28.07.2020

Altersarmut ist weiblich - Pensions-Schere schließen: jetzt!

Der sogenannte Equal Pension Day fällt im Bundesland Salzburg heuer auf den 29. Juli. Das ist jener Tag, an dem der durchschnittliche Pensionist seit Beginn des Jahres jenen Betrag erhalten hat, den die durchschnittliche Pensionistin erst mit Jahresende erreichen wird. 

Aktuelle Zahlen zeigen, dass Frauen im Jahr 2020 immer noch durchschnittlich 41,86 Prozent weniger Pension erhalten als Männer – dadurch sind sie massiv von Altersarmut betroffen. „Frauen leisten nach wie vor den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit für Kinder, das muss für die Pension stärker berücksichtig werden. Die ÖGB-Frauen haben daher ein Modell entwickelt, um Kindererziehungszeiten länger und besser anzurechnen, damit Frauen im Alter sorgenfreier und finanziell unabhängiger leben können“, so ÖGB-Landesgeschäftsführerin Gabi Proschofski anlässlich des bevorstehenden Equal Pension Days.

„Österreich hat die viertgrößte Pensionslücke in der EU. Das Problem ist systemimmanent und vielschichtig“, erläutert Christine Pertele, ÖGB-Pensionistenvorsitzende. AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder ergänzt: „Die hohe Teilzeitquote bei Frauen spielt eine maßgebliche Rolle, ebenso die häufigen Berufsunterbrechungen zur Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen, die Arbeit in schlechter bezahlten Berufen und die geringeren Aufstiegschancen.“ 

Salopp formuliert, so Pertele, „beginnt mit dem ersten Kind der Einstieg in den Abstieg. Verschiedene Studien bestätigen das. Wird eine Familie gegründet, steckt zuallererst der weibliche Partner zurück.“  

„Kinder bekommen, darf für Frauen in Österreich kein Nachteil sein. Aufgrund von fehlenden Kinderbildungseinrichtungen und veralteten Rollenzuschreibungen in der Gesellschaft ist die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Betreuungsarbeit für Frauen in Österreich nach wie vor nur schwer möglich – die Teilzeitquote von unselbstständig beschäftigten Frauen liegt bei 48 Prozent“, warnt Landesgeschäftsführerin Proschofski. 

Dieser Faktor führe zu geringen Lebens-Einkommen und in der Folge zu niedrigen Pensionen.

Aktuell kommt es neben der Gehalts- und Pensionsschere zur „Corona-Schere“. Obwohl in der Krise frauendominierte Berufe in Handel, Pflege oder der Reinigung plötzlich als „systemrelevant“ erkannt wurden, schlägt sich diese Erkenntnis weder in der Bezahlung noch in der Wertschätzung nieder. 

Während in männlich dominierten Branchen (zB öffentliche Sicherheit, Banken) mehr als 80% der Beschäftigten Vollzeit arbeiten, steigt der Teilzeit-Anteil in jenen Berufen, die von Frauen ausgeübt werden, auf bis zu über 50%. Eine hohe Quote an Teilzeitbeschäftigten bedeutet unternehmerisch gesehen eine kostengünstige Flexibilitätsreserve in den Dienstplänen – „für Frauen allerdings heißt das, dass sie über kein existenzsicherndes Einkommen verfügen“, so AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Eder. Zudem arbeiten Frauen oftmals zu ungünstigen Zeiten – „die Lage der Arbeitszeit, nachts, frühmorgens oder am Wochenende, ist ebenso typisch für diese systemrelevanten Berufe“. 

Gleichzeitig ist auffallend, dass frauendominierte Berufe einen geringeren gesellschaftlichen Status haben als sogenannte Männerberufe, weist Gabi Proschafski auf eine weitere Ungerechtigkeit hin: „Diese geringere Wertigkeit auf dem Arbeitsmarkt drückt sich am Monatsende zumeist durch geringeren Lohn aus!“ Frauen seien daher - vor allem im Alter - stärker auf Sozialleistungen angewiesen. Denn: „Eine niedrigere Entlohnung und brüchigere soziale Absicherungen in den systemrelevanten Berufen haben natürlich auch Auswirkungen auf die spätere Pension und die Armutsgefährdung im Alter!“

Um gerade Frauen, die aufgrund von Betreuungspflichten und fehlender Infrastruktur geradezu gezwungen sind, Teilzeit zu arbeiten, im Alter das Leben zu erleichtern, fordern die ÖGB-Frauen die stufenweise Verlängerung der Anrechnung der Kindererziehungszeiten bis zum 8. Lebensjahr des Kindes, statt bisher bis zum 4. Lebensjahr. „Dieses neue Modell würde Frauen insgesamt 175,40€ mehr im Monat bringen. Kindererziehung ist eine zentrale Aufgabe in unserer Gesellschaft – das muss politisch anerkannt und wertgeschätzt werden“, unterstützt AK-Präsident und ÖGB-Vorsitzender Peter Eder die Forderungen der Gewerkschaftsfrauen.  

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