15.10.2021

Corona-Arbeitslosigkeit: 73 Prozent hatten Geldprobleme

Kreditrückzahlungen, Kontoüberziehungen und das Aufbrauchen von Ersparnissen waren die häufigsten Probleme, mit denen Arbeitslose in der Corona-Pandemie konfrontiert waren. Kein Wunder: 73 Prozent sind in der Arbeitslosigkeit schlecht bzw. gar nicht mit den Einkünften ausgekommen. Auf dieses zentrale Ergebnis einer Studie zu sozialen und finanziellen Folgen der Pandemie macht die AK Salzburg anlässlich des Internationalen Tages der Armutsbekämpfung am 17. Oktober aufmerksam. „Corona hat Menschen in Arbeitslosigkeit vor große finanzielle Herausforderungen gestellt. Um Betroffene langfristig vor Armut zu schützen, muss die Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes endlich auf 70% erhöht werden“, hält AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder fest.

Die Pandemie hat das Leben aller Menschen enorm beeinflusst. Die AK Salzburg wollte es genau wissen und hat die sozialen und finanziellen Folgen der Pandemie erhoben. An der quantitativen Befragung von Mitte März bis Ende Mai 2021 beteiligten sich insgesamt 2.843 Personen. Anlässlich des Internationalen Tages der Armutsbekämpfung rücken die finanziellen Folgen in den Fokus. „Glücklicherweise hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt mittlerweile entspannt. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass mit September 2021 knapp 3.000 Personen bzw. 30 Prozent der Arbeitslosen über ein Jahr beschäftigungslos waren. Vor der Corona-Krise lag die Zahl im September 2019 bei 2100 Personen“, erklärt Eder und ergänzt: „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass bei Arbeitslosigkeit das Geld nicht zum Leben ausreicht und oft Kredite oder Stundungen in Anspruch genommen werden müssen. Mit zunehmender Dauer steigt die Armutsgefährdung. Dies gilt es rechtzeitig zu verhindern.“

AUCH EU-BERICHT BELEGT: ARBEITSLOSIGKEIT ALS ARMUTSFALLE

Auf die steigende Armutsgefährdung weist auch die EU hin. So waren in Österreich laut EU-SILC im Jahr 2020 14% der Bevölkerung armutsgefährdet. Bei Menschen, die zwischen 6 und 11 Monaten arbeitslos waren, steigt die Armutsgefährdung auf 32 Prozent, bei ganzjährig Arbeitslosen auf 52 Prozent. „Arbeitslosigkeit erweist sich somit als Armutsfalle – umso mehr, je länger sie dauert“, stellt AK-Präsident klar.

BEI 73% REICHTE DAS ARBEITSLOSENGELD NICHT AUS

In der Corona-Krise gestaltete sich die Einkommenssituation bei Personen, die von Arbeitslosigkeit betroffen waren, besonders schlecht. Knapp jede/r dritte Befragte (31,7%) gab an, gar nicht mit dem Einkommen auszukommen, weitere 41 Prozent kamen eher schlecht aus. Besser war die Situation für Menschen in Kurzarbeit, wo nur 4 Prozent gar nicht und 23,2 Prozent eher schlecht mit dem Einkommen auskamen.

 

Abbildung 1 © AK, AK
© AK, AK

„Hier zeigt sich, dass der Sozialstaat wirkt. Ohne das von den Sozialpartnern verhandelte österreichische Kurzarbeitsmodell hätte sich das Leben von mehr als 100.000 Menschen in Salzburg wohl dramatisch verschlechtert“, weiß Co-Studienautorin Ines Grössenberger.

AUSKOMMEN NUR MIT ERSPARNISSEN AUS BESSEREN ZEITEN

Dennoch konnte auch Kurzarbeit negative Folgen wie Mietrückstände, das Aufbrauchen von Ersparnissen oder Probleme bei der Kreditrückzahlung nicht verhindern. Diese waren jedoch nicht so häufig wie bei Arbeitslosigkeit. So hatten 12,5 Prozent der Menschen in Arbeitslosigkeit Probleme mit Kreditrückzahlungen, während es in Kurzarbeit 7,3% waren. Am häufigsten mussten Ersparnisse aufgebraucht (Arbeitslosigkeit: 37,1%, Kurzarbeit: 31,5%) bzw. das Konto überzogen werden (Arbeitslosigkeit: 25,8%, Kurzarbeit: 20,5%)

Finanzielle Auswirkungen der Pandemie © AK
© AK

Entsprechend groß waren auch die Sorgen um das finanzielle Auskommen, insbesondere bei Personen, die von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Knapp 60 Prozent gaben an, sich häufig Sorgen um das finanzielle Auskommen zu machen. Bei den von Kurzarbeit Betroffenen waren es 23 Prozent, bei den nicht von den Auswirkungen der Krise Betroffenen nur 8 Prozent.

„Die Ergebnisse bestärken unsere Forderung nach einer Anhebung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent. Damit das Auskommen in der Arbeitslosigkeit erleichtert und ein Abrutschen in die Armut verhindert wird“, so AK-Präsident Peter Eder abschließend.

WEITERE MASSNAHMEN

  • Mit Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen neue Perspektiven geben
  • AK-Konzept „Jobgarantie“ umsetzen und 40.000 zusätzliche Arbeitsplätze im gemeinnützigen Bereich schaffen
  • Aktive Arbeitsmarktpolitik mit ausreichend Ressourcen ausstatten 

Die vollständige Studie zum Herunterladen (1,9 MB)

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