4.6.2020

Es braucht kostenlose Nachhilfe und Lernbetreuung an unseren Schulen

Der Nachhilfebedarf unter Salzburgs Schülerinnen und Schülern wächst. 19.000 Schülerinnen und Schüler – immerhin 29 Prozent – haben im laufenden Schuljahr bzw. in den Ferien Nachhilfe in Anspruch genommen. Dieser Anteil dürfte noch weiter steigen. Eine Zusatzbefragung zur AK-Nachhilfe-Studie zeigt, dass während der Schulschließungen wegen Corona jeder zweite Befragte Schwierigkeiten hatte, mit dem Kind zu lernen. 28 Prozent gaben an, dass das Kind mit den Online-Aufgaben überfordert war. „Die Politik muss die Bemühungen intensivieren, damit kein Kind abgehängt wird. Jetzt sind kostenlose Nachhilfe und Lernbetreuung an den Schulen gefragt. Mit ,Ein Platz zum Lernen‘ und ,Freizeitspaß trifft MINT‘ zeigt die AK vor, wie es geht, die Schulverantwortlichen müssen nachziehen“, erklärt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder.

Für die AK steht das Thema (Chancen-)Gerechtigkeit an oberster Stelle. Mit der Nachhilfe-Studie wird daher in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut IFES alljährlich erhoben, wie groß der Bedarf von Salzburgs Schülerinnen und Schülern ist. Solange Nachhilfe noch immer zum großen Teil extern erfolgt, gilt es den Bedarf möglichst gering zu halten bzw. kostenlose Angebote auszubauen, damit der erfolgreiche Erwerbsverlauf nicht vom Geldbörsel der Eltern abhängt.

Nachhilfebedarf gestiegen

Der Nachhilfebedarf in Salzburg hat im Vorjahresvergleich um 4 Prozent zugenommen. 29 Prozent bzw. 19.000 Schülerinnen und Schüler haben eine externe Nachhilfe bekommen – sei es bezahlt oder unbezahlt. Aus bildungspolitischer Sicht erfreulich: Der Zuwachs geht vor allem auf die schulischen bzw. schulnahen Gratisnachhilfen zurück. So ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die eine bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen haben, mit 16 Prozent fast völlig deckungsgleich mit den Ergebnissen des Vorjahres. Ebenfalls stabil geblieben ist mit 10 Prozent der Anteil an unbezahlter privater Nachhilfe. Der Anteil derer, die eine von der Schule oder einer schulnahen Einrichtung organisierte Gratisnachhilfe nutzen konnten, hat sich hingegen auf 7 Prozent (+3%) erhöht.

(Anm.: Da teilweise mehrere Angebote in Anspruch genommen wurden, liegt die Gesamtzahl über 29 Prozent).

3.000 hätten Nachhilfe gebraucht, aber keine bekommen

„Es zeigt sich eindeutig, dass schulische Nachhilfe angenommen wird, sobald das Angebot da ist. Wenn man weiß, dass sich Eltern von 3.000 Schülerinnen und Schülern Nachhilfe gewünscht hätten, sich diese vorwiegend aus Kostengründen allerdings nicht leisten konnten, ist der Ausbau des schulischen bzw. schulnahen Angebots das Gebot der Stunde“, stellt AK-Präsident Peter Eder klar.

Das Thema Nachhilfe beschäftigt jedenfalls schon in der Volksschule. Bereits 18 Prozent der Kinder nahmen externe Nachhilfe in Anspruch. An den Neuen Mittelschulen und in der AHS-Unterstufe liegt dieser Anteil bei rund 40 Prozent.

Die Gründe Nachhilfe in Anspruch zu nehmen sind vielfältig. In der Volksschule geht es bei der Nachhilfe vielfach darum, möglichst ein „Sehr gut“ im Zeugnis zu bekommen, um in die gewünschte Schulform aufsteigen zu können. Generell geht es zunehmend darum, die Note zu verbessern, ohne im betreffenden Fach gefährdet zu sein. Ein Viertel erhielt in den Fremdsprachen Nachhilfe, um eine Nachprüfung bzw. eine negative Zeugnisnote zu vermeiden. Nachhilfe wirkt: Der Großteil tut sich in den Fächern, in denen er Nachhilfe bekam, zumindest etwas leichter.

