12.12.2018

Bleibt zu Hause, wenn ihr krank seid!

Nirgends in Österreich gibt es weniger Krankenstandstage als in Salzburg, zeigt der WIFO-Fehlzeiten Report. Das Problem hinter der eigentlich positiven Zahl: Rund 50 Prozent der Salzburger gehen krank arbeiten – mit allen negativen Konsequenzen für die Langzeit-Gesundheit, Psyche und letztendlich Gesellschaft und Wirtschaft. „Unternehmen müssen mithelfen, diese Entwicklung einzudämmen – und dürfen sie nicht noch befeuern“, warnt AK-Präsident Peter Eder.

Gestern wurde der aktuelle Fehlzeiten-Report des Instituts für Wirtschaftsforschung präsentiert. Ergebnis: Nirgendwo in Österreich gibt es weniger gemeldete Krankenstandstage als in Salzburg. Im Schnitt 10,6 pro Jahr. Damit liegt die offizielle Krankenstands-Quote im Bundesland in etwa 16 Prozent unter der österreichischen.

Das stimmt auf den ersten Blick natürlich positiv. Aber AK-Präsident Peter Eder gibt zu bedenken: „Diese Zahlen kaschieren eine sehr bedenkliche Entwicklung: Rund die Hälfte aller Beschäftigten gehen krank arbeiten.“ Das WIFO geht von im Schnitt 5 Tagen pro Jahr aus, an denen man sich trotz angeschlagener Gesundheit in die Arbeit schleppt.

Peter Eder: „Das ist eine Zeitbombe. Denn dadurch nimmt langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf- wie auch psychische Erkrankungen zu. Und: Die Dauer der Langzeit-Krankenstände steigt. Das alles kostet uns rund zehn Mal mehr als wenn die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich einfach auskurieren würden – in ganz Österreich geschätzt 30 Milliarden Euro jährlich.

Die moderne Arbeitswelt macht immer mehr Menschen krank

„Die Menschen sollen immer flexibler arbeiten. Für die Arbeitgeber verfügbar sein, wenn die Arbeit anfällt. Leistung wird oft Termin-, projekt- und ergebnisbezogen bewertet. Krank zu sein ist dann oft gar keine realistische Möglichkeit mehr.  Beschäftigte müssen sprichwörtlich alles geben. Deshalb fällt es vielen immer schwerer, die eigene Person und die damit verbundenen Interessen klar von der Arbeit abzugrenzen. Das ist aber weder für Arbeitgeber, noch für Beschäftigte oder die Gesellschaft eine wünschenswerte Entwicklung“, sagt der AK-Präsident.

Im neuen Fehlzeiten-Report geben etwa 3 von 5 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, aus Pflichtgefühl krank gearbeitet zu haben. „Dieser ´Präsentismus´ hat viel mit Stress, Zeitdruck, Ressourcenmangel sowie psychischer und sozialer Belastung am Arbeitsplatz zu tun. Dazu kommen oft Rollenkonflikte, Erfolgsdruck, viel Verantwortung und keine Vertretungsregelungen“, weiß Arbeitspsychologin Karin Hagenauer.

Krank zur Arbeit gehen setzt einen Teufelskreis in Gang

Ein Fall aus der Beratung: Frau M. ist 43 Jahre alt und Sozialarbeiterin in einer betreuten Wohngemeinschaft für Jugendliche. Im Team sind 2 Sozialarbeiter, 2 Psychologen und ein Sozialpädagoge. Der Schichtdienst wird abgewechselt. Bei Bedarf gibt es Springer. Besonders im Winter ist Frau M. durch den häufigen Kontakt mit anderen oft krank. Wegen der engen Personalsituation geht sie aber meist nach 1-2 Tagen wieder in den Dienst, obwohl sie mehr Ruhe bräuchte.  Dadurch ist fast immer jemand im Team krank. Es kann nie auf das gesamte Personal zugegriffen werden. Und es muss immer wieder jemand einspringen.

„Das ist wie ein Teufelskreis, der bei der Betroffenen letztendlich sogar zu psychischen Problemen geführt hat. Neben längeren Ausfällen sind in solchen Situationen auch ein Burnout oder chronische Krankheitsbilder möglich. Deshalb klären AK, SGKK und deren Partner seit Jahren mit der Kampagne ´I schau auf mi UND di´ darüber auf“, sagt Karin Hagenauer.

Die Bedürfnisse der Beschäftigten müssen wieder zählen

Lösung kann nur das Anpassen der Arbeitswelt an die wirklichen Bedürfnisse der Beschäftigten sein. Dann sind die Menschen gesünder, wieder leistungsfähiger und es passieren zudem weniger Fehler und Unfälle. „Die neue 60-Stunden-Woche ist ein gutes Beispiel, wie es nicht sein sollte: Arbeitsleistung ist jetzt ´freiwillig´ verfügbar, wann immer der Arbeitgeber sie braucht. Die Menschen müssen wieder mehr zählen“, so AK-Präsident Peter Eder: „Dazu gehört zuallererst die Anwesenheit trotz Krankheit nicht auch noch mit Boni-Systemen zu fördern. Jeder Betrieb braucht genügend Personal, sonst gehen am Ende alle am Zahnfleisch. Und: Überstunden müssen abgebaut werden. Diese Schritte zu setzen und aktiv gegen das Phänomen vorzugehen ist eine zentrale Aufgabe für alle Führungskräfte, denen die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein ehrliches Anliegen ist. Brüsten können wir uns mit den offiziell niedrigen Krankenstandszahlen derzeit jedenfalls nicht.“

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