14.6.2018
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Veraltete Schutzstandards kosten 1.800 Menschen jährlich das Leben

Rund 1.800 Menschen sterben österreichweit jedes Jahr an arbeitsbedingten Krebserkrankungen. Der Hauptgrund: Veraltete Schutzstandards. „Wir brauchen dringend zeitgemäße Grenzwerte und Strafen für jene Unternehmen, die Sicherheits-Standards ignorieren“, fordert AK-Präsident Peter Eder, „denn mit der Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer spielt man nicht. Aber statt solche drängenden Probleme beim Arbeitnehmerschutz anzugehen, denkt die Regierung lieber über einen Kahlschlag bei der AUVA nach.“

Die Arbeiterkammer hilft in schwierigen Lebenslagen und bei heiklen Entscheidungen – ob eine schwere Erkrankung, die Ablehnung einer Invaliditätspension, Arbeitsunfälle, ungerechtfertigte Sperren des Arbeitslosengeldes, Ablehnung des Pflegegeldes, zu niedrige Leistungen aus der Mindestsicherung oder Fragen zum Kinderbetreuungsgeld. Und diese Hilfe wird gerne in Anspruch genommen – über 30.000 Mal hat allein die Abteilung für Sozialpolitik der AK den Salzburgerinnen und Salzburgern im Vorjahr geholfen. Auch wenn es um Fragen oder Probleme rund um das Thema Arbeitnehmerschutz geht – wie folgende aktuelle Fälle zeigen:

Herr T. hat jahrelang Zapfsäulen an Tankstellen repariert und kam dabei immer wieder in direkten Kontakt mit Diesel und Benzin. 2006 erkrankte er an Blasenkrebs. Eine Operation half nichts, der Krebs kam immer wieder. Ein Antrag auf Anerkennung seiner Krebserkrankung als Berufskrankheit und auf Gewährung einer Versehrtenrente wurde abgelehnt. Der Grund: Seine Krebserkrankung hätte angeblich andere Ursachen. Herr T. klagte mithilfe der AK. Die im Verfahren eingeholten Gutachten bewiesen, dass die Arbeit an den Zapfsäulen tatsächlich die Ursache für seine Krebserkrankung war. Seither erhält er eine 50-prozentige Versehrtenrente.

Ein anderer Arbeitnehmer berichtete der AK von Lasurarbeiten mit Chemikalien. Persönliche Schutzausrüstung bekam er keine. Die Folgen: Schwindel, Schweißausbrüche und Gedächtnisprobleme. Der Betroffene musste eine Woche lang medikamentös behandelt werden.

1.800 Tote jährlich

Keine Einzelfälle: 5 bis 8 Prozent aller Krebserkrankungen werden durch krebserregende Arbeitsstoffe verursacht. Jährlich sterben etwa 1.800 Menschen an arbeitsbedingten Krebserkrankungen in Österreich. Das sind 15mal mehr Menschen als bei Arbeitsunfällen und mehr als doppelt so viele, die durch Passivrauchen jährlich ihr Leben lassen müssen.

Veraltete Grenzwerte und mangelnde Schutzmaßnahmen

Der Einsatz gesundheitsgefährdender Arbeitsstoffe in der modernen Arbeitswelt ist gestiegen. Chrom VI in der Eisen- und Stahlindustrie, Holzstaub in der Holzverarbeitung, Cadmium bei der Batterieherstellung, Asbest in der Bauwirtschaft, Diesel-Emissionen (Stapler, LKW, Bagger) oder Lösemittel in Lackierereien. Für einige krebserregenden Stoffe existieren noch gar keine Grenzwerte, viele bestehende Grenzwerte entsprechen längst nicht mehr dem wissenschaftlichen Stand.

„Für die Beschäftigten geht es vor allem darum, dass gefährliche Arbeitsstoffe ordentlich und richtig bewertet werden und wenn möglich, durch ungefährliche Arbeitsstoffe ersetzt werden. Leider sind Schutzmaßnahmen kaum bekannt. Wir fordern deshalb die Umstellung auf risikobasierte Grenzwerte, das bedeutet einen höheren Schutz für alle“, sagt Karin Hagenauer, Leiterin des AK-Referates für ArbeitnehmerInnenschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung.

Eine österreichweite Schwerpunktaktion der Arbeitsinspektion in 300 Unternehmen, in denen krebserregende Arbeitsstoffe zum Einsatz kommen, zeigte, dass ein Drittel die Arbeitnehmerschutz-Bestimmungen nicht einhält. „Es braucht hier vermehrte Kontrollen und wenn es sein muss, auch gesalzene Strafen“ so AK-Präsident Peter Eder, „mit dem Weichspüler ‚Beraten statt Strafen‘ ist dort Schluss, wo die Gesundheit der Beschäftigten auf dem Spiel steht.“

Bewusstseinsbildung alleine reicht nicht

Das heurige Jahr steht im Zeichen mehrerer nationaler und internationaler Kampagnen zum Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen. Wie etwa die EU-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze - Gefährliche Arbeitsstoffe erkennen und handhaben“ . Ziel: Sensibilisierung von Arbeitgebern und Beschäftigten. „Das ist sicher wichtig, reicht aber nicht aus“, so Hagenauer, „wir brauchen auch auf gesetzlicher Ebene Verbesserungen für die Gesundheit der Beschäftigten.“ Zum Beispiel:

  • Rascher Umstieg von TRK (Technische Richtkonzentration)-Werten auf risikobasierte Grenzwerte (damit die Risiken gefährlicher Arbeitsstoffe transparenter werden)
  • Novellierung der Grenzwerteverordnung unter Berücksichtigung aktueller toxikologischer und arbeitsmedizinischer Forschungserkenntnisse der letzten 15 Jahre 

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