15.11.2017
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Alternsgerechte Arbeit braucht Verbindlichkeit

Der neue Fehlzeitenreport des WIFO zeigt: Die steigende Anzahl älterer Erwerbstätiger in Österreich stellt die Arbeitsgestaltung vor neue Herausforderungen. „Maßnahmen wie Altersteilzeit und Wiedereingliederungsteilzeit sind unerlässlich, wenn wir Arbeiten bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter umsetzen wollen. Sie müssen für Betriebe verbindlich und in ein Gesamtkonzept eingebettet sein“, fordert AK-Expertin Karin Hagenauer.

Gestern wurde der Fehlzeitenreport 2017 des WIFO veröffentlicht. Schwerpunkt ist eine alter(n)sgerechte Arbeitswelt. Er zeigt, dass Salzburg österreichweit mit 2,9 Prozent die niedrigste Krankenstands-Quote und im Mittel 2 Krankenstandstage weniger pro Jahr hat als Gesamt-Österreich. Das liegt unter Anderem an strukturellen und branchenspezifischen Unterschieden in den Bundesländern. 

Der Schwerpunkt auf alternsgerechtes Arbeiten ist wichtig, weil immer mehr Menschen zwischen 50 und 64 erwerbstätig sind – 2016 in ganz Österreich etwa schon 300.000 mehr als 2008. Sowohl die Bevölkerungsentwicklung wie auch das Bestreben, das Alter des Pensionsantritts zu erhöhen tragen wesentlich zu dieser Entwicklung bei.

Arbeitsfähig und in Arbeit bleiben. Denn Jobverlust macht krank

Trotzdem ist im internationalen Vergleich die Erwerbsquote der Älteren in Österreich unterdurchschnittlich. Knackpunkt ist, dass die Menschen arbeitsfähig bleiben. Im Idealfall bis zum Pensionsantrittsalter. Ein höheres Alter und gesundheitliche Probleme wie auch geringere Leistungsfähigkeit hängen nämlich nicht zwingend zusammen. Es kommt auch auf gute Rahmenbedingungen und proaktive Maßnahmen im Berufsleben an.

Was aber eindeutig die Gesundheit stark belastet ist Arbeitslosigkeit. Arbeitslose im höheren Alter schätzen ihren Gesundheitszustand durchwegs schlechter ein als Gleichaltrige, die in Lohn und Brot stehen. Insgesamt besteht hier ein Unterschied von 40 Prozentpunkten, während es bei den Jüngeren 15- 25 Prozent sind. Zudem sind Arbeitslose 2,5-mal häufiger im Krankenstand und bekommen dann Kranken- statt Arbeitslosengeld – Tendenz mit dem Alter steigend. 

„Es kann sich auf die Arbeitsfähigkeit und damit Gesundheit positiv auswirken, dass die Menschen im Berufsleben bleiben. Arbeitslosigkeit macht definitiv krank – besonders häufig im höheren Alter. Vorbeugende Maßnahme sind dabei genauso wichtig wie Programme, die Personen mit gesundheitlichen Problemen wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern“, sagt AK-Arbeitnehmerschützerin Karin Hagenauer.

Alternsgerecht?! Gesamtkonzepte statt Einzelmaßnahmen

Für die AK fängt die Arbeitsgestaltung für ältere Beschäftigte nicht bei den „Alten“ an. „Es geht um ein Gesamtkonzept: Gegenmaßnahmen und Anpassungen am Arbeitsplatz, die Veränderungen auf Grund des Alters ausgleichen einerseits. Eine frühzeitige Strategie, die präventiv alterstypischen Belastungen entgegenwirkt auf der anderen Seite. Die Führungsebene muss zu ihren Einstellungen gegenüber älteren Beschäftigten sensibilisiert werden. Ein Unternehmen muss außerdem die Altersstruktur seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen und analysieren. Dadurch können Nachfolge- und Aushilfsregelungen besser geplant oder bei großen körperlichen Anforderungen die Tätigkeit gewechselt werden“, so Hagenauer.

Mehr Verbindlichkeit und Monitoring auf Betriebsebene

In Österreich wurden in den letzten Jahren einige wichtige Maßnahmen beschlossen. Zu diesen zählt auch die Aktion 20.000 für ältere Langzeitarbeitslose. In diesem Bereich besteht akuter Handlungsbedarf, weshalb die Aktion unbedingt beibehalten werden sollte.

Ein weiteres Beispiel erfolgreicher gesetzlicher Regelungen ist die Wiedereingliederungsteilzeit, die nach längerem Krankenstand die Rückkehr in den Beruf schrittweise wieder möglich macht und seit Juli 2017 gilt. Aber es fehlen verbindliche Instrumente und ein Monitoring solcher Maßnahme auf Betriebsebene. 

„Das Interesse an der Wiedereingliederungsteilzeit ist groß. Aus der Informationsplattform „PM Forum“ für Personalverantwortliche und unseren Veranstaltungen wissen wir, dass das Personalmanagement in vielen Betrieben bereits mit der Wiedereingliederungsteilzeit arbeitet oder sie vorbereitet. Wir informierten und informieren außerdem gemeinsam mit der GKK darüber. Aber es gibt keine Pflicht für Unternehmen, die Arbeitsbedingungen anzupassen. Gerade das ist aus Sicht der Forschung jedoch der maßgebliche Erfolgsfaktor bei der Wiedereingliederung. Nur die Arbeitszeit zu ändern ist zu wenig“, sagt AK-Gesundheitsexpertin Michaela Fischer

AK-Info: medizinische Aspekte der Wiedereingliederungsteilzeit

Michaela Fischer: „Nur ein ganzheitlicher, verbindlicher Ansatz kann am Ende nachhaltige Erfolge bei alternsgerechtem Arbeiten und möglichst langer, gesunder Erwerbstätigkeit liefern. So ein Ansatz muss auch Ärztinnen und Ärzte einbeziehen. Sie leisten ganz wesentliche Arbeit bei der Aufklärung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Deshalb informieren wir sie am 11. Dezember in Zell am See in Kooperation mit der Ärztekammer und dem Arbeitsmedizinischen Dienst über medizinische Aspekte der Wiedereingliederungsteilzeit.“

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