28.4.2021

Zeitdruck im Job: Jeder 3. Beschäftigte sieht schwarz für berufliche Zukunft

Besorgniserregendes Detail aus dem aktuellen Arbeitsklima Index der AK: 31 Prozent der Befragten glauben nicht, ihren Job bis zur Pension ausüben zu können. Zu sehr schlagen sich Zeitdruck und Stress auf Körper und Geist. So wie bei Frau K., die eigentlich in Kurzarbeit ist. Trotz steigender Arbeitsmenge wird sie nicht auf Vollzeit umgestellt. Sie muss nach Dienstschluss weiterarbeiten, um alles zu schaffen. Das hat sie ausgelaugt, sie kann kaum noch schlafen und hat keine Energie mehr für ihre Hobbies. AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder fordert: „Um die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten, braucht es nachhaltige Veränderungen in der Arbeitswelt, wie etwa eine gerechte(re) Verteilung von Arbeit und Einkommen sowie eine Entschleunigung des Arbeitsprozesses.“ 

Heute ist der Welttag für Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Ein Großkampftag für den ArbeitnehmerInnenschutz der Salzburger Arbeiterkammer, denn Arbeitsbelastungen und Arbeitsintensität haben mittlerweile ein ungesundes Niveau erreicht. Die Anzahl jener, die nicht glauben, ihren Job bis zur Pension ausüben zu können, beträgt 31 Prozent - also fast jeder dritte Beschäftigte in unserem Bundesland. 

Arbeitsklima Index gibt Anlass zur Sorge

Der aktuelle Arbeitsklima Index 2020 der AK liefert besorgniserregende Details zu Tage:

  • Rund 60 Prozent der Befragten arbeiten unter hoher Reizintensität, dauerhaftem Multitasking und pausenlos erforderlicher Konzentration.
  • Jede/r Zweite berichtet von häufig wechselnden Anforderungen. Und knapp jede/r Dritte berichtet von dauerndem Arbeitsdruck.
  • Knapp jede/r Dritte fühlt sich durch Zeitdruck am Arbeitsplatz stark belastet. Gegenüber 2019 (18,2 Prozent) hat sich damit die Anzahl fast verdoppelt.

Ausgelaugt und ausgebrannt

Wie die steigenden Belastungen, gepaart mit den Folgen der Corona-Krise, an die Substanz gehen können, zeigt ein aktueller Fall aus der Beratung.

Seit März 2020 arbeitet Frau K. in Kurzarbeit im Homeoffice. Sie ist für das Marketing in einem großen Konzern in Salzburg zuständig. Ihre Kollegen sieht sie, wenn überhaupt, nur in Online-Konferenzen. Der Druck ihres Arbeitgebers, die Umsätze trotz der Krise zu erhöhen, ist hoch. Im ersten Lockdown hat sie das Arbeitspensum gut bewältigt, doch mit Andauern der Pandemie stieg der Umsatzdruck immer weiter. Trotzdem bleibt Frau K. in Kurzarbeit, kann die Arbeitsmenge aber kaum noch bewältigen. Sie stempelt entsprechend der Kurzarbeitsregelung aus und arbeitet danach weiter. Sie kann nicht mehr durchschlafen und hat keine Energie mehr, ihren Hobbies nachzugehen.

AK: Stressfaktoren reduzieren, Arbeitsinspektorat stärken

Was es aus Sicht der Salzburger Arbeiterkammer braucht, um die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten, bzw. zu schützen, umreißt AK-Arbeitnehmerschützer Bernd Wimmer: „Kürzere Arbeitszeiten und eine Verringerung der Stressfaktoren, also weniger psychische Belastung und gesundheitsfördernde Maßnahmen, um die Belastungen zu reduzieren. Eine Arbeitszeitverkürzung und damit bessere Verteilung der Arbeit sowie schärfere Kontrollinstrumente des Arbeitsinspektorates dürfen künftig keine Tabus sein.“

AK setzt auf Bewusstseinsbildung und Service

Mit Bewusstseinsbildung und Informationen möchte die Salzburger Arbeiterkammer die psychosoziale Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer künftig verstärkt in den Fokus rücken. Ab 3. Mai 2021 wird es auf www.ak-salzburg.at ein neues Tool geben: Mittels Schnell-Check kann man mit wenig Zeitaufwand einen Eindruck über sein eigenes psychisches Wohlbefinden gewinnen. Außerdem werden mit einem Klick sämtliche Beratungsstellen im Bundesland Salzburg, wo sich die Beschäftigten Rat und Hilfe bei psychosozialen Problemlagen holen können, ersichtlich sein.

Auch auf ihren Social-Media-Kanälen wird die AK die psychosoziale Gesundheit zum Thema machen und auf ihr Beratungsangebot im Rahmen der Arbeitspsychologie verstärkt hinweisen.

AKTIV im Homeoffice: Betriebssport startet Videoreihe

Genauso wichtig wie die psychische Gesundheit ist die körperliche Fitness. Insbesondere im Homeoffice nehmen Belastungen und Fehlhaltungen zu, weil nur selten ein ergonomisch korrekt eingerichteter Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Um dem entgegenzuwirken, hat der AK/ÖGB-Betriebssport gemeinsam mit „Personal Fitness“ und dem „Club Aktiv Gesund“ des ASKÖ eine 20-teilige Videoreihe entwickelt. In kurzen, rund 15-minütigen Videos werden dabei einfach nachzumachende Dehn-, Lockerungs- und Kräftigungsübungen von Kopf bis Fuß präsentiert, für die keinerlei Zusatzgeräte benötigt werden. Die Videos können ab sofort auf der Webseite des Betriebssport www.betriebssport-salzburg.at abgerufen werden.

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