8.4.2021

Mieten in Salzburg am teuersten – und ein Plus von über 60 % in 20 Jahren

Die aktuelle AK-Erhebung der Wohn- und Mietpreise zeigt, dass eine 70m2-Wohnung am Land im Schnitt pro Monat um fast 360 Euro, in der Stadt um rund 420 Euro mehr kostet als noch vor 20 Jahren. Laut Statistik Austria ist Salzburg überhaupt Spitzenreiter im Bundesländervergleich. „Höchste Zeit, dass die Politik unsere Vorschläge für günstigeres Wohnen aufgreift“, fordert AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder. Die Bundesregierung könnte mit einem einheitlichen Mietrecht und Mietzinsobergrenzen mithelfen. Und das Land Salzburg muss mehr geförderte Mietwohnungen bauen. Die Mittel dafür: Zweckwidmung der Wohnbaufördergelder, bessere Unterstützungsmöglichkeiten für die Land-Invest und eine schlagkräftigere Nutzung der Raumordnungsinstrumente.  

Die Wohnpreisanalyse der Salzburger Arbeiterkammer für das Jahr 2020 zeigt, dass sich die Wohnkostenspirale unaufhörlich nach oben dreht. Die durchschnittlichen Mieten (inkl. Betriebskosten) für eine 70m2-Wohnung sind im letzten Jahr in der Stadt Salzburg (15,6 Euro/m2) um 5,5 und am Land (13,2 Euro/m2) um 5,4 Prozent gestiegen.

Vergleicht man das mit den Werten des Jahres 2000, bedeutet das für´s Geldbörsel der Mieterinnen und Mieter in der Landeshauptstadt: Zahlte man damals für eine 70 m2-Wohnung in der Stadt Salzburg im Schnitt rund 677 Euro (inkl. BK und USt) monatlich, so waren es im Jahr 2020 rund 1.094 Euro. Eine Steigerung um fast 62 Prozent.

Noch größer der Preissprung am Land: Im Jahr 2000 zahlte man im Schnitt etwa 565 Euro monatlich – 2020 waren es rund 923 Euro monatlich. Eine Steigerung um über 63 Prozent.

Mietkosten stärker gestiegen als allgemeine Teuerung

„Vergleicht man die Entwicklung der Wohnkosten mit jener des Verbraucherpreisindexes (VPI) in den letzten 20 Jahren, fällt auf, dass die Mietpreise weitaus stärker angezogen haben als die allgemeine Teuerung“, berichtet Edith Steidl, Konsumentenberaterin für Wohn- und Mietrecht in der AK Salzburg. Demnach sind seit dem Jahr 2000 die Mieten am Land um 18,3 und in der Stadt Salzburg um 16,6 Prozentpunkte stärker gestiegen als die Inflation.

„Seit Jahren fordern wir von der Politik nachhaltige Maßnahmen, um diese Kostenexplosionen endlich einzudämmen“, so AK-Präsident Peter Eder, „war Wohnen in unserem Bundesland schon vor der Corona-Pandemie für viele kaum noch leistbar, hat sich die Lage in Zeiten, wo über 70.000 Menschen ihren Job verloren haben oder in Kurzarbeit sind, bedrohlich zugespitzt.“ 

Salzburg ist Mietpreis-Spitzenreiter

Auch ein Blick auf die Daten der Statistik Austria unterstreicht den Handlungsbedarf für die politisch Verantwortlichen: Demnach ist das Bundesland Salzburg bei den so genannten Hauptmietwohnungen (in dieser Wertung sind auch Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen enthalten) mit durchschnittlich 9,90 Euro (inkl. Betriebskosten) pro m2 österreichweit Spitzenreiter. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Vorarlberg mit 9,57 Euro und Tirol mit 9,20 Euro pro m2.

„Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Salzburg bei den Einkommen keineswegs im Spitzenfeld zu finden ist, sondern im Bundesländervergleich im unteren Drittel rangiert“, gibt Eder zu bedenken.

Kostenbremse nur mit mehr geförderten Mietwohnungen

Um den Markt mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen und den Kostenanstieg zu dämpfen, braucht es aus Sicht der AK vor allem mehr geförderte Mietwohnungen. Leider hat sich das Land Salzburg von dieser Sache mit der Reduktion der Wohnbauziele verabschiedet: „Die Reduktion des Landesziels auf 650 bis 750 geförderte neue Mietwohnungen jährlich statt ursprünglich 900 oder der von der AK geforderten 1.000 Mietwohnungen kommt einer Kapitulation vor dem Markt gleich“, kritisiert AK-Präsident Peter Eder.

