16.12.2021

AK-Test: Kinderhandy-Tarife enttäuschten Erwartungen

Längst hat moderne Technik Einzug in heimische Kinderzimmer gehalten. Kein Wunder, dass bei vielen Kindern das erste eigene Mobiltelefon ganz oben auf dem Zettel ans Christkind steht. Die Handyanbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und eigene Tarife für Kinder entwickelt, die von der AK Salzburg rechtzeitig zum Weihnachtsfest unter die Lupe genommen wurden. Ernüchterndes Ergebnis: Die Tarife enttäuschten durchwegs die Erwartungen. „Bei Kindertarifen sollte davon auszugehen sein, dass diese nicht zur Kostenfalle werden. Es ist dringend notwendig, dass hier nachgebessert wird, damit es nicht zum bösen Erwachen für Eltern und Kinder kommt“, so AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder.

Unsere Konsumentenschutzabteilung kennt das Problem zur Genüge: Werden Freieinheiten überschritten oder kommt es zu unbewussten In-App-Käufen kann das Handy schnell zur Kostenfalle werden. „Wir sind regelmäßig mit Summen von 500 Euro und mehr konfrontiert“, weiß AK-Konsumentenschützer Christian Obermoser. „Zwar sind die Anbieter insbesondere bei sehr jungen Nutzerinnen und Nutzern einsichtig, dennoch sind etwaige Preisnachlässe stets mit viel Schriftverkehr verbunden.“


Enttäuschend: Auch Kindertarife enthalten Fallstricke

Damit es erst gar nicht so weit kommen muss, haben 4 Anbieter mittlerweile Kindertarife im Angebot. Diese wurden von der Arbeiterkammer Salzburg nun auf Praxistauglichkeit geprüft. Das ernüchternde Ergebnis: Kein Tarif erfüllt die Erwartungen der AK-Konsumentenschützer zu 100%. „Leider mussten wir feststellen, dass alle Angebote potenzielle Kostenfallen beinhalten. Diese Fallen sind zwar kleiner, als bei den üblichen Tarifen, aber dennoch vorhanden. Es ist sehr enttäuschend, dass nicht von vornherein Fallstricke eliminiert wurden. Es liegt an den Eltern, sich mit dem jeweiligen Tarif auseinanderzusetzen und Kostenlimits festzulegen sowie Drittanbieter und Mehrwertnummern zu sperren. Das setzt allerdings technisches Know-how voraus. Darüber verfügen nicht alle Eltern“, so Obermoser.


Kindertarife als Marketing-Gag

Laut Obermoser unterscheiden sich ausgewiesene Kindertarife nicht wesentlich von herkömmlichen Verträgen. „Schutzvorkehrungen können ohnehin bei allen Tarifen gesetzt werden. Bei speziell für Kinder beworbenen Produkten erwarten wir uns, dass vom Anbieter sämtliche Kostenfallen von Haus aus eliminiert werden. In der bestehenden Form sind sie eher ein Marketing-Gag, als wirkungsvoller Schutz“, erklärt der Konsumentenschützer. Er rät außerdem dazu, Kundenkennwörter sowie die Passwörter für den Google-Account oder die Apple-ID nicht an die Kinder weiterzugeben.


Wertkartentarife als sinnvolle Alternative

Solange Kindertarife ihrem Namen nicht gerecht werden, rät der Experte zu einem Wertkartentarif. „Dabei kann nicht mehr als das aufgeladene Guthaben verbraucht werden und die Tarife sind den Vertragstarifen oft sogar ebenbürtig. Einzige Voraussetzung ist, dass kein preisgestütztes Handy benötigt wird. Dieses wird jedoch ohnehin über den Tarif abbezahlt und kommt in der Regel nicht günstiger“, so Christian Obermoser abschließend.


VORSICHT VOR DIESEN KOSTENFALLEN

  • Kostenfalle Nummer 1: Die größte Kostenfalle ist noch immer das herkömmliche Telefongespräch. Steht nur eine begrenzte Anzahl an Freiminuten zur Verfügung, kann das Telefonieren teuer werden. Ebenso können Auslandstelefonate ins Geld gehen

  • Kostenfalle Nummer 2: Auch Kinder nutzen das Handy als multimediales Gerät und surfen damit im Internet oder konsumieren Serien und Filme. Schnell ist das verfügbare Datenvolumen verbraucht. Zusätzliche Datenmengen kosten dann viel Geld

  • Kostenfalle Nummer 3: Es ist keine Seltenheit, dass beim Spielen oder Surfen ohne viel Nachdenken Abos aktiviert werden. Aber auch der Erwerb von kostenpflichtigen Downloads und In-App-Käufe können beim Anblick der Monatsrechnung zum bösen Erwachen führen

  • Kostenfalle Nummer 4: Immer wieder kommt es vor, dass die Nutzung von Mehrwertnummern, kostenpflichtigen Servicehotlines und Erotikdiensten hohe Kosten verursacht

  • Kostenfalle Nummer 5: Auch wenn SMS in Zeiten von WhatsApp und Co. eine immer geringere Rolle spielen, können Kinder, die dieses Service exzessiv mit Freunden nutzen, unabsichtlich hohe Kosten herbeiführen, wenn das Kontingent an Frei-SMS verbraucht wurde. 


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