Grundsätzlich hat sich in den vergangenen Jahren nichts an der Rangliste der Fächer verändert. Spitzenreiter bleibt Mathematik: 6 von 10 Schülerinnen und Schülern brauchten externe Lernunterstützung für Mathematik. Auf 27 Prozent traf eine Deutsch-Nachhilfe zu, auf 40 Prozent Nachhilfe in einer Fremdsprache.

Salzburger geben im Schnitt 510 Euro für Nachhilfe aus

Nachhilfe geht ganz schön ins Geld. Die mittleren Kosten in Salzburg belaufen sich auf rund 510 Euro und sind damit gegenüber dem Vorjahr (550 Euro) leicht gesunken. Dieser Kostenrückgang resultiert in erster Linie aus den Folgen der Corona-Pandemie, die persönliche Nachhilfe ausgeschlossen hat. Demzufolge sind auch die Gesamtausgaben der Salzburger Eltern in diesem Schuljahr und im letzten Sommer auf rund 5,4 Millionen Euro gesunken. Im Vorjahr waren es bei einer gleich hohen bezahlten Nachhilfequote noch knapp 6 Millionen Euro.

Nach Corona dürfte Bedarf weiter steigen

„Mit der Rückkehr zum Schulalltag ist davon auszugehen, dass der Bedarf an Nachhilfe und die Ausgaben dafür wieder zunehmen“, erklärt Hilla Lindhuber. Sie verweist auf eine österreichweite IFES-Zusatzbefragung, die unter die Lupe genommen hat, wie sich Corona noch zusätzlich auf den ohnehin schon großen Nachhilfe- und Nachholbedarf heuer auswirken wird. Es zeigt sich: Jeder zweite Befragte hat sich während der Schulschließungen wegen Corona zumindest in einem Fach schwer getan beim Lernen mit ihren Kindern zu Hause. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) gab an, ihr Kind war mit den Online-Aufgaben überfordert. Die zeitliche Belastung durch das Lernen, war für die Hälfe der Eltern ein Problem, ein Drittel (32 Prozent) berichtete deshalb sogar von Konflikten daheim. Homeoffice, Familienleben und Lehrer-Rolle waren entweder nicht vereinbar oder es fehlten pädagogische Kenntnisse. Manche waren grundlegend mit den Lernaufgaben überfordert. Hilfe brauchten besonders jene Eltern, die selbst wenig Bildung genossen haben.

AK-Präsident Eder: „Angesichts dieser Ergebnisse dürfen wir nicht zulassen, dass Kinder auf der Strecke bleiben. Die ohnehin schon vorhandene Benachteiligungs-Schere darf nicht noch weiter aufgehen.“ Er verweist in diesem Zusammenhang auf die gerade anlaufende österreichweite Schulkostenstudie und die teils neu geschaffenen Angebote der Arbeiterkammer Salzburg.

Schulkostenstudie startet

Die eigentlich kostenfreie Schule geht nicht nur in Sachen Nachhilfe ganz schön ins Geld. Um Verbesserungsvorschläge und Entlastungsmaßnahmen für mehr Chancengerechtigkeit zu erarbeiten, will es die AK genau wissen und hat eine österreichweite Schulkostenstudie gestartet. Eltern schulpflichtiger Kinder können sich ab sofort unter www.schulkosten.at zur Teilnahme an der Studie anmelden.

Kostenlose Lernhilfe von AK und BFI

Als Erste Hilfe gegen den Corona-bedingten Aufholbedarf beim Schulstoff haben AK und BFI den „Platz zum Lernen“ für Kinder von 10 bis 14 Jahren ins Leben gerufen. Mehrmals pro Woche erhalten sie dort inhaltliche Lernunterstützung und Nachhilfe mit Schwerpunkt auf Deutsch, Mathematik und Englisch. Der „Platz zum Lernen“ schließt nicht mit Schulschluss. Die Lernbegleiterinnen und -begleiter sind auch in den Ferien per Telefon oder online erreichbar. In den letzten 3 Ferienwochen ist die Vor-Ort-Nachhilfe dann jeden Vormittag verfügbar.

