

Alles andere als die Nummer 1 ist Salzburg bei den Einkommen. Ob teilzeitbereinigt oder nicht – Salzburg ist nur auf Platz 8 im Bundesländer-Ranking: Um exakt 201 Euro netto verdienen die Salzburger Beschäftigten im Schnitt weniger als die Wienerinnen und Wiener, die die Einkommens-Spitzenreiter in Österreich sind (Wien: 1.717 Euro – Salzburg: 1.516 Euro). 

Teilzeitbereinigt das gleiche Bild: Hier fehlen Salzburg auf den Spitzenreiter (in diesem Ranking Niederösterreich) genau 199 Euro netto (Niederösterreich: 2.445 Euro pro Monat – Salzburg: 2.246 Euro).

„Gerade in Salzburg, wo die Lebenshaltungskosten vergleichsweise sehr hoch sind, schmerzen diese Differenzen besonders“, gibt Pichler zu bedenken.

Teures Mittelmaß: Betreuungsquote unter 3-jähriger nur 19 %

Zwar nicht im Tabellenkeller, aber trotzdem im hinteren Drittel, ist Salzburg in Sachen Kinderbetreuung. Vor allem bei den unter 3-jährigen. Da lag unser Bundesland in den Jahren 2016/2017 bei gerade einmal 19 Prozent (Platz 7 im Bundesländervergleich) und damit weit hinter dem „Barcelona-Ziel“ zurück. Demnach hätte bereits bis zum Jahr 2010 für 33 Prozent der unter 3-Jährigen Kinder ein Betreuungsplatz zur Verfügung gestellt werden müssen. Zum Vergleich: Die Nummer 1, Wien, liegt bei einer Quote von 44,3 Prozent.

Aber auch bei den 3 bis 5-jährigen fehlen Salzburg fast 5 Prozent auf die Nummer 1 (Burgenland).

Dafür wieder ganz vorne dabei ist Salzburg bei den Kosten für Kinderbetreuung: Salzburg weist im Bundesländervergleich vergleichsweise hohe Gebühren für elementare Bildungseinrichtungen auf. So hat kürzlich eine Analyse der AK Wien gezeigt, dass Wien etwa eine ganztägige Gratisbetreuung für alle 0 bis 6-Jährigen anbietet. In Niederösterreich und Oberösterreich ist die Vormittagsbetreuung ab 2,5 Jahren kostenlos. In Tirol ist zumindest der Kindergarten für 4 bis 5-Jährige halbtags kostenlos. In Salzburg ist lediglich der halbtägige Besuch für 5jährige im letzten verpflichtenden Kindergartenjahr kostenlos. 

„Der springende Punkt ist, dass Bildung und Frühförderung durch elementare Bildungseinrichtungen nicht an die finanziellen Möglichkeiten der Eltern gebunden sein dürfen“, so AK-Präsident Pichler, „ganz abgesehen davon, dass leistbare Betreuungseinrichtungen wesentliche Rahmenbedingung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und für eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit der Frauen darstellt.“

Arbeiten macht nicht reich – aber vermieten

In keinem anderen Bundesland stiegen die Mieten seit 2005 stärker als in Salzburg - in keiner anderen Region Österreichs zahlte man 2016 im Schnitt mehr für die eigene Unterkunft. Im Jahr 2016 mussten für eine Hauptmietwohnung (befristete und unbefristete Mietverhältnisse) im österreichweiten Durchschnitt monatlich etwa 488 Euro Miete (inklusive Betriebskosten) bezahlt werden. In Salzburg mussten monatlich durchschnittlich 562,20 Euro Miete (inkl. BK) bezahlt werden.

Das Problem: Die Wohnkosten galoppieren den Einkommen davon. Während die Salzburger Durchschnittseinkommen seit dem Jahr 2000 um 35,6 Prozent gestiegen sind, haben sich die durchschnittlichen Mieten hierzulande um über 50 Prozent erhöht. 

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Für eine Trendwende hin zu leistbarem Wohnen braucht es politische Maßnahmen. Da ist der Gesetzgeber gefordert. Die Bundespolitik etwa, indem sie endlich für ein einheitliches und damit faireres Mietrecht sorgt. Aber auch das Land ist in die Pflicht zu nehmen: In Salzburg müssen jährlich zumindest 1.000 geförderte Mietwohnungen gebaut werden, damit der Druck auf die Preise nachlässt. Ein nachhaltiges Wohnbaufonds-Modell mit zweckgewidmeten Rückflüssen würde dabei langfristig helfen.“

„All diese Beispiele zeigen, dass der erwirtschaftete Reichtum nur bei wenigen ankommt, also sehr ungleich verteilt ist. Das relativiert diese ´Nummer 1 bei der Wirtschaftsleistung´ doch beträchtlich“, gibt Pichler zu bedenken.   

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