26.08.2021

Pflegenotstand: hausgemachte Probleme endlich angehen

Die Arbeiterkammer macht seit Jahren auf den Pflegekräftemangel aufmerksam – so etwa nach 2 groß angelegten Befragungen des SALK-Personals. „Die Probleme sind bekannt. Es ist erschütternd, dass die Verantwortlichen ihr eigenes Versagen nicht eingestehen wollen. Offenbar wird die Pandemie vorgeschoben, um von der eigenen Untätigkeit abzulenken“, findet AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder harte Worte. „Bei der Präsentation der Befragungsergebnisse Anfang Juni 2021 wurden auch unsere Lösungsansätze vorgestellt. Seitdem ist diesbezüglich allerdings rein gar nichts passiert.“

Der „Weckruf“ des Coronakrisenstabs belegt aus Sicht von AK-Präsident Peter Eder die Probleme und Versäumnisse, auf die die AK seit Jahren hinweist. So wird berichtet, dass aktuell in Salzburgs Spitälern 279 Betten gesperrt sind. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf“, so Eder. Die AK warnt seit Jahren vor einem drohenden Pflegekräftemangel – und hat in diesem Zusammenhang bereits zwei Mal die SALK-Beschäftigten zu ihren Arbeitsbedingungen befragt und in weiterer Folge auf die schlechten Ergebnisse aufmerksam gemacht. Wie schon 2018 waren die Ergebnisse im Juni 2021 ernüchternd: 60 Prozent der Beschäftigten fühlen sich am absoluten Belastungslimit. Insgesamt jede/r Zweite, in der Pflege sogar 2 von 3, klagen über extremen Zeitdruck. „Als Hauptgrund dafür wird der Personalmangel genannt. Die daraus resultierenden schwierigen Arbeitsbedingungen führen zu einem Ausstieg aus der Branche bzw. halten junge Menschen von einem Wechsel in die Pflege ab. Ein Teufelskreis“, erklärt Peter Eder.

„Corona hat das Problem nicht geschaffen, sondern verschärft. SALK-Geschäftsführer Sungler darf sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen, indem er die Pandemie vorschiebt. Die präsentierten Forderungen nach schnelleren Drittimpfungen für Risikogruppen und Spitalspersonal sowie eine verschärfte FFP2-Masken-Pflicht mögen aus epidemiologischer Sicht richtig sein, den massiven Fachkräftemangel lösen sie jedoch nicht“, weiß der AK-Präsident.

Für Eder ist die Untätigkeit der Verantwortlichen absolut nicht nachvollziehbar, zumal die Problematik allen Seiten bekannt ist. So hat die AK gemeinsam mit dem Land Salzburg und dem AMS im Frühjahr mit großem finanziellen und organisatorischen Aufwand einen Diplomausbildungslehrgang am BFI aus der Taufe gehoben. „Es gibt keinen Grund, weshalb Landeshauptmann-Stellvertreter Stöckl nicht schon längst an der Fortführung dieses Erfolgsmodells arbeitet“, sagt Eder. Darüber hinaus braucht es weitere kreative Ansätze, da es ohnehin drei Jahre dauert, bis das ausgebildete Personal zu einer Entspannung am Arbeitsmarkt beitragen kann.

DAS BRAUCHT ES GEGEN DEN FACHKRÄFTEMANGEL

In diesem Zusammenhang erneuert Eder die im Juni gestellten Forderungen zur Entlastung des Personals und zur Attraktivierung des Berufs. Diese wurden im Rahmen der Präsentation der SALK-Befragung gemeinsam mit der Belegschaftsvertretung erarbeitet.

Deutlich mehr Stammarbeitsplätze: Personalaufstockung im dreistelligen Zahlenbereich

  • Transparentes und arbeitnehmerfreundliches Personal-Berechnungssystem: Die derzeit verwendeten Systeme bilden die Realität des Personalbedarfs nicht ab. Deshalb müssen in Abstimmung mit dem Betriebsrat Tools eingeführt werden, die eine praxisnahe Neubewertung der Arbeit ermöglichen
  • Dienstplansicherheit in der Pflege erhöhen: Rufbereitschaften, bzw. Einspringerdienste begrenzen, damit die Beschäftigten ihre familiären Verpflichtungen und Freizeit besser planen können
  • Verbesserter Kündigungsschutz: Angleichung an die Landesbediensteten, bei denen nach 2 Jahren ein Kündigungsschutz wirksam wird (in den SALK sind das derzeit 7 Jahre)
  • Stärkere Wahrnehmung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers in Fällen von Übergriffen auf die Belegschaft

„Unsere Forderungen wurden vor drei Monaten präsentiert. Geschehen ist seitdem leider rein gar nichts“, bringt es Eder auf den Punkt. „Es kann nicht sein, dass Beschäftigte unter immer schwierigeren Arbeitsbedingungen leiden. Auch die Patientinnen und Patienten haben sich die bestmögliche medizinische Versorgung verdient. Die Verantwortlichen müssen endlich tätig werden“, so AK-Präsident Peter Eder abschließend.

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