AK springt bei Sommerbetreuung ein

Mit dem Angebot „Ferienspaß trifft MINT“ entschärft die AK Salzburg die angespannte Betreuungssituation für Eltern. „Bereits in ,normalen‘ Jahren reichen 5 Wochen Urlaub bei 9 Wochen Betreuungsbedarf nicht aus. Nachdem aufgrund von Corona zahlreiche Urlaubsguthaben bereits verbraucht sind, wurde unser kostenloses MINT-Ferienbetreuungsprogramm auf 300 Plätze ausgebaut“, erklärt AK-Präsident Eder. Jeweils 1 Woche lang dürfen Kinder zwischen 11 und 15 Jahren experimentieren, programmieren, analysieren und ausprobieren. Während am Vormittag naturwissenschaftliche Schwerpunkte gesetzt werden, organisieren die Kinderfreunde am Nachmittag ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Das kostenlose Angebot steht heuer erstmals auch im Lungau zur Verfügung. Die Termine: Salzburg Stadt und Zell am See (24.8. bis 11.9.), St. Johann (27.7. bis 14.8.) und Tamsweg (7.9. bis 11.9.). Weitere Infos: www.ak-salzburg.at/akextra

 

Gerechtigkeitsoffensive an heimischen Schulen starten

Die Angebote der Arbeiterkammer können letztendlich nur einem kleinen Teil der Schülerinnen und Schüler zu Gute kommen. AK-Präsident Eder plädiert daher für eine umfangreiche Gerechtigkeitsoffensive an heimischen Schulen, damit jedes Kind bestmöglich unterstützt und begleitet werden kann.

  • AK-Chancen-Index: Die Schulfinanzierung (inklusive Personalausstattung) auf die Bedürfnisse der Kinder am Schulstandort abstimmen.
  • Zentrale Lernplattform für Distance Learning: Die unterschiedlichen eingesetzten Lernplattformen haben bei Eltern mit schulpflichtigen Kindern für Verwirrung gesorgt. Die AK schlägt die rasche Umsetzung einer zentralen Lernplattform durch das Bildungsministerium vor.
  • Technische Ausstattung verbessern: Es fehlen in vielen Fällen die Endgeräte an den Schulen und zu Hause. Auf Basis des Chancen-Index sollen Leihnotebooks an den Schulstandorten zur Verfügung gestellt werden, um beim Lernen am Ball zu bleiben.
  • Alle Lehrkräfte in die digitale Zukunft mitnehmen: Lehrkräfte müssen einheitlich für Distance Learning geschult und ausgestattet werden, sprich IKT-Kompetenzen sowie entsprechendes technisches Equipment.
  • Sprache darf kein Stolperstein sein: Die Corona-Krise hat gezeigt, wie stark Deutsch zum Filter werden kann, wenn Eltern zu Hause nicht bei deutschsprachigen Aufgabenstellungen helfen können. Sie hat zudem die zentrale Rolle von Muttersprachenlehrpersonen sowie von mehrsprachigen Lernmaterialien deutlich gemacht.
  • Kostenlose Kinderbetreuung: Jede 2. Familie musste aufgrund von Corona bereits einen Teil ihres Urlaubs verbrauchen. Es braucht daher einen Ausbau der Ferienbetreuung und mehr Angebote, um berufstätige Eltern zu entlasten.
  • Bildungsschere schließen: Kostenlose Sommerlernkurse sollen ein ausgewogenes Verhältnis an Spiel, Teambuilding und Lernen ermöglichen. Zudem braucht es vermehrt zusätzliche Lernangebote während der Schulzeit für Schülerinnen und Schüler, die Aufholbedarf haben. 

Links

Kontakt

Kontakt

Medien & Kommunikation
T: +43 (0)662 86 87-235
  • © 2020 AK Salzburg | Markus-Sittikus-Straße 10, 5020 Salzburg, +43 (0)662 86 87

  • Datenschutz
  • Impressum