10.5.2021

Rezepte aus der Mottenkiste schaffen keine Arbeitsplätze

Seit Ausbruch der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie nie zuvor. Arbeiterkammer und Gewerkschaften begrüßen die Forderung des Wirtschaftsbundes nach einem Neustart der Wirtschaft, um die Menschen endlich wieder zurück in die Beschäftigung zu bringen. Abseits des gemeinsamen Ziels nach einem wirtschaftlichen Comeback, hören die Gemeinsamkeiten jedoch auf. „Mit Retro-Rezepten kann die Krisenbewältigung nicht gelingen. Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation den Arbeitssuchenden Arbeitsunwilligkeit zu unterstellen und mit Leistungskürzungen zu drohen, ist grotesk“, bringt es AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder auf den Punkt. „Im Laufe des vergangenen Jahres waren 30.000 Menschen arbeitslos sowie über 100.000 in Kurzarbeit und haben Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Die Krise zeigt: Es kann jeden treffen.“

Aktuell sind rund 22.000 Menschen, gut ein Viertel mehr als im April 2019, arbeitslos gemeldet. Sie müssen teils seit mehr als einem Jahr mit dem niedrigen Arbeitslosengeld im teuren Festspiel-Bundesland über die Runden kommen. Die Aufnahme einer neuen Beschäftigung fällt besonders schwer, weil auf ein offenes Stellenangebot knapp 4 Arbeitslose kommen. Besonders dramatisch ist die Lage aktuell im Bereich Beherbergung und Gastronomie. 360 sofort verfügbaren Stellen stehen 7417 Arbeitssuchende und Schulungsteilnehmern gegenüber. Demnach kommen hier 21 Arbeitssuchende auf eine offene Stelle. „Eine erbarmungslose Verschärfung der Zumutbarkeitsbestimmungen auf 3 Stunden je Fahrtrichtung ist keine Antwort auf den generellen Mangel an offenen Stellen“, weiß AK-Präsident Eder. Er gibt zudem zu bedenken, dass ein degressives Arbeitslosengeld vor allem Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, mit Behinderungen oder Ältere treffen würde. „Es droht die soziale Spaltung, wenn Menschen, die es am Arbeitsmarkt ohnehin nicht leicht haben, künftig weniger Arbeitslosengeld erhalten“, so Peter Eder.

Für den AK-Präsidenten ist klar: Aufgrund des aktuellen Überhangs an arbeitssuchenden Menschen liegt es wohl oft an den Unternehmen, wenn die Bewerbungen ausbleiben. „Die Betriebe hatten mehr als ein Jahr Zeit, um sich attraktive Angebote für künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu überlegen. Statt jetzt Verschärfungen zu fordern, hätten sie Initiative zeigen sollen.“

Um die Wirtschaft endlich wieder anzukurbeln und Arbeitssuchende vor Armut zu schützen, erneuert AK-Präsident Peter Eder die AK/ÖGB-Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes. „Wir wissen, dass Arbeitssuchende jeden Euro zum Leben brauchen. Eine Erhöhung macht Sinn, da jeder zusätzliche Euro in den Konsum fließt, die Wirtschaft stärkt und Arbeitsplätze sichert.“ Im Kampf gegen den Fachkräftemangel regt Eder zudem den Ausbau der Qualifizierungsmaßnahmen von Arbeitslosen sowie ein engagiertes staatliches Konjunkturprogramm an. 

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