26.2.2018
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

AK gegen Vorstoß, Zugang zu Pflegeheimen zu erschweren

Die Überlegungen von Finanzlandesrat Christian Stöckl, den Zugang zu Pflegeheimen erst ab Pflegestufe 4 zu ermöglichen, stößt bei der Arbeiterkammer Salzburg auf Kritik: Die Pflege ist eine öffentliche Aufgabe und darf nicht in den Privatbereich abgeschoben werden. „Das bringt die Angehörigen von Pflegebedürftigen unter großen Druck“, so Eva Stöckl, Leiterin der AK-Abteilung Sozialpolitik. „Bevor über Zugangserschwernisse in Pflegeheimen nachgedacht wird, muss das Angebot von mobilen Pflege- und Betreuungsdiensten ausgebaut und für alle leistbar gemacht werden. Und: Es braucht ein umfassendes Gesamtkonzept mit solidarischer Finanzierung.“  

Die Abschaffung des Pflegeregresses war für die Arbeiterkammer Salzburg eine „Stunde der Gerechtigkeit“. Denn die bisherigen Regelungen waren ungerecht: Oft hing es vom Zufall ab, wann Menschen pflegebedürftig werden und ob dann noch Vermögen vorhanden sind, auf die zurückgegriffen wird. Meist ging es dabei um kleinere Geldbeträge oder eine mühsam ersparte Eigentumswohnung. Wer es sich leisten kann, sorgt meist privat auf anderen Wegen für die spätere, mögliche Pflegebedürftigkeit vor. 

Schon lange vor Abschaffung des Pflegeregresses forderte die AK: „Die Pflege der Zukunft braucht umfassende Lösungen und Konzepte und darf nicht ins Private abgeschoben werden.“ Doch das Gegenteil könnte der Fall sein, sollte Christian Stöckl seine Überlegungen in die Tat umsetzen. „Jetzt den Zugang zu Pflegeheimen zu erschweren ist das falsche Signal“, so die AK-Expertin. „Vor allem in Richtung Frauen, die einen Großteil der unbezahlten Pflegearbeit leisten“. Stattdessen sollte der Finanzlandesrat den Ausbau von mobiler Pflege forcieren – damit sie für alle leistbar wird. 

Professionelle Pflege daheim nicht leistbar

Derzeit müssen sich Pflegebedürftige bei mobilen Diensten der Haushaltshilfe und Hauskrankenpflege von ihrem Einkommen und Pflegegeld mit einer Eigenleistung in der Höhe von mindestens 30 Euro pro Monat und maximal 33,60 Euro pro Stunde beteiligen. 

Einen Zuschuss durch das Land Salzburg gibt es zwar. Aber: Für die öffentliche Zuzahlung zu mobilen Pflegedienstleistungen wird nicht nur das eigene Einkommen, sondern auch das von Haushaltsmitgliedern herangezogen. So werden Pflegedienstleistungen im Ausmaß von 100 Stunden im Monat für Personen mit niedrigen Einkommen oder Pensionen zur finanziellen Unmöglichkeit.  

2016 haben im Jahresdurchschnitt 5.869 Personen mobile Pflege- und Betreuungsleistungen im Bundesland Salzburg in Anspruch genommen (von rund 26.000 Pflegebedürftigen insgesamt). Damit werden aktuell nur rund 22 Prozent der Pflegebedürftigen in Salzburg durch mobile Dienste betreut.

Zugangserschwernisse nehmen Angehörige in die Pflicht

Derzeit gibt es in Salzburg rund 5.000 Bewohnerinnen und Bewohner in den Seniorenpflegeheimen. Rund 2.000 Personen davon bezogen Pflegegeld der Stufe 3 und niedriger. „Die Zugangserschwernisse hätten für die diese Menschen und deren Angehörigen massive Auswirkungen“, so Stöckl. „Nachdem eine professionelle mobile Pflege für viele nicht finanzierbar ist, geraten Angehörige – insbesondere Frauen – unter großen Druck. Die Folgen sind gravierende: erhebliche Einkommensverluste bzw. Einkommensentfall, höhere Armutsgefährdung, und vor allem eine niedrige sozialversicherungsrechtliche Absicherung im Alter.

Ausbauoffensive mobiler Betreuungs- und Pflegedienste

Im Rahmen eines erst kürzlich präsentierten Maßnahmenkatalogs zur Bekämpfung prekärer Arbeit, präsentierte die AK Salzburg auch eine Handlungsempfehlung, wie die Inanspruchnahme von mobilen Betreuungs- und Pflegediensten in Zukunft auf 40 Prozent erhöht werden kann. Das heißt: Bis 2025 soll jeder zweite Pflegebedürftige von mobilen Betreuungsdiensten unterstützt werden – statt wie jetzt nur jeder Vierte. Die Berechnungen zeigen: Investitionen in den Ausbau eines leistbaren Angebots kommen nicht nur den Pflegebedürftigen zu Gute, sondern sie vermeiden auch prekäre Beschäftigung und drängen Frauen nicht mehr aus der Arbeitswelt. Durch den Ausbau könnten zwischen 1.400 bis 2.700 neue Arbeitsplätze in Salzburg entstehen, 800 bis 1.500 direkt in der Pflege.  

AK: Pflege der Zukunft braucht umfassende Konzepte

Pflegevorsorge muss endlich als zentrale öffentliche Aufgabe wahrgenommen werden. Wächst der Bedarf in der Gesellschaft, muss auch das Angebot (mobile Dienste, Tageszentren, Kurzzeitpflege etc.) ausgebaut werden. „Die Pflege der Zukunft braucht umfassende Lösungen und Konzepte“, fordert Eva Stöckl. „Wir sprechen von einer nachhaltigen Finanzierbarkeit und eine solidarische Absicherung, denn jede und jeder kann von Pflegebedürftigkeit betroffen sein. Die Finanzierung muss auf breitere Beine gestellt werden. Auch die wirklich Vermögenden sollen ihren Beitrag leisten, sodass Pflege endlich für alle leistbar wird“, fordert Eva Stöckl.

      Facebook-Funktion aktivieren

      Drucken
      Zu Merkzettel hinzufügen
      TeilenZu Merkzettel hinzufügen

      Verwandte Links

      Zum Seitenanfang
      Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
      Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
      OK