11.5.2021

Neue kostenlose AK-App erleichtert richtige Pflegegeld-Einstufung

Das Pflegegeld ist eine finanzielle Unterstützung und deckt einen Teil jener Kosten, die durch erhöhten Pflege- und Betreuungsaufwand entstehen. Der Weg zur richtigen Einstufung ist jedoch oft steinig, wie die Erfahrungen der AK-Sozialrechtsberatung zeigen. Erleichterung schafft ab sofort die kostenlose „Mein Pflegegeld“-App der AK Salzburg. „Die Pflege eines geliebten Menschen ist eine herausfordernde Aufgabe, die viel Zeit und Energie bedarf“, weiß AK-Präsident Peter Eder. „Unsere App spart viel Zeit, denn durch die übersichtliche Dokumentation lässt sich der Bedarf klar belegen und somit das zustehende Pflegegeld einfacher durchsetzen.“

Gute Nachrichten für alle pflegebedürftigen Menschen sowie deren Angehörige. Rechtzeitig zum morgigen Tag der Pflege steht die „Mein Pflegegeld“-App der AK Salzburg für Android und iOS zum Download bereit. Die neue App hilft die laufende Betreuungs- und Pflegearbeit einfach zu dokumentieren und eine rasche Übersicht über einen möglichen Pflegegeldanspruch zu erhalten. Die Ergebnisse können abgespeichert, ausgedruckt und verschickt werden. „Die umfassende und längerfristige Dokumentation ist wichtig, um den tatsächlichen Pflegealltag belegen zu können. Gutachterinnen und Gutachter, die den Pflegebedarf ermitteln, können diese als Entscheidungsgrundlage verwenden, um die zustehende Pflegegeldhöhe richtig zu berechnen“, weiß Eva Stöckl, Leiterin der sozialpolitischen Abteilung der AK, „das korrekte Ausfüllen und Dokumentieren auf Papier war bisher mühsam, umständlich und erforderte viel Zeit. Mit der ,Mein Pflegegeld‘-App schaffen wir Abhilfe.“

„Mein Pflegegeld“ ermittelt zustehende Pflegegeldstufe

Weitere Vorteile der App: Durch die Dokumentation des täglichen Pflegebedarfs nach Kategorien, Tätigkeiten und Art der Unterstützung, bekommen Nutzer rasch und unkompliziert eine Ersteinschätzung über die zustehende Pflegegeldstufe. Das ist wichtig, da viele Betroffene zu niedrig eingestuft sind – wie die Erfahrungen aus der AK-Beratungspraxis zeigen. Die falsche Einstufung führt nicht nur zu finanziellen Einbußen, sondern auch zu Problemen, weil andere Sozialleistungen wie Selbst- und Weiterversicherungsmöglichkeiten pflegender Angehöriger oder der Zugang zu stationärer Langzeitpflege damit verknüpft sind. Eva Stöckl weiß: „Wenn der Pflegeaufwand gut belegt werden kann, ist die Erfolgsquote bei den Gerichtsvertretungen durch die AK hoch.“

AK verhalf zu 162,50 Euro Pflegegeld monatlich

Dies zeigt ein aktueller Fall aus dem Beratungsalltag: Die über 80-jährige Frau S. leidet seit einer Hirnblutung vor mehreren Jahren unter kognitiven Beeinträchtigungen, die sich mit der Zeit verstärkt haben. Ihrem Gatten war es bis vor kurzem möglich, sich und seine Gattin selbst zu versorgen. Da mittlerweile selbst die Unterstützung durch den Sohn nicht mehr ausreicht, wurde Pflegegeld beantragt. Dieses wurde von der PVA jedoch abgelehnt. Mit Hilfe der AK erhoben Frau und Herr S. Klage – und bekamen Recht. Statt der von der PVA angenommenen 50 Stunden Pflegebedarf pro Monat, wurden im Gutachten – dank gut dokumentierter Unterlagen – 80 Stunden bestätigt und Pflegegeldstufe 1 in Höhe von 162,50 Euro zuerkannt.

In 80 Fällen insgesamt 1 Millionen Euro erkämpft

Im vergangenen Jahr berieten die Expertinnen und Experten der AK mehr als 200 Mal zum Thema Pflegegeld. In etwas mehr als 100 Verfahren vertrat die AK die Betroffenen vor Gericht und bekam in 80 Prozent der Fälle Recht. Die dadurch erstrittene Summe beträgt pro Fall im Schnitt 12.000 Euro, wenn davon ausgegangen wird, dass das Pflegegeld im Schnitt 5 Jahre bezogen wird und der erstrittene Durchschnittsbetrag 200 Euro monatlich beträgt. Gesamt wurde somit eine Summe von 1 Million Euro für die Betroffenen durchgesetzt.

Die gerichtlichen Interventionen haben sich finanziell bezahlt gemacht, waren jedoch mit einem hohen Dokumentationsaufwand verbunden. Dieser Aufwand fällt mit der neuen „Mein Pflegegeld“-App zwar nicht weg, wird durch die elektronische Abwicklung jedoch enorm erleichtert.

Angehörige entlasten – mobile Pflege ausbauen

Neben dem Aspekt der korrekten Pflegegeldeinstufung ist es der Arbeiterkammer wichtig, dass pflegende Angehörige generell entlastet werden. „Hier braucht es einen massiven Ausbau professioneller mobiler Pflegeangebote. Diese Investitionen entlasten nicht nur Pflegebedürftige und Angehörige, sondern machen auch wirtschaftspolitisch Sinn“, weiß Eder. „Unsere Berechnungen zeigen, dass bei einer Erhöhung des Versorgungsgrads von 22 Prozent auf 40 Prozent bis 2025 rund 1.400 Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, rund 800 davon in der Pflege“, so Eder.

Der AK-Präsident weist darauf hin, dass der Bedarf an Pflegekräften auch abseits der mobilen Pflege enorm ist. So fehlen in Salzburg bis zum Jahr 2024 insgesamt 880 Menschen in der Pflege. Um gegenzusteuern, hat die AK vergangene Woche gemeinsam mit dem Land Salzburg und dem AMS eine Ausbildungsinitiative am BFI gestartet. Bei diesem Projekt wird der Umstieg in die Pflege ermöglicht, indem Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch ein Stipendium zusätzlich zur AMS-Leistung finanziell abgesichert sind.

Um dringend benötigte Verbesserungen in diesem herausfordernden Berufsfeld zu erzielen, unterstützt die Arbeiterkammer zudem eine Petition von Gewerkschaft, Betriebsrätinnen und Betriebsräten sowie Personalvertreterinnen und Personalvertretern an die Salzburger Landesregierung. Diese wird am Tag der Pflege gestartet und kann auf https://blog.oegb.at/petition/salzburg/ unterzeichnet werden.

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