Das Land Salzburg hat zuletzt drei Jahre in Folge seine eigenen gesteckten (niedrigen) Ziele beim Bau von geförderten Mietwohnungen nicht erreicht. Der Rückstand beträgt mittlerweile schon über 1.000 Wohnungen.

Wohnbaugelder versickern im Landesbudget

Von den Einnahmen des Landes im Bereich der Wohnbauförderung kam dem Wohnbau in den letzten Jahren lediglich ein Drittel zugute, der Rest versickerte im Salzburger Landesbudget. „Es ist unglaublich. Den Beschäftigten wird der Wohnbauförderungsbeitrag automatisch vom Einkommen abgezogen, bzw. kommt ein großer Teil der Einnahmen aus der Rückzahlung von Wohnbaudarlehen. Für den Wohnbau wird das Geld aber nicht verwendet“, ärgert sich AK-Präsident Eder. Auch für 2021 zeichnet sich ab, dass ein erheblicher Teil des Wohnbauförderungsbeitrags – immerhin rund 50 Millionen Euro – nicht für den Wohnbau verwendet wird.

„Es verwundert nicht, dass zu wenig gebaut wird, wenn etwa Wohnbaugelder zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet werden“, kritisiert Eder.

Erhebliches Potenzial in der Landeshauptstadt

Als Begründung für die zögerliche Wohnbautätigkeit führen die politisch Verantwortlichen gerne die mangelnden Flächen, bzw. Baugründe ins Treffen.

AK-Präsident Eder: „Dieses Argument lasse ich nicht gelten, denn Flächen stehen zur Verfügung.“ Dem Zentralraum kommt bei der Schaffung von leistbarem Wohnraum besondere Bedeutung zu: Im Jahr 2016 ist die Salzburger Stadtplanung - ohne Baulücken - von einem Flächenpotenzial von bis zu 90 Hektar und 8.000 Wohnungen für rund 20.000 Menschen ausgegangen. Dabei war die Nachverdichtung noch nicht einmal berücksichtigt.

Insgesamt könnte man also beispielsweise alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Hallein mit Wohnungen versorgen.

Zusätzlich besteht aktuell ein rechtlich zulässiges Nachverdichtungspotenzial auf den gewidmeten Flächen für etwa 18.000 Wohnungen.

Eder: „Deshalb heißt die Devise: Raumordnungsinstrumente nutzen, Land-Invest besser unterstützen und Wohnbaufördergelder nicht zweckentfremden!“

Bund muss Mietrecht reformieren

AK-Expertin Steidl: „Eine finanzielle Entlastung könnte auch durch eine Vereinheitlichung des Mietrechts erreicht werden. Das aktuelle Mietrechtsgesetz ist in sehr unterschiedlichem Umfang anwendbar und damit für die Mieterinnen und Mieter kaum transparent. Hier bräuchte es einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen. Zum Beispiel für Wohnungen in Häusern, die vor über 30 Jahren errichtet wurden, sollten nachvollziehbare Mietzinsbegrenzungen eingeführt werden.“

Auch eine Abänderung des gesetzlichen Betriebskostenkataloges ist aus Sicht der AK längst überfällig: „Nämlich insofern, dass nur jene Kosten überwälzbar sein dürfen, die die Mieterinnen und Mieter unmittelbar verursachen (Wasser, Abwasser, Müllentsorgung), aber nicht Posten wie Grundsteuer, Versicherungs- oder Verwaltungskosten“, empfiehlt Steidl.

Eigentum ist mittlerweile Utopie

Wie sieht es im Eigentumsbereich aus? Zunehmend utopisch: Mit einem m2-Preis von 5.329 Euro sind die Preise in der Stadt Salzburg im Jahresvergleich um 5,8 Prozent gestiegen. Zieht man auch hier den Vergleich mit dem Jahr 2000, ergibt das eine Kostenexplosion von plus 160 Prozent. Der m2 in der Stadt hat sich demnach in 20 Jahren um 3.278 Euro verteuert.

Am Land ist die Preissteigerung etwas „geringer“ ausgefallen: Ein m2-Preis von 4.543 Euro bedeutet eine Steigerung von 3 Prozent im Jahresvergleich. Langfristig sind um rund 122 Prozent mehr pro m2 zu zahlen. Anders ausgedrückt: Am Land ist der m2 seit dem Jahr 2000 um 2.495 Euro teurer geworden.

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