26.6.2017
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Im Rahmen der Primärversorgung Neu braucht es vor allem Zusammenarbeit

Die medizinische Versorgung steht vor einer Mammutaufgabe: Bis 2030 sind drei Viertel aller Hausärzte in Salzburg pensionsberechtigt. Ausreichend Nachwuchs ist Fehlanzeige. Es stellt sich die Frage: Wie kann eine flächendeckende Versorgung aufrechterhalten werden? Die Antwort: Primärversorgungseinheiten. Die gesetzliche Grundlage dafür steht kurz vor dem Beschluss im Nationalrat. „Ein wichtiger Schritt“, sagt Gabi Burgstaller, Gesundheitsexpertin in der Arbeiterkammer Salzburg. „Dennoch weist das Gesetzt einige Defizite auf.“ Wie diese ausgemerzt werden können, diskutierten Gesundheitsexperten am Donnerstag, den 22. Juni, im Rahmen der AK-Veranstaltung „Im Mittelpunkt steht der Patient“. Und: Mediziner präsentierten erste Best-Practice-Beispiele, die zeigen: Zusammenarbeit ist der Schlüssel des Erfolgs.

Die flächendeckende Gesundheitsversorgung in Salzburg steht vor einer großen Herausforderung: Bis zum Jahr 2030 sind rund drei Viertel aller Hausärzte pensionsberechtigt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich nur jeder zehnte Medizinstudent vorstellen kann, eine Einzelordination am Land zu betreiben. „Die Allgemeinmedizin ist generell für jüngere Menschen nicht mehr so attraktiv“, so AK-Gesundheitsexpertin Gabi Burgstaller. „Für die weiblichen Medizin-Absolventinnen steht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Zentrum ihrer Lebensplanung. Eine Karriere als „Einzelkämpfer“ in der Arztpraxis wird meistens nicht angestrebt.“

Die Lösung des Gesetzgebers im Rahmen des Gesundheitsreformumsetzungsgesetzes, kurz GRUG, lautet: Primärversorgungseinheiten schaffen. Genau diesem Thema widmete sich die Veranstaltung der Salzburger Arbeiterkammer „Im Mittelpunkt steht der Patient“ am 22. Juni. In einem, bis auf den letzten Platz gefüllten, Veranstaltungssaal des Parkhotels Brunauer konnten sich rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer davon überzeugen, dass beim „Rüsten“ gegen den drohenden Ärztemangel die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und nicht ärztlichen Gesundheitsberufen immer wichtiger wird. Die soll künftig in den neuen Primärversorgungseinrichtungen passieren. „Gruppenpraxen oder netzwerkähnliche Organisationsformen sollen für die flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten – vor allem in den ländlichen Gebieten – sorgen“, sagt Burgstaller, gleichzeitig räumte die AK-Gesundheitsexpertin mit der Panikmache, dass die Hausärzte abgeschafft werden, endgültig auf und betonte. „Hausärzte sind ein wichtiger Teil der Primärversorgung!“ 

„Jeder soll das machen, wofür er ausgebildet worden ist“

Dass die Primärversorgungseinrichtungen nicht nur am Land, sondern auch in den urbanen Gebieten für Synergieeffekte sorgen können, beweist Dr. Wolfgang Mückstein, Allgemeinmediziner in der Gruppenpraxis „Mariahilf“ in Wien. Er kann auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken und ist überzeugt, dass das neue Modell die Allgemeinmedizin aufwerten wird. Sein Motto in der Zusammenarbeit: „Jeder soll das machen, wofür er ausgebildet wurde“. Von den neuen Primärversorgungseinrichtungen profitieren auch andere Gesundheitsberufe. So zeigt sich die Krankenpflegerin Maria Kern mit ihren neu entstandenen Aufgaben hoch zufrieden. Der Grund: Im Vergleich zu früher ist ihre jetzige Arbeit wesentlich umfangreicher. Mittlerweile hat sie schon die Wundversorgung in der Praxis „Mariahilf“ übernommen. „Eine Win-Win-Situation für alle“, betont die Diplompflegerin. „Die neue Arbeitsteilung führt einerseits zur Entlastung der Ärzte und andererseits werden die anderen Gesundheitsberufe aufgewertet.“ 

Salzburger Pilotprojekt steht in den Startlöchern

Im Bundesland Salzburg wird ein Primärversorgungs-Netzwerk angedacht. Federführend daran beteiligt ist der Mediziner Dr. Christoph Dachs. Er entwickelt gerade das „Gesundheitsnetzwerk Tennengau“ weiter und steht mit dem integrierten Primärversorgungsnetzwerk in den Startlöchern. Einzig die Finanzierungsfrage muss noch geklärt werden. Dieses Netzwerk könnte ein Modell für andere ländlichen Regionen in Salzburg sein. Dabei werden die geplanten Primärversorgungs-Standorte miteinander vernetzt. Eine Gesundheitsmanagerin könnte die Koordination übernehmen. Zuversichtlich zeigt sich auch Andreas Huss. Der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse ist überzeugt, dass in Salzburg bis zum Jahr 2021 die erforderlichen fünf Primärversorgungseinheiten in Betrieb genommen werden können. Prominente Unterstützung erhält das Projekt vom ehemaligen Präsidenten des Gemeindebundes Helmut Mödlhammer. Schon in seiner aktiven Zeit als Politiker hat er sich für eine faire Gesundheitsversorgung in den ländlichen Gebieten stark gemacht.

AK: Zusammenarbeit ist der Schlüssel des Erfolgs

Für die AK-Gesundheitsexpertin ist das neue Gesetz ein Hilfsinstrument, um auch in Zukunft ein solidarisches Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten. „Entscheidend wird sein, ob der Wille zur Zusammenarbeit in den verschiedenen Berufsgruppen gegeben ist und die Partner, insbesondere Länder, Sozialversicherungen, aber auch Gemeinden in einem Boot sitzen und in die gleiche Richtung rudern“, so Burgstaller.

Gemeinsamer Appell in Richtung Nationalrat

Im Nationalrat soll am Mittwoch, den 28. Juni, das neue Primärversorgungsgesetz beschlossen werden. Wie jedes Gesetz, das ein Kompromiss ist, hat es Defizite. Das größte Problem: Ärzte dürfen keine Ärzte anstellen. „Im 21. Jahrhundert ist das grotesk“, sind sich Gabi Burgstaller und die Teilnehmer der AK-Veranstaltung einig. Gemeinsam appellieren sie an den Gesetzgeber doch noch eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Andernfalls wird die Primärversorgung in manchen Regionen nicht funktionieren. „Die Selbständigkeit wirkt für junge Mediziner oft abschreckend“ so Burgstaller. „Hingegen würde die Sicherheit einer Anstellung für viele Nachwuchsmediziner motivierend wirken, gerade zu Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit.“ Lange Öffnungszeiten sind  gar nicht anders organisierbar.

Am Ende der Veranstaltung zieht die AK-Gesundheitsexpertin ein positives Fazit: „Es tut jedenfalls gut, dass die Primärversorgung in einem konstruktiven Rahmen mit vielen guten Ideen weitergebracht wird und dabei die Lösungsorientierung im Vordergrund steht. Polemik und Schwarzmalerei sind bei diesem Thema nicht angebracht: Sie lassen keinen einzigen Hausarzt entstehen und sind sicher kein Beitrag zu mehr Kooperation der Gesundheitsberufe.“

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