20.10.2017
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Mehr Schatten als Licht: 3.152 Jugendliche in Salzburg ohne Job

Prekäre Jobs, sinkende Einkommen, rückläufige Ausbildungsplätze usw. mit diesen Schieflagen sind die unter 25-Jährigen in Salzburg konfrontiert – wie der aktuelle Jugendmonitor zeigt. Positiv: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosenquote erstmals zurückgegangen. Aber: Noch immer stehen 3.152 Jugendliche ohne Beschäftigung da. „Trotz dieses leichten Aufwärtstrends, besteht kein Grund zur Freude“, betont AK-Präsident Siegfried Pichler. „Jeder junge Mensch ohne Job ist einer zu viel. Die Jugendlichen müssen die Möglichkeit bekommen, dauerhaft am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dazu braucht es einen besseren Zugang zu Bildung und neue Ausbildungsplätze.“ Die Arbeiterkammer geht mit positivem Beispiel voran: Mit der FH Puch-Urstein, dem BFI Salzburg (inkl. Best Practice-Projekt „Lehre mit Matura“) und dem Technischen Ausbildungszentrum Mitterberghütten (TAZ) leistet die AK einen wichtigen Beitrag im Bereich Aus- und Weiterbildung für Salzburgs Jugend.

Seit dem Jahr 2012 analysiert die Arbeiterkammer Salzburg jährlich – mit Hilfe des AK-Jugendmonitors – wichtige Bereiche des Lebens und Arbeitens junger Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Im aktuellen sechsten Bericht zeigt sich, der Abwärtstrend des vergangenen Jahres konnte nicht gestoppt werden. Weiterhin zeigen viele Parameter nach unten: Immer mehr Jugendliche befinden sich in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Die Einkommen sind in den letzten zehn Jahren massiv gesunken. Positive Ausnahme: Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen ist gegenüber dem Vorjahr geringfügig zurückgegangen.

„Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit nimmt die Bildung eine Schlüsselrolle ein. Verschiedenste Studien bestätigen: Je höher die Ausbildung, desto niedriger das Risiko, arbeitslos zu werden“, so Pichler. „Aus diesem Grund muss alles getan werden, um den Jugendlichen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Mit der Ausbildungspflicht bis 18 und der Ausbildungsgarantie bis 25 Jahren wurden wichtige Schritte gemacht. Auch als Arbeiterkammer leisten wir einen Beitrag: Die Fachhochschule Puch-Urstein, das BFI Salzburg (inkl. Lehre mit Matura) und das Technische Ausbildungszentrum Mitterberghütten (TAZ) sind wichtige Einrichtungen im Bereich Aus- und Weiterbildung – wovon viele junge Salzburgerinnen und Salzburger täglich profitieren.“

Beschäftigungsrückgang bei jungen Menschen

Die Zahl der Jugendlichen in Beschäftigung ist gegenüber dem Vorjahr gesunken. Im Jahresdurchschnitt 2016 waren 16.419 Frauen und 19.132 Männer zwischen 15 und 25 Jahren unselbstständig beschäftigt. Im Vorjahresvergleich ist die Zahl somit um 1,8 Prozent zurückgegangen – obwohl die Beschäftigung im Bundesland Salzburg insgesamt leicht gestiegen ist (im Vergleich zu 2015 um plus 1,3 Prozent).

Ausbildung als Schlüssel gegen Arbeitslosigkeit

Erfreulich: Die Arbeitslosenquote, der unter 25-Jährigen, ist gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte zurückgegangen und liegt nun bei 5,7 Prozent. Das heißt: Die Jugendarbeitslosigkeit sank genauso stark wie die Gesamtarbeitslosenquote in Salzburg. In Summe stehen 3.152 Jugendliche ohne Beschäftigung da.

„Der Jugendmonitor macht deutlich, dass Bildung wie eine Schutzimpfung gegenüber Arbeitslosigkeit wirkt“, sagt AK-Bildungsexpertin Sabine Stadler. „Die Arbeitslosenquote von Personen mit nur einem Pflichtschulabschluss beträgt 29 Prozent.“

Dazu kommt: Bildung wird in Österreich zu einem hohen Grad „vererbt“: Die berufliche Tätigkeit, das Ausbildungsniveau, und das Einkommen der Eltern bestimmen die Bildungswahl der Kinder. „Eine Schieflage“, so Siegfried Pichler. „Das Bildungsniveau darf nicht vom Geldbörsel der Eltern abhängen!“

Und: Jugendliche mit nicht deutscher Umgangssprache scheiden besonders häufig frühzeitig aus dem Bildungssystem aus. Am stärksten betroffen sind Mädchen mit Migrationshintergrund.

3.800 Neets in Salzburg

Besondere Aufmerksamkeit muss den sogenannten NEETs (Not in Employment, Education or Training) entgegenbracht werden. Sie sind zwischen 14 und 25 Jahre alt und weder in Arbeit, (Aus-)Bildung oder Training. „Rund 3.800 NEETs gibt es in Salzburg – das sind 5,9 Prozent aller Jugendlichen“, so Sabine Stadler. „Es darf nicht der Fehler gemacht werden, die NEETs als einheitliche Gruppe zu sehen. Die Hintergründe sind sehr verschieden.“

Mehr als ein Fünftel sind arbeitslose frühe Schulabgänger – ein weiteres Fünftel Lehrabsolventen in ländlichen Gebieten, die keine Stelle finden. 18 Prozent sind „ältere“ junge Arbeitslose zwischen 20 und 24 Jahren. Fast ein Sechstel sind junge Mütter mit Migrationshintergrund, „nur“ sieben Prozent junge Mütter ohne Migrationshintergrund. Knapp zehn Prozent sind nach der Schule in der Warteschleife auf Ausbildung oder Job.

Und: NEETs leiden überdurchschnittlich oft an schweren psychischen Erkrankungen. Jeder fünfte Jugendliche mit psychischen Beschwerden zählt zur Gruppe der NEETs.

Weniger Betriebe bildeten 2016 Lehrlinge aus – Trendwende 2017?

Im Jahr 2016 war die Anzahl der Betriebe, die Lehrlinge ausbildeten, rückläufig. „Von den rund 13.000 Betrieben in Salzburg, die mehr als eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter beschäftigen, bilden nur 2.747 (21 Prozent) einen oder mehrere Lehrlinge aus – was ein Minus von 5 Prozent bedeutet“, sagt AK-Arbeitsmarktexperte Florian Preisig.

Im Vorjahresvergleich verlor das Bundesland Salzburg 143 Ausbildungsbetriebe. Am stärksten betroffen waren die Sparten Handel (minus 7 Prozent), Industrie (minus 6 Prozent) und Banken & Versicherungen (minus 5,9 Prozent).

Im Zehnjahresvergleich zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwischen 2006 und 2016 gingen 800 Ausbildungsbetriebe verloren (minus 22,6 Prozent). Den stärksten Rückgang erfuhren die Sparten Tourismus (minus 34,9 Prozent), Handel (minus 32,5 Prozent) und Industrie (minus 23,3 Prozent).

Mit dem neuerlichen Rückgang der Ausbildungsbetriebe sank auch die Anzahl der Lehrlinge – im Vergleich zu 2015 um 2,8 Prozent. Mit Stichtag 31. Dezember 2016 waren im Bundesland Salzburg 8.232 Lehrlingen beschäftigt (2015: 8.467 Lehrlinge).

„Aktuelle Zahlen lassen auf eine mögliche Trendwende hoffen“, so Preisig. „Die Zahl der Lehranfänger im August 2017 ist gegenüber dem Vorjahr um knapp 7 Prozent gestiegen.“ Das ist nach Wien die höchste Steigerung aller Bundesländer (Österreichwert: 2,2 Prozent).

„Trotz des erfreulichen Aufwärtstrends, braucht Salzburgs Jugend mehr Ausbildungsplätze“; fordert der AK-Präsident in Richtung Salzburgs Unternehmen. „Die Vorzeichen stehen gut. Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung muss genutzt werden, um gute Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung zu schaffen. Gelingt es nicht, diese jungen Menschen in das Erwerbsleben zu holen, verspielt unsere Gesellschaft eine Chance, denn die Jugend ist unsere Zukunft.“

Best Practice-Beispiel „Lehre mit Matura“

Eine tolle Möglichkeit für Lehrlinge um am Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß zu fassen, bietet das von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer Salzburg gemeinsam ins Leben gerufenen Projekt „Lehre mit Matura“. Das Förderungsprogramm ermöglicht seit 2008, die Berufsausbildung und gleichzeitig gratis die allgemeine Hochschulreife zu absolvieren. Dieses Modell ist in Salzburg so erfolgreich wie in keinem anderen Bundesland. Seit der Gründung haben 854 Lehrlinge die Matura erfolgreich abgeschlossen. Tolle Neuigkeiten: Am BFI Salzburg gibt es noch die Möglichkeit, sich für dieses Semester einzuschreiben. Nähere Infos auf: www.bfi-sbg.at

Prekäre Jobs am Vormarsch – besonders bei jungen Frauen

Der AK-Jugendmonitor zeigt, dass atypische Beschäftigungsverhältnisse im Trend liegen. Zum Beispiel: Im Jahresdurchschnitt 2016 waren 5.165 Jugendliche bis 25 Jahre geringfügig (maximal 415,72 Euro pro Monat) beschäftigt, gegenüber dem Vorjahr ist der Wert etwa gleich (hoch) geblieben.

„Die unter 25-Jährigen machen immerhin ein Fünftel aller geringfügig Beschäftigten aus. Die Zahlen lassen darauf schließen, dass Jugendliche immer häufiger neben ihrer Ausbildung arbeiten gehen müssen“, berichtet Studienautorin Sabine Stadler. „Mit 61 Prozent sind hier junge Frauen überproportional vertreten.“

Zehn-Jahres-Vergleich: Einkommen sinken

Die Reallöhne junger Menschen sind in den letzten zehn Jahren massiv gesunken. Der Blick auf die Entwicklung der Medianeinkommen in den Jahren 2005 bis 2015 zeigt, dass die unter 19-Jährigen fast fünf Prozent des Reallohns einbüßen mussten. Bei den 25- bis 29-Jährigen sanken die Reallöhne um 1,4 Prozent. Positive Ausnahme: In der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen stiegen die Löhne real um 0,8 Prozent. „Ein ernüchterndes Ergebnis“, so der AK-Präsident. „In diesem Alter ist man gerade dabei, sich eine Existenz aufzubauen. Jeder Euro, der hier fehlt, fällt ins Gewicht.“

Die Rückgänge der Reallöhne bei den jungen Salzburgern lassen sich vor allem durch einen Wandel am Arbeitsmarkt, hin zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen und Teilzeit, erklären. Sabine Stadler: „Gerade in den Branchen, wo die Löhne traditionell niedriger sind und immer mehr Teilzeit gearbeitet wird, wie etwa Handel und Tourismus, sind fast 40 Prozent der Jugendlichen beschäftigt.“

Junge Frauen hinken beim Einkommen hinterher

Neben dem Reallohnverlust wird der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern immer größer: Während junge Männer bis 19 Jahren ein Bruttomedianeinkommen von 1.216 Euro erzielen, beträgt jenes der jungen Frauen in derselben Altersgruppe um 163 Euro brutto monatlich weniger (1.053 Euro). In der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen beträgt der Unterschied sogar 321 Euro brutto. 

AK-Forderungen für eine Kehrtwende

AK-Präsident Siegfried Pichler: „3.152 Beschäftigungslose unter 25 Jahren machen es deutlich: Die aktive Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit hat noch immer höchste Priorität in Salzburg. Junge Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, am Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß zu fassen. Dafür braucht es verstärkte Qualifikations- und Bildungsmaßnahmen, bessere Betreuungs- sowie Beratungsangebote für arbeitslose Jugendliche. Die Ausbildungspflicht bis 18 Jahren und die Ausbildungsgarantie bis 25 Jahren sind wichtige Schritte in die richtige Richtung. Doch es gibt noch viel zu tun!“

Um die Rahmenbedingungen für junge Menschen zu verbessern, fordert die AK:

  • Maßnahmen zur Erhöhung der Qualität in der Lehrlingsausbildung: Ursachenforschung und Maßnahmen für Lehrberufe mit überdurchschnittlich hohen Abbruchraten; Anspruch auf ein Teilzeitlehrverhältnis und die Verlängerung der Lehrzeit nach Geburt eines Kindes, Optimierung der Förderungen für die betriebliche Ausbildung von Lehrlingen; verpflichtende Weiterbildung der Ausbildner.
  • Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung für Kinder unter 3 Jahren: Es braucht ein kostenloses zweites Kindergartenjahr.
  • Beseitigung der Bildungsbarrieren im Schulsystem durch Einführung von (verschränkten) Ganztagesschulen und der Gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen.
  • Die Schulpflicht neu denken: In der Pflichtschule Rechtsanspruch auf Schulbildung bis zum Erreichen der Mindeststandards.
  • Intensivierung der Berufsorientierung in den Schulen ab der 7. Schulstufe.
  • Ende der Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Gezielte Aufklärung über Schulformen und Ausbildungsmöglichkeiten für Eltern und Jugendliche; Ausbau der Berufsorientierung sowie einer Bildungs- und Berufsberatung mit niederschwelligem Zugang; Informationsoffensive in Betrieben, um diskriminierendem Rekrutierungsverhalten vorzubeugen.
  • Aktive Bekämpfung der Jugend-Arbeitslosigkeit mit entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen: qualitative Betreuung und Beratung; alternative niederschwellige Lernformen wie die Produktionsschule, Einführung von Case-Management Systemen für benachteiligte Gruppen.
  • Schaffung von fairen gesetzlichen Rahmenbedingungen für (Pflicht)Praktika mit dem Ziel der Sicherung eines fairen Berufseinstiegs und der Zurückdrängung des Phänomens „Generation Praktikum“.
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer.
  • Anhebung der Mindestsicherung auf eine existenzsichernde Höhe, ausreichende Ressourcen für die Betreuung der Mindestsicherungsbezieher und bedarfsgerechte arbeitsmarktpolitische Hilfen.

Download: Jugendmonitor 2017

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