29.04.2019

Eder: Von Schönfärberei haben Kinder und Eltern nichts

Die heute präsentierten Zahlen zur aktuellen Situation der Salzburger Kinderbetreuung wurden mit `Salzburgs Kinder sind bestens betreut` betitelt. Verwundert darüber zeigt sich AK-Präsident Peter Eder: „Ich verstehe diese Euphorie nicht, denn die großen Baustellen bleiben. Nicht angebrachte Selbstzufriedenheit und Zahlen-Schönfärberei bringen weder Eltern noch Kindern was. Bei den unter 3-Jährigen ist die institutionelle Betreuungsquote gerade einmal um 0,3 Prozent gestiegen. Nach wie vor hat jede zweite Einrichtung mehr als 5 Wochen jährlich geschlossen und mit einem Vollzeitjob beider Eltern sind lediglich 28,9 Prozent kompatibel – also annähernd gleich geblieben. Und ein Betreuungsschlüssel in Kindergärten von 8 Kindern pro Fachkraft ist nur die halbe Wahrheit – denn in jedem 2. Kindergarten kommen auf 1 Fachkraft zwischen 10 bis zu 25 Kinder.“ Die AK fordert weiterhin eine Anhebung der Betreuungsquote bei den unter 3-Jährigen auf 50 Prozent bis zum Jahr 2025.

Heute hat die für Kinderbetreuung zuständige Landesrätin Andrea Klambauer die neuesten Zahlen zur Situation der Kinderbetreuung im Bundesland Salzburg präsentiert – unter dem Titel „Salzburgs Kinder sind bestens betreut“. AK-Präsident Peter Eder kann diese Schlagzeile nicht nachvollziehen: „Von echter Wahlfreiheit für Eltern ist das Bundesland Salzburg nach wie vor meilenweit entfernt, denn bei der institutionellen Betreuungsquote bei den unter 3-jährigen Kindern, bei den VIF-Kriterien (Vereinbarkeitsindikator Beruf-Familie) und auch bei den Schließzeiten gibt es wenn nur marginale Verbesserungen.“

Baustellen bleiben

Eva Stöckl, AK-Abteilungsleiterin für Sozialpolitik: „Bei den unter 3-Jährigen ist die institutionelle Betreuungsquote seit dem Jahr davor lediglich um 0,3 Prozent von 19,9 auf 20,2 Prozent gestiegen. Eine Analyse der VIF-Kriterien zeigt, dass aktuell nur 28,9 Prozent der Einrichtungen mit einem Vollzeitjob beider Eltern kompatibel sind (im Jahr davor 29,7 Prozent). Und apropos Zeit: Bei den Schließzeiten ist ebenfalls kaum eine Verbesserung zu bemerken: Nach wie hat jede zweite Einrichtung (48 Prozent) mehr als 5 Wochen pro Jahr geschlossen – mit einem grundsätzlichen Urlaubsanspruch der Eltern von 5 Wochen kein Honiglecken.“

Halbwahrheit Betreuungsschlüssel

Der von Klambauer als besonders erfreulich hervorgehobene Betreuungsschlüssel in Kindergärten von 8 Kindern pro Fachkraft ist für die AK nur die halbe Wahrheit denn: „In dieser Berechnung sind alle Einrichtungen, also auch die Krabbelgruppen berücksichtigt, wo der Betreuungsschlüssel ja ein viel besserer ist“, erklärt Stöckl, „zieht man nur die Kindergärten heran, zeigt sich, dass in jedem 2. Kindergarten auf 1 Fachkraft zwischen 10 und 25 Kinder kommen.“

Neues Gesetz: mehr Mini-Reform als großer Wurf

Fast 5 Jahre lang hat sich die Salzburger Landesregierung mit dem neuen Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz Zeit gelassen. Wer sich eine Lösung der oben genannten Probleme erwartet hat, ist aber enttäuscht worden.

 „Diese aktuellen Zahlen als deutliche, spürbare Verbesserung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu interpretieren, halte ich für sehr gewagt“, so AK-Präsident Peter Eder, „wir bleiben deshalb bei unseren Forderungen. Für eine wirkliche Chancengleichheit aller Kinder, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie braucht es:

  • Rechtsanspruch eines jeden Salzburger Kindes auf einen professionell geführten und kostengünstigen Platz in einer elementaren Bildungseinrichtung. Nur mit Rechtssicherheit können Eltern tatsächlich frei entscheiden.
  • Konkrete und verpflichtende Bestimmungen zur Bedarfsplanung der Gemeinden ohne „Schlupflöcher“ (a la „nach Maßgabe der finanziellen Mittel“); kürzere Intervalle bei den Bedarfserhebungen. 
  • Ein kostenloses, ganztägiges letztes Kindergartenjahr sowie ein 2. kostenloses Kindergartenjahr.
  • Langfristig muss der Zugang zu elementaren Bildungseinrichtungen bis 2025 kostenfrei sein. Es ist sozial- und bildungspolitisch notwendig, dass der Besuch von elementaren Bildungseinrichtungen nicht an die finanziellen Möglichkeiten der Eltern gebunden ist.
  • Der Ausbau muss verpflichtend anhand der VIF-Kriterien erfolgen, um eine echte Vereinbarkeit für die Eltern zu ermöglichen.
  • Verbesserung und Sicherung der Qualität der Angebote z. B. durch kleinere Gruppengrößen und bessere Betreuungsschlüssel, denn: Elementare Bildungseinrichtungen sind Bildungsträger und wesentlich verantwortlich für frühkindliche Förderung und Vermittler von sozialem Lernen.
  • Wahlrecht der Eltern: Generell sollte künftig die Wahl des Ortes der Kinderbetreuung vollkommen unabhängig vom Wohnsitz des Kindes sein. Das würde berufstätigen Eltern jene Mobilität und Flexibilität geben, um den Gegebenheiten am Arbeitsmarkt entsprechen zu können.

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