27.11.2017
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Aktuell sind die Wirtschaftsdaten gut, aber die Einkommen bleiben niedrig

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Beschäftigung im Pongau wuchs mit 0,9 Prozent schwächer als im Salzburg-Schnitt. Auch die durchschnittlich zweitniedrigsten Netto-Einkommen in Höhe von 1.277 Euro im Bundesland bleiben ein Problem. Dafür steht der Bezirk bei der Arbeitslosigkeit – die Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent ist nach dem Tennengau die niedrigste – und der Entwicklung etwa der Tourismusbranche sehr gut da. Die Vollzeit-Einkommen stiegen mittelfristig über dem Schnitt. Aber wegen immer mehr Teilzeit-Arbeit kommt am Ende doch ein Minus heraus. „Die positiven Entwicklungen im Bezirk kommen nicht bei den Menschen an. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der aber besonders bei den Einkommen seine Schattenseiten hat“, so AK-Präsident Siegfried Pichler und AK-Vizepräsident Peter Eder im Rahmen ihres Besuchs im Bezirk am 24. November.

Die Wirtschaft im Pongau entwickelte sich zwischen Jänner 2016 und Jänner 2017 ausgeglichen, stabil und mit nur kleineren positiven oder negativen Ausreißern. Die Beschäftigung wächst, wenn auch mit 0,9 Prozent unter dem Landesschnitt von 1,5 Prozent.

Dafür ging die Arbeitslosigkeit mit minus 8,6 Prozent weit stärker zurück als in ganz Salzburg mit minus 3,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote im Bezirk ist mit 5,6 Prozent nach dem Tennengau die zweitniedrigste

Die Arbeitslosigkeit schwankt im Pongau je nach Saison stark. Im April und November – der Nebensaison – sind 3.000 arbeitslos. Im Juli und August weniger als 1.400. Seit Mitte 2014 sinkt die Arbeitslosigkeit konstant. Im Schnitt waren heuer im 1. Halbjahr 2.118 Menschen ohne Arbeit. Im Vergleich zu 2016 ein Rückgang um 198 Personen.

Aber: Vor dem Höhepunkt der Banken- und der dadurch ausgelösten Wirtschaftskrise waren viel weniger Menschen ohne Arbeit. Heute sind 507 Personen oder 31,5 Prozent mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als 2008.

Säulen des Arbeitsmarkts: Industrie, Gewerbe und Tourismus

Zwischen Jänner 2016 und Jänner 2017 entstanden 316 neue Arbeitsplätze, hauptsächlich in St. Johann (215), Bischofshofen (115) und Flachau (64). Auch Wagrain (47), Werfen (35), Pfarrwerfen (33) und Bad Gastein (27) bieten jetzt deutlich mehr Arbeitsplätze. Starke Rückgänge gab es in Radstadt (minus 127), Altenmarkt (minus 70) und Bad Hofgastein (minus 50).

Wichtige Stützen des Pongauer Arbeitsmarkts sind Industrie, Gewerbe und Fremdenverkehr. Im Winter arbeitet jeder Vierte im Tourismus, im Sommer jeder Fünfte. Gegenüber 2016 legten die Wirtschaftsbrachen Beherbergung und Gastronomie (127 neue Stellen), Gesundheits- und Sozialwesen (124 neue Stellen) und Handel (118 Stellen) am stärksten zu.

Im Erziehungs- und Unterrichtsbereich gingen 155 Arbeitsplätze verloren. Im Produktionsbereich 43.

Beschäftigung wuchs langfristig relativ schwach

Nicht so rosig ist die langfristige Entwicklung im Bezirk in den letzten 5 Jahren. Zwischen Jänner 2012 und Jänner 2017 entstanden zwar 1.295 Arbeitsplätze. Dieser Zuwachs von 3,7 Prozent ist aber der schwächste im ganzen Bundesland, das im Schnitt auf 5 Prozent kommt. Vor allem die Männerbeschäftigung stieg mit 2,1 Prozent nur schwach. Dafür arbeiten jetzt 5,4 Prozent mehr Frauen – oft in Teilzeit.

Diese Gemeinden bieten jetzt mehr – oder weniger – Jobs:

In den vergangenen 5 Jahren konnten vor allem Flachau (plus 323), St. Johann (plus 274) und Wagrain (plus 244) bei der Beschäftigung stark zulegen. Außerdem St. Veit (216), Großarl (187) und Werfenweng (107).

Starke Rückgänge gab es in dieser Zeit in Altenmarkt (minus 282), Radstadt (minus 249) und Bad Gastein (minus 81).

Was das Wachstum nach Branchen betrifft, so wuchsen ebenso wie im kurzfristigen Vergleich langfristig vor allem Tourismus (703 neue Arbeitsplätze), Gesundheitswesen (225) und Handel (225). Deutliche Rückgänge gab es mit 597 Stellen weniger in der Produktion. Am Bau gingen 59 Stellen verloren.

Tourismus: Ein Drittel aller Gäste nächtigt im Pongau

Der Tourismus ist und bleibt also die stärkste Säule der Wirtschaft im Pongau und hat den Bezirk in den vergangenen Jahren krisenfest gemacht. Nur der Pinzgau profitiert vergleichbar gut von dieser Branche. Mit 9,4 Millionen entfällt ein Drittel aller Nächtigungen im Bundesland Salzburg auf den Pongau – 118 pro Einwohnerin und Einwohner des Bezirks. Mit 27,7 Millionen Übernachtungen wurden im Land Salzburg zudem bis Oktober 2016 sämtliche Rekorde gebrochen.

Auch in der ausgelaufenen Saison 2016/2017 kann der Pongau wohl wieder ein leichtes Plus erreichen. Vor allem die Sommer-Nächtigungen schließen zur traditionell gut gebuchten Wintersaison auf. Der Tourismus im Pongau steht mittlerweile auf  zwei soliden Saisonbeinen. Das Verhältnis Winter-Sommer-Nächtigungen liegt bei 60 zu 40 Prozent.

10 der 70 stärksten Nächtigungsgemeinden in Österreich liegen im Pongau. Und das bei 25 Gemeinden im Bezirk. Spitzenreiter ist Flachau mit 1.168.005 Übernachtungen. Dahinter Bad Gastein (1.122.106) und Bad Hofgastein (1.059.178).

Im Tourismus wird mehr und mehr Geld verdient ...

Dazu kommt: Es wird immer mehr in Hotels statt Privat-Zimmern übernachtet. Und: In immer höheren, wertschöpfungsstärkeren, Kategorien. Der Tourismus boomt nicht nur in der Menge, sondern auch finanziell. Für schlechte Stimmung besteht also kein Anlass. Die bei der Steuerreform 2015 befürchteten Einbußen wegen einer höheren Mehrwertsteuer auf Nächtigungen haben sich ebenso nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Neuerliche Buchungsrekorde zeichnen sich ab. Dennoch wollen ÖVP, FPÖ und NEOS die höhere Mehrwertsteuer, die zu 77 Prozent von ausländischen Gästen eingehoben wird – wieder rückgängig machen. „Das ist uns völlig unverständlich so AK-Präsident Siegfried Pichler und AK-Vizepräsident Peter Eder. Gerade die immer bessere Wertschöpfung im Tourismus sollte verstärkt den Beschäftigten zu Gute kommen.

Trotzdem hat der Pongau die zweitniedrigsten Gehälter

Denn mit der guten Lage im Tourismus geht leider wie eh und je das Problem niedriger Einkommen einher. Im Pongau verdienen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Schnitt 1.264 Euro netto pro Monat. Der Lohnanstieg im Vergleich zum Vorjahr liegt mit real 0,6 Prozent weit unter dem Landessschnitt von 1 Prozent und ist der zweitniedrigste. Zieht man nur die ganzjährig Vollzeitbeschäftigten heran, dann hat der Pongau mit 0,8 Prozent sogar das geringste Lohnwachstum (Land Salzburg 1,2 Prozent) und liegt mit 1.949 Euro wiederum knapp vor dem einkommensschwächsten Bezirk, dem Pinzgau (1.935 Euro pro Monat netto). Zum Vergleich: Im Flachgau liegt das Einkommen bei 2.226 Euro, mit Teilzeit immer noch bei 1.601 Euro. Im Pongau liegt das Einkommen wegen dem dominanten Dienstleistungssektor aus Tourismus und Handel 12 Prozent unter dem Landesschnitt und 21 Prozent unter jenem im Flachgau.

Wegen Teilzeit-Arbeit langfristig sogar Minus bei Einkommen

Seit 2012 stiegen die Durchschnittseinkommen netto um 4,2 Prozent oder 51 Euro. Berücksichtigt man auch hier die Teuerung, dann bleibt den Menschen im Pongau unter dem Strich sogar ein reales Minus von 0,4 Prozent. Ohne Teilzeitjobs stieg das Nettoeinkommen aber um 105 Euro oder 5,7 Prozent. Hier bleibt unter dem Strich ein Plus von 1,1 Prozent – nur der Tennengau erreichte einen noch höheren Zuwachs (Land: 0,7 Prozent).

8.196 Beratungen – über 900.000 Euro für die Menschen im Pongau

Die AK ist ein starker Partner und eine starke Stimme für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Bezirk. Von Jänner bis Ende September 2017 führte die Bezirksstelle im Pongau 8.196 Rechtsberatungen durch – davon 1.472 persönlich und 5.695 telefonisch. „Der Löwenanteil entfällt mit 5.815 persönlichen und telefonischen Gesprächen auch 2017 auf den Bereich Arbeitsrecht“, sagt Bezirksstellenleiter Franz Grübl. Er macht etwa 71 Prozent aller Beratungen aus. Bis September wurden 2017 in 183 Interventionen 138.157 Euro für betroffene Beschäftigte erkämpft. In 34 abgeschlossenen Klagen vor Gericht wurden 90.779 Euro erstritten. Im Rahmen der Aktion Steuerlöscher in 1.029 Beratungen wurden außerdem noch einmal 673.485 Euro vom Finanzministerium für die Arbeitnehmer zurückgeholt. Zusammen mit der allgemeinen Beratung in der Bezirksstelle brachte die AK den Pongauern also 902.421 Euro.

Schwarzarbeit zu Lasten der Gemeinschaft nimmt zu

Aktuell besonders ärgerlich im Bezirk: Die Schwarzarbeit nimmt wieder zu. Zwei Kellnerinnen wurden über längere Zeit nur Teilzeit angemeldet. Sie arbeiteten aber bis zu 7 Tage und weit über 40 Stunden pro Woche. Ein Teil des Gehaltes wurde schwarz und ein erheblicher Teil überhaupt nicht bezahlt. „Das ist nicht nur im Gastgewerbe so. Auch im Installationsgewerbe, Baugewerbe und Baunebengewerbe nimmt diese Praxis wieder zu“, kritisiert Franz Grübl.

Psychische Erkrankungen sind in der Beratung der AK ebenfalls wieder stärker Thema – besonders die Angst vor dem Verlust der Arbeit setzt den Menschen zu. Der Druck am Arbeitsplatz steigt – und vielen reicht das Einkommen nicht zum Auskommen.

„Es braucht gute Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung und voller Absicherung, ohne die Gemeinschaft durch Schwarzarbeit zu hintergehen. Denn dann zahlen alle Ehrlichen drauf!“, stellen AK-Präsident Siegfried Pichler, AK-Vizepräsident Peter Eder und Franz Grübl klar.

Weitere Fälle aus dem Bezirk:

  •  Eine in einem Sportstüberl beschäftigte Pongauerin musste fast rund um die Uhr hackeln, bekam aber nur einen Hungerlohn bezahlt. Zunächst eine Pauschale von 500, dann von 800 Euro – wohlgemerkt für Arbeit von 11 bis oft 22 Uhr. Zusätzlich durfte sie eine Wohnung des Dienstgebers nutzen. Die AK rechnete nach und ging vor Gericht. Der Chef bemühte 2 Rechtsinstanzen. Letztendlich bekam aber die Arbeitnehmerin Recht und fast 38.000 Euro.

  • Eine weitere Pongauerin arbeitete in einem Wettbüro und wechselte sich dort mit nur einem anderen Dienstnehmer ab. Weil sie auch noch reinigen musste, begann der Dienst immer 30 Minuten vor der Öffnung. So und wegen der mauen personellen Ausstattung des Betriebs sammelte sie zahlreiche Überstunden – und wurde dann ohne triftige Gründe fristlos entlassen. Aber: Die Arbeitnehmerin hatte Arbeitsaufzeichnungen geführt und konnte im Gegensatz zum Dienstgeber alles dokumentieren. Besonders krass: Ihr Kollege sollte nach der Kündigung noch intensiver arbeiten. Bei Weigerung wurde mit Kündigung gedroht. Das ließ der Arbeitnehmer nicht auf sich sitzen und kontaktierte die AK. Auch ihm wurde dann – zu Unrecht – fristlos gekündigt. Weil der Arbeitgeber sich nicht einigen wollte, zogen die beiden betroffenen Beschäftigten mit Hilfe der Arbeiterkammer vor Gericht – und bekamen Recht. Der Arbeitgeber musste 5.700 und 6.600 Euro zahlen – In Summe erhielten beide also ausstehende 12.300 Euro für unbezahlte Mehrarbeit und als Kündigungsentschädigung.

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