25.02.2019

Statistik Austria Mikrozensus: Wovor fürchtet sich diese Regierung?

Nach der Arbeitszeitverlängerung auf 60 Stunden die Woche, fragt die Regierung lieber nicht nach den Auswirkungen. Fragen zur Zufriedenheit mit Arbeitszeit und Arbeitsorganisation wurden kurzerhand gestrichen:  „Das ist schlicht und einfach skandalös. Offenbar ist man gar nicht an interessiert daran, wie es den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern jetzt geht und lässt unliebsame und unbequeme Fragen lieber weg“, kritisiert AK-Präsident Peter Eder dieses neue Beispiel von „Message control“.

Mitten in die Diskussion um die Debatte der Unabhängigkeit der Statistik Austria gibt es jetzt neue Aufregung: Ausgerechnet Fragen zur Zufriedenheit mit der Arbeitszeit wurden vom Sozialministerium kurzerhand aus der wichtigen Mikrozensus-Erhebung  der Statistik Austria gestrichen. Diese wären nach 2004 und 2015 heuer wieder vorgesehen gewesen. „Augenscheinlich fürchtet sich die Regierung vor den Ergebnissen, die eine Befragung über Arbeitszeitgestaltung und Arbeitsorganisation bringen könnte“, sagt AK-Präsident Peter Eder. Um gute Entscheidungen zu treffen, braucht es gute Grundlagen. Trifft man schlechte Entscheidungen, erhebt man offenbar lieber keine Grundlagen: „Anstatt zu den eigenen politischen Taten wie der 60-Stunden-Woche zu stehen, die ja aus Sicht der Regierung nur im Sinne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind, traut man sich nicht den Wahrheitsbeweis anzutreten“, kritisiert Eder.  

Regierung übt sich in staatlicher Informationskontrolle

Bereits 2004 und 2015 wurden im Rahmen des Mikrozensus, der viermal im Jahr erhoben wird, die Zufriedenheit mit „Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung“ abgefragt. 2019 wäre dieser Themenschwerpunkt wieder vorgesehen gewesen. Dabei sind folgende Fragen kurzfristig aus dem Fragebogen entfernt worden:  

  • Wird Ihr Arbeitstag durch längere unbezahlte Pausen oder Wartezeiten von mindestens einer Stunde unterbrochen, z.B. wegen Schließzeiten oder geteilten Diensten?
  • An wie vielen Tagen pro Woche arbeiten Sie normalerweise in Ihrer Haupttätigkeit?
  • Können Sie bitte schätzen, an wie vielen Tagen pro Woche Sie in den letzten vier Wochen gearbeitet haben?
  • Sie haben angegeben, dass Sie Teilzeit arbeiten. Wie ist Ihre Arbeitszeit im Vergleich zur Vozeitarbeit geregelt? Sie arbeiten ...
  • Passt Ihre Arbeitszeitgestaltung im Allgemeinen sehr gut, ziemlich gut, weniger gut oder gar nicht gut zu Ihren persönlichen Lebensumständen?
  • Wie lange im Vorhinein kennen Sie Ihre Arbeitszeiten oder Ihren Dienstplan normalerweise?
  • Besteht in Ihrem Arbeitsvertrag eine Vereinbarung, dass Überstunden (oder Mehrstunden) pauschal abgegolten werden, wie z.B. ein All-In-Vertrag oder eine Überstundenpauschale? Welche Vereinbarung ist das?

„Für eine langfristige Beurteilung und eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse aus den vorherigen Erhebungen ist eine Kontinuität der gestellten Fragen unerlässlich“, sagt AK-Arbeitsmarktexperte Florian Preisig. Für ihn gibt es keinen sachlichen Grund,  gerade jetzt die Fragen zur Zufriedenheit mit der Arbeitszeit und zu den All-in Verträgen zu streichen.

„Dieses Vorgehen erinnert mehr an staatliche Informationskontrolle von nicht-demokratischen Staaten, als an faktenbasierte und sachorientierte Politik, wie sie uns die Regierung vorgaukeln will. Es geht um den Versuch, potentiell negative Nachrichten schon im Vorfeld zu kontrollieren“, so AK-Präsident Peter Eder. Die fadenscheinige Argumentation, das dadurch 50.000 Euro gespart würden, sei angesichts von Ausgaben für neue Generalsekretäre (bis zu 10 Mio. Euro) oder den Ausgaben für das Foto auf der E-card (15 Mio. Euro) „armselig“.

„Wir werden uns jetzt erst recht mithilfe des AK-Arbeitsklimaindex, Fragen zur Arbeitszeit genau ansehen und die Ergebnisse veröffentlichen“, kündigt  der AK-Präsident an.